Krypto vor wichtiger Woche | Krypto-Wochenbericht | Marktanalyse vom 26.09.2026

KRYPTO – Meine Sicht (Autor: Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh)

Executive Summary:

  • Bitcoin hat seine Erholung fortgesetzt, den Ausbruch aber noch nicht abgesichert. Nach einem Wochenhoch um 87.000 US-Dollar handelt die Kryptowährung am Samstagmorgen bei rund 83.900 US-Dollar, etwa 3,3 Prozent über dem vergangenen Samstag. Die Käufer bleiben im Markt, müssen jedoch gegen deutlich höhere Anleiherenditen anarbeiten. Genau diese Spannung prägt die Woche.
  • Die Erholung reicht über Bitcoin hinaus. Ethereum notiert bei rund 2.686 US-Dollar, Solana bei 120,60 US-Dollar, Chainlink bei 14,05 US-Dollar, Aave bei 153,90 US-Dollar und XRP bei 1,553 US-Dollar. Gegenüber den gerundeten Ständen des vergangenen Samstags führt Chainlink mit gut 13 Prozent Plus; auch XRP, Aave und Solana schlagen Bitcoin. Ethereum bleibt zurück.
  • Die bis Samstag morgen vollständig gemeldete ETF-Woche bestätigt den Nachfrageumschwung: Die US-Spotprodukte verbuchen netto rund 2,39 Mrd. US-Dollar bei Bitcoin, 690 Mio. bei Ethereum und 188 Mio. bei Solana. Bei Bitcoin sinken die täglichen Zuflüsse allerdings von fast einer Milliarde am Montag auf 134,5 Mio. US-Dollar am Freitag. Solana setzt dagegen gerade am Freitag einen kräftigen Akzent.
  • Die Wall Street beendet den Freitag freundlich: S&P 500 und Nasdaq gewinnen jeweils rund ein halbes Prozent. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren im späten Handel dennoch um 5,15 Prozent. Der Dollar gibt am Freitag nach, bleibt auf Wochensicht aber fester. KI-Investitionen stützen die Risikobereitschaft; die Finanzierung dieser Zukunft wird teurer.
  • Europa bleibt zwischen schwachem Wachstum und hohen Energiekosten eingeklemmt. Das Treffen von Donald Trump und Xi Jinping bringt Hinweise auf begrenzte Handelsvereinbarungen, deren Details am Montag folgen sollen. Hoffnungen auf eine Entspannung zwischen den USA und Iran drücken Öl am Freitag, sind aber noch kein verlässlicher Plan für freie Transportwege.
  • Die strukturellen Nachrichten sind ebenso wichtig wie die Kurse: Fed und CFTC konkretisieren Regeln, das Eurosystem startet Pontes, und Binance verbindet ein 100-Mio.-Dollar-Investment in Circle mit einer fünfjährigen USDC-Partnerschaft. Der auf 387,5 Mio. US-Dollar revidierte Bitget-Schaden setzt den Gegenpunkt. Institutioneller Ausbau und operative Verwundbarkeit bestehen gleichzeitig.

Werfen wir in der Marktanalyse zuerst einen Blick auf die Zu- und Abflüsse dieser Handelswoche in den Bitcoin und Ethereum ETF:

Der institutionelle Nachfragekanal hat in dieser Woche deutlich an Kraft gewonnen. Bei Bitcoin, Ethereum und Solana stehen an allen fünf US-Handelstagen positive Nettosalden. Die bisher verfügbaren Freitagmeldungen bestätigen damit die Richtung der ersten vier Tage. Sie verändern aber die Gewichtung: Bei Bitcoin wird der Zufluss kleiner, bei Solana deutlich größer. Wer nur die Wochensumme betrachtet, übersieht diesen Unterschied.

In die amerikanischen Bitcoin-Spotprodukte flossen am Montag netto 999,0 Mio. US-Dollar. Am Dienstag folgten 714,7 Mio., am Mittwoch 346,9 Mio., am Donnerstag 190,7 Mio. und am Freitag weitere 134,5 Mio. US-Dollar. Zusammen ergibt das 2.385,8 Mio. US-Dollar. Nach lediglich 6,1 Mio. US-Dollar in der Vorwoche ist die Verbesserung eindeutig. Fast 72 Prozent der aktuellen Wochensumme kamen allerdings bereits an den ersten beiden Tagen zusammen. Die Nachfrage blieb positiv, verlor aber an Geschwindigkeit.

Die Verteilung über die Fonds zeigt zugleich Konzentration und Breite. BlackRocks IBIT nahm in der Woche rund 1,16 Mrd. US-Dollar auf, Fidelitys FBTC rund 702 Mio. Zusammen entfielen damit etwa 78 Prozent des Nettovolumens auf die beiden größten Zuflusskanäle. Am Freitag standen 97,0 Mio. US-Dollar bei IBIT und 49,3 Mio. bei FBTC einem Abfluss von 11,8 Mio. bei Bitwise gegenüber. Eine positive Gesamtsumme bedeutet also keineswegs, dass jeder Fonds täglich wächst.

Positiv sollte definitiv vermerkt werden, dass die zwischenzeitliche Preiskorrektur am Kryptomarkt nicht zu Abflüssen bei den ETF geführt hatte – diese sind zwar im Wochenverlauf gesunken, aber niemals negativ geworden.

Bei Ethereum fällt der Wechsel gegenüber der Vorwoche besonders klar aus. Auf Tageszuflüsse von 270,0 Mio., 162,2 Mio., 104,5 Mio. und 66,1 Mio. US-Dollar folgten am Freitag 87,0 Mio. Damit erreicht die Woche 689,8 Mio. US-Dollar, nachdem zuvor 140,6 Mio. abgeflossen waren. Der Freitag setzte sich aus 50,4 Mio. US-Dollar für ETHA, 31,9 Mio. für ETHB und 4,7 Mio. für FETH zusammen. Die Produktlandschaft umfasst unterschiedliche Staking-Ausstattungen; gleiche Basiswerte machen die Fonds deshalb nicht in jeder Hinsicht austauschbar.

Solana liefert den auffälligsten späten Impuls. Auf 26,0 Mio., 28,9 Mio., 13,7 Mio. und 32,8 Mio. US-Dollar folgten am Freitag 86,7 Mio. Die Wochensumme beträgt 188,1 Mio. US-Dollar; fast 46 Prozent kamen allein am letzten Handelstag hinzu. Dabei nahmen mehrere Produkte Mittel auf. Für einen Markt mit wesentlich kleinerer Fondsbasis ist das beachtlich.

Diese Zahlen messen Nettomittelbewegungen in den erfassten Fonds, nicht den gesamten institutionellen Kryptohandel. Auch Privatanleger nutzen ETFs. Professionelle Anleger können Fondsanteile wiederum mit Terminpositionen absichern, sodass aus einer Zeichnung keine eindeutige Aussage über ihre Markterwartung folgt. Umgekehrt erscheint ein direkter Bitcoin-Kauf einer Bank oder eines Unternehmens nicht in dieser Statistik. Die Flows sind ein relevanter Nachfrageindikator, aber keine vollständige Vermessung des Marktes.

Die Verbindung zwischen Fondsströmen und Kursen ist plausibel, aber nicht monokausal. Der kräftige Wochenauftakt bei Bitcoin wurde von hohen Zuflüssen begleitet; später gab der Kurs trotz weiter positiver Fondstage nach. Neues Geld traf also auf ausreichend Verkaufsangebot, um einen geradlinigen Anstieg zu verhindern. Hinzu kommen Derivate, Absicherungen und der Handel außerhalb der amerikanischen Börsenzeiten. Aus dem gemeinsamen Auftreten von Zuflüssen und steigenden Kursen lässt sich kein exakter Preisbeitrag der ETFs berechnen.

Für Anleger liegt die Verbesserung in der Wiederholung: Aus dem starken Bitcoin-Freitag der Vorwoche wurden fünf weitere positive Sitzungen, und Ethereum drehte seine Wochenbilanz ins Plus. Das ist substanzieller als eine einzelne Schlagzeile. Der nächste Test folgt trotzdem erst noch. Können die Kurse ihre höheren Niveaus halten, wenn die Tageszuflüsse kleiner werden? Und setzt sich Solanas Freitagimpuls fort? Dauerhafte Nachfrage muss nicht jeden Tag neue Rekorde erzielen. Sie muss Rückschläge absorbieren können.

Wie bewegte sich der Kryptomarkt in den letzten Handelstagen?

Die Woche begann mit einem Befreiungsschlag. Bitcoin stieg am Montag über 85.000 US-Dollar und erreichte im Wochenverlauf die Region um 87.000 US-Dollar. Danach kühlte die Bewegung ab. Am Samstagmorgen handelt Bitcoin bei rund 83.900 US-Dollar. Gegenüber den rund 81.200 US-Dollar im letzten Wochenbericht entspricht das einem Plus von etwa 3,3 Prozent. Gegenüber dem Wochenhoch fehlt dagegen ein gutes Stück. Beide Perspektiven gehören zusammen: Die Erholung setzt sich fort, ihr Tempo hat nachgelassen.

Technisch wird dadurch die Zone zwischen 83.000 und 84.000 US-Dollar zum ersten Belastungstest. Sie ist eine Orientierungsregion, keine garantierte Unterstützung. Oberhalb davon bleiben 85.000 US-Dollar und anschließend das Wochenhoch um 87.000 die naheliegenden Hürden. Ein deutlicher Rückfall unter 82.000 US-Dollar würde die jüngste Verbesserung abschwächen und den Blick wieder auf 80.000 lenken.

Ethereum notiert bei rund 2.686 US-Dollar nach etwa 2.625 US-Dollar am vergangenen Samstag. Das entspricht einem Plus von rund 2,3 Prozent. Ether bleibt damit trotz deutlich verbesserter ETF-Bilanz hinter Bitcoin und mehreren größeren Altcoins zurück. Im Wochenverlauf lagen die Kurse zeitweise nahe 2.780 US-Dollar. Die Zone um 2.700 muss nun erst wieder dauerhaft zurückgewonnen werden. Darunter bleibt der Bereich von 2.600 bis 2.650 wichtig. Viel neues Fondskapital allein reicht bislang nicht für eine neue Führungsrolle.

Solana handelt bei etwa 120,60 US-Dollar und damit gut 6 Prozent höher als vor einer Woche. Am Freitag und in der Nacht wurden auch Kurse oberhalb von 122 US-Dollar erreicht. Der große ETF-Zufluss passt zur relativen Stärke, belegt aber keine alleinige Ursache. Mit dem aktuellen Stand liegt Solana knapp über der runden 120-Dollar-Marke. Ob daraus ein belastbarer Haltepunkt wird, entscheiden die nächsten Sitzungen. Ein Rückfall unter 115 US-Dollar würde einen erheblichen Teil der jüngsten Verbesserung wieder infrage stellen.

Chainlink führt unter den sechs beobachteten Werten: Von rund 12,40 auf 14,05 US-Dollar entspricht der Anstieg etwa 13,3 Prozent. XRP gewinnt von ungefähr 1,42 auf 1,553 US-Dollar rund 9,4 Prozent. Beide bestätigen, dass die Risikobereitschaft über Bitcoin hinausgeht. XRP liegt allerdings unter den zwischenzeitlich erreichten höheren Niveaus. Relative Stärke auf Wochensicht und Rückschläge innerhalb der Woche schließen sich nicht aus. Für eine allgemeine Altcoin-Rally wäre die Beobachtung von sechs ausgewählten Assets zu schmal.

Aave verbessert sich von rund 143,50 auf 153,90 US-Dollar und damit um etwa 7,2 Prozent. Der Token hat seit Freitagnachmittag deutlicher zugelegt als Bitcoin oder Ethereum. Es erlaubt aber noch keine Aussage über den gesamten Sektor. Wir gewichten deshalb die Fortsetzung über mehrere Tage höher als eine einzelne kräftige Tagesbewegung.

Die Wall Street lieferte am Freitag einen freundlichen Abschluss. Der S&P 500 stieg um 0,51 Prozent auf 7.743,41 Punkte, der Nasdaq Composite um 0,48 Prozent auf 27.068,72 und der Dow Jones um 0,93 Prozent auf 51.828,62 Punkte. Auf Wochensicht gewannen S&P 500 rund 1,2 und Nasdaq rund 2 Prozent. Bitcoin ging dagegen nahe 84.000 US-Dollar ins Wochenende und blieb am Samstagmorgen in dieser Region. Er nahm den freundlichen Aktienabschluss also nicht zum Anlass für einen erneuten Angriff auf das Wochenhoch.

Für die Wochenveränderungen verwenden wir durchgehend die gerundeten Notierungen des letzten abam-Berichts vom Samstagmorgen als Ausgangspunkt. Die aktuellen Stände stammen ebenfalls vom Samstagmorgen. Sie sind daher keine Freitag-zu-Freitag-Renditen und können von rollierenden Sieben-Tage-Angaben abweichen. Während Aktien am Wochenende pausieren, läuft der Kryptohandel weiter. Die Marken beschreiben den Stand am Samstagmorgen; sie sind keine unveränderlichen Schlusskurse.

Neue Netzwerkmeldungen setzen zusätzliche Akzente. Solanas Alpenglow läuft inzwischen auf Testnet und Devnet. Das Ziel von rund 150 Millisekunden bis zur endgültigen Bestätigung ist noch kein im produktiven Markt bewiesener Standard; ein Mainnet-Termin steht aus. Beim XRP Ledger wurde der Aktivierungszeitraum für Batch nach einem Rückgang der Validatorzustimmung neu gestartet. Frühestens am 9. Oktober könnte die Funktion aktiviert werden, sofern die erforderliche Zustimmung hält. Tests und Abstimmungen sind Fortschritte, aber keine fertigen Produkte. Eine direkte Erklärung der Kursbewegungen liefern sie nicht.

Der Blick auf die Makrodaten, Politik und Unternehmen 

USA: KI-Euphorie trifft auf den Preis des Kapitals

Der amerikanische Markt schwankt zwischen zwei starken Kräften. Auf der einen Seite stehen hohe Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Halbleiter. Sie stützen Kapitalausgaben und die Erwartungen an Unternehmensgewinne. Auf der anderen Seite liegen langfristige Staatsanleiherenditen inzwischen deutlich über fünf Prozent. Damit werden Finanzierung und Bewertung anspruchsvoller. Ein Unternehmen kann operativ wachsen und gleichzeitig an der Börse unter einem höheren Diskontsatz leiden.

Am Freitag wurde diese Spannung an konkreten Unternehmen sichtbar. Microsoft gewann nach neuen Funktionen für Copilot 3,7 Prozent. Akamai legte nach einem mehrjährigen Cloud-Vertrag mit Anthropic über 11,6 Mrd. US-Dollar um 3,2 Prozent zu. Der Vertrag enthält zudem ein Bezugsrecht, das Anthropic eine Beteiligung von bis zu fünf Prozent ermöglichen könnte. Kapital und Kundenbindung greifen auch hier ineinander. Für Anleger bleibt entscheidend, welcher Teil großer Vertragsvolumina nach Investitionen, Betriebskosten und Finanzierung als Ertrag übrig bleibt.

Die jüngste Zinsanhebung der Federal Reserve wirkt im Hintergrund weiter. Nach dem Schritt auf einen Korridor von 3,75 bis 4,00 Prozent hatte die Notenbank robuste Nachfrage und zu hohen Preisdruck betont. In dieser Woche verlagerte sich der Blick auf die Konsequenz: Solange Wachstum und Investitionen widerstandsfähig bleiben, besitzt die Fed weniger Anlass für eine schnelle Kehrtwende. Für Krypto ist das ambivalent. Eine solide Konjunktur unterstützt Risikobereitschaft; hohe reale und nominale Renditen erhöhen zugleich die Opportunitätskosten unverzinster Anlagen.

Der neue OECD-Zwischenbericht zeichnet ein ähnliches Bild. Für die USA werden 2,2 Prozent Wachstum 2026 und 2,1 Prozent 2027 erwartet. KI-Investitionen stützen die Aktivität, während Kaufkraftverluste und geringere finanzielle Polster den Konsum begrenzen. Das ist kein unmittelbares Rezessionsszenario. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass die Expansion ungleich verteilt ist.

Die am Freitag veröffentlichten endgültigen Daten der Universität Michigan zeigen die andere Seite. Der Index der Verbraucherstimmung liegt im September bei 48,1 Punkten, nach 51,7 im August. Die Erwartungen der Haushalte fallen besonders deutlich zurück. Eine schwache Befragung ist noch kein gleich großer Rückgang tatsächlicher Ausgaben. Sie zeigt aber, warum robuste Unternehmensinvestitionen und vorsichtige Konsumenten gleichzeitig zu beobachten sind. Für die Fed zählt, ob sich diese Zurückhaltung in Beschäftigung, Löhnen und Nachfrage niederschlägt.

Am Anleihemarkt stieg die zehnjährige US-Rendite am Freitag zwischenzeitlich auf etwa 5,22 Prozent und lag im späten Handel wieder um 5,15 Prozent. Die Entspannung gegenüber dem Tageshoch ändert das hohe Niveau nicht. Der Dollarindex sank am späten Freitag um rund 0,3 Prozent auf etwa 100,95 Punkte, verbuchte aber den zweiten Wochengewinn in Folge. Für Krypto ist dieser Unterschied wesentlich: Eine kurze Atempause beim Dollar ist noch keine umfassende Lockerung der Finanzierungsbedingungen.

Europa: Energie und schwaches Wachstum

Europa steht vor einer unangenehmen Gleichung. Hohe Energiepreise beschleunigen die Inflation und schwächen gleichzeitig Kaufkraft und Investitionen. In Deutschland erwartet die Bundesbank, dass der Preisauftrieb wegen des Energieschocks hoch bleibt, während das Wachstum im Sommer an Tempo verloren hat. Für das vierte Quartal ist eine moderate Erholung möglich. Sie startet jedoch aus einem Umfeld, in dem Unternehmen gleichzeitig mit höheren Finanzierungskosten und teureren Vorleistungen kalkulieren müssen.

Besonders der Gasmarkt verdient Aufmerksamkeit. Die europäischen Großhandelspreise lagen zuletzt mehr als 140 Prozent über dem Vorjahresniveau; niedrige Speicherstände erhöhen die Anfälligkeit für weitere Störungen. Nach einer Analyse der EZB werden Gaspreisschocks heute schneller an Verbraucher weitergegeben. Der höhere Anteil erneuerbarer Energien kann zugleich den Effekt auf Strompreise begrenzen. Eine Entspannung beim Öl allein reicht jedenfalls nicht, wenn Gas, Netzkosten und Finanzierung die Unternehmen weiter unter Druck setzen.

Die europäische Geldpolitik muss daher zwei Risiken gleichzeitig begrenzen. Reagiert sie zu wenig, können sich höhere Energiepreise in Erwartungen und Löhne übertragen. Reagiert sie zu stark, verschärft sie die Schwäche von Investitionen und Konsum.

Die OECD erwartet für den Euroraum sowohl 2026 als auch 2027 nur ein Prozent Wachstum. Höhere Energiepreise und Zinsen bremsen, während zusätzliche Verteidigungsausgaben einen Teil der Nachfrage stützen können. Für europäische Anleger kommt der Wechselkurs hinzu: Der Euro lag am späten Freitag bei rund 1,14 US-Dollar, trotz Tageserholung mit einem weiteren Wochenverlust. Dollar-Anlagen können dadurch in Euro besser abschneiden. Das ist ein Währungseffekt und kein Beleg dafür, dass ihre operative oder fundamentale Qualität gestiegen wäre.

China: Stärke im Export, Zurückhaltung im Inland

China bleibt durch einen scharfen Kontrast geprägt. Industrie, Exporte und strategische Technologiesektoren sind leistungsfähig; Haushalte und Immobilienmarkt bleiben vorsichtig. Die bereits in der Vorwoche veröffentlichten Augustdaten zeigten ein deutlich stärkeres Wachstum der Industrie als des Einzelhandels. Der Unterschied verschwindet nicht durch einen diplomatischen Termin. Wenn zusätzliche Produktion auf begrenzte Binnennachfrage trifft, wird der Zugang zu ausländischen Märkten umso wichtiger. Damit erhält die Handelspolitik unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung.

Das Treffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Washington brachte bis Freitag keine umfassende Lösung aller Streitfragen. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer berichtete jedoch von Vereinbarungen zu ausgewählten Gütern, darunter Agrarprodukte, Medizintechnik und nicht sensible Konsumwaren. Weitere Einzelheiten sollen am Montag veröffentlicht werden. Die Gespräche über besonders leistungsfähige amerikanische Chips seien davon getrennt. Für Unternehmen ist das eine mögliche Verringerung einzelner Handelsrisiken, noch keine allgemeine Aufhebung von Zöllen und Exportkontrollen.

Für globale Risikoanlagen wäre mehr Planungssicherheit wertvoll: Unternehmen könnten Beschaffung, Preise und Investitionen verlässlicher kalkulieren. Der konkrete Nutzen hängt aber an Produktlisten, Ausnahmen und der tatsächlichen Umsetzung. Chinas Binnenprobleme werden dadurch nicht gelöst. Für Krypto ist der Übertragungskanal indirekt. Weniger handelspolitische Unsicherheit kann Risikobudgets entlasten; eine Enttäuschung über die Details kann den Effekt wieder umkehren. Deshalb verdient die angekündigte Veröffentlichung am Montag mehr Aufmerksamkeit als die Bilder des Staatsbesuchs.

Japan: Ein stärkerer Yen verändert die Finanzierung

Die Bank of Japan hatte den Leitzins in der Vorwoche auf 1,25 Prozent angehoben. In dieser Woche rückten erneut Anleihevolatilität und Währungspolitik in den Vordergrund. Am Freitag legte der Yen gegenüber dem Dollar gut ein Prozent zu; im späten Handel wurden rund 157,1 Yen je Dollar gemeldet. Finanzministerin Satsuki Katayama verwies auf die gemeinsame Haltung Tokios und Washingtons gegenüber übermäßigen Währungsbewegungen. Das erhöhte die Aufmerksamkeit für mögliche Eingriffe, belegt aber keine neue Intervention an diesem Tag.

Für internationale Anleger ist Japan wichtig, weil der Yen über Jahre eine günstige Finanzierungswährung war. Steigen japanische Zinsen schneller oder wertet der Yen abrupt auf, können gehebelte Positionen unter Druck geraten. Bleibt die Währung schwach, hält der Anreiz zur Finanzierung im Yen länger an. Beide Szenarien können Risikomärkte bewegen.

Geopolitik und Unternehmen: Entspannung ist noch keine Lösung

Der Ölpreis gab am Freitag nach: Brent schloss bei 104,32 US-Dollar je Barrel, WTI bei 92,41 US-Dollar, jeweils gut zwei Prozent tiefer. Berichte über einen möglichen schrittweisen Weg zur Öffnung der Straße von Hormus trafen auf fortbestehende Sicherheitsrisiken und widersprüchliche politische Signale. Ein ausgehandelter, umgesetzter Friedenspfad lässt sich daraus nicht ableiten. Für Märkte genügt häufig schon eine veränderte Wahrscheinlichkeit, um Preise zu bewegen; für reale Lieferketten zählen freie Fahrt, verfügbare Versicherung und verlässliche Liefermengen.

Krypto reagiert auf solche Schocks meist über Liquidität, Zinsen und Risikobereitschaft. Bitcoin kann langfristig als knappes alternatives Vermögen betrachtet werden und kurzfristig dennoch verkauft werden, wenn Anleger Liquidität benötigen. Diese beiden Zeithorizonte widersprechen sich nicht. Sie erklären, warum geopolitische Eskalation mal als Argument für Bitcoin und mal als Auslöser von Verkäufen erscheint. Ohne Positionsdaten ist eine eindeutige Tageskausalität selten belegbar.

Der Unternehmenssektor verbindet die Themen der Woche. Hohe KI-Investitionen zeigen die Bereitschaft, langfristige Infrastruktur aufzubauen. Gleichzeitig werden blockchainbasierte Wertpapierabwicklung und Stablecoin-Zahlungen in bestehende Finanzsysteme integriert. Entscheidend ist, wer daraus belastbare Erträge erzielt. Technologische Nutzung kann bei Banken, Börsen, Software- und Zahlungsanbietern Wert schaffen, ohne dass jeder öffentlich gehandelte Token proportional profitiert. Der Bitget-Vorfall erinnert zudem daran, dass Wachstum ohne belastbare operative Kontrollen keine ausreichende Grundlage für Vertrauen ist.

Welche Projekte und Nachrichten stehen gerade im Fokus?

Trotz der großen Marktbewegungen in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Geopolitik als auch die Zollverhandlungen ausgelöst wurden, gibt es in jeder Woche zusehends mehr Nachrichten mit großer Tragweite für den Kryptomarkt. Die Adaption der Technologie schreitet weiter voran, regulatorisch mehr und mehr unterstützt, da das Potential auch politisch weiter in den Fokus rückt. „Krypto ist gekommen, um zu bleiben“, und wird Tag für Tag sichtbarer in unserer Welt.

Die vergangenen sieben Tage haben erneut gezeigt, dass sich der Kryptomarkt zunehmend verändert. Während in den vergangenen Jahren häufig neue Blockchain-Projekte oder spektakuläre Kursbewegungen die Schlagzeilen bestimmten, stehen inzwischen andere Themen im Vordergrund: Regulierung, institutionelle Infrastruktur und die Integration digitaler Vermögenswerte in das bestehende Finanzsystem.

Diese Entwicklung verläuft oftmals weitgehend unbemerkt. Gerade deshalb halten wir sie für besonders interessant.

Ob Regierungen Kryptowährungen rechtlich neu einordnen, zentrale Finanzmarktinfrastrukturen mit der Tokenisierung beginnen oder Stablecoins erstmals in regulierte Finanzprozesse integriert werden – all diese Entwicklungen schaffen die Grundlagen dafür, dass digitale Vermögenswerte langfristig einen festen Platz innerhalb der globalen Finanzmärkte einnehmen können.

Die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche verdeutlichen diesen Wandel eindrucksvoll.

Fed, CFTC und SEC konkretisieren den Rahmen für digitale Vermögenswerte

Die Federal Reserve hat am 24. September zwei Vorschläge zur Umsetzung des GENIUS Act vorgelegt. Für die von ihr beaufsichtigten Zahlungs-Stablecoin-Emittenten sollen vollständige Reservedeckung durch zugelassene liquide Vermögenswerte, standardisierte Eigenkapitalanforderungen und Risikomanagementregeln gelten. Hinzu kommen Vorgaben für die Verwahrung der Reserven und ein Antragsverfahren für Banken, die über Tochtergesellschaften Stablecoins ausgeben wollen. Die Konsultation läuft bis 60 Tage nach Veröffentlichung im Federal Register. Weitere Details finden Sie hier.

Der Mechanismus ist wichtig: Reserven sollen Rückzahlungen tragen, Eigenkapital soll zusätzliche Kredit- und Betriebsrisiken abfedern. Das sind verschiedene Schutzfunktionen. Selbst liquide Staatsanleihen können bei kurzfristigem Verkaufsdruck Wertschwankungen zeigen; eine technische oder rechtliche Störung kann die Auszahlung zusätzlich verzögern. Fed-Gouverneur Michael Barr betont deshalb verlässliche Rückzahlung zum Nennwert auch in Stressphasen und sieht weiteren Klärungsbedarf, unter anderem bei Rückzahlungsrechten und Zinsrisiken. Noch handelt es sich um Vorschläge, nicht um vollständig in Kraft getretene Detailregeln.

Parallel hat die CFTC am selben Tag ihre Aufsichtshinweise aktualisiert. Sie adressieren die Anlage von Kundengeldern in tokenisierten Formen bereits zulässiger Anlagen sowie blockchainbasierte Aufzeichnungen. Das erlaubt nicht beliebige Token als Ersatz für sichere Kundengeldanlagen. Die technische Darstellung ändert weder die wirtschaftlichen Risiken des Vermögenswerts noch die Anforderungen an ordnungsgemäße Bücher.

Auch die SEC veröffentlichte am Freitag neue Erläuterungen zur Einordnung von Token und Werbeaussagen. Es handelt sich um Mitarbeiterhinweise ohne eigene Gesetzeskraft. SEC-Kommissarin Hester Peirce kündigte ihren Abschied zum 2. Oktober an. Damit verliert die Behörde eine langjährige Fürsprecherin klarerer Kryptoregeln. Entscheidend bleibt, wie die SEC unter Paul Atkins ihre Vorhaben fortführt, während der CLARITY Act politisch blockiert bleibt.

EZB startet Pontes für tokenisierte Geschäfte in Zentralbankgeld

Die Europäische Zentralbank hat am 21. September Pontes gestartet. Der Dienst verbindet DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten des Eurosystems, damit tokenisierte Großhandelsgeschäfte in Zentralbankgeld abgewickelt werden können. Zur ersten Teilnehmergruppe gehören unter anderem Deutsche Bank, DekaBank, DZ Bank, Société Générale, die Europäische Investitionsbank und KfW. Auf der Plattformseite sind etwa Clearstream, SWIAT und Cashlink eingebunden. Aus der Vorbereitung ist damit ein operativer Dienst geworden.

Der institutionelle Mechanismus ist entscheidend. Bei einem Wertpapiergeschäft müssen Lieferung und Zahlung zusammenpassen. Ein digitales Register kann die Wertpapierseite beschleunigen; ohne sichere Geldseite bleiben Abwicklungs- und Gegenparteirisiken. Pontes ermöglicht, die Zahlung in Zentralbankgeld mit der tokenisierten Transaktion zu verbinden. Banken müssen deshalb nicht für jeden Anwendungsfall auf einen privaten Stablecoin als Abwicklungsmittel ausweichen. Das macht die Infrastruktur für regulierte Marktteilnehmer anschlussfähiger.

Pontes ist kein digitaler Euro für Verbraucher und kein Versprechen eines sofort rund um die Uhr geöffneten Kapitalmarkts. Zunächst steht ein begrenzter Funktionsumfang bereit; zusätzliche Funktionen und längere Betriebszeiten sollen schrittweise folgen, mit voller Umsetzung bis 2028. Auch beseitigt sich das Risiko eines Wertpapiers nicht durch seine Abrechnung in Zentralbankgeld. Emittentenbonität, Eigentumsrechte und technische Schnittstellen bleiben zu prüfen.

Für Anleger liegt die Bedeutung im Übergang vom Test zur Nutzung. Der nächste Maßstab sind wiederkehrende Transaktionen, verlässliche Abwicklung und wirtschaftliche Vorteile gegenüber bisherigen Verfahren. Die bloße Zahl angeschlossener Institute ist ein Anfang. Belastbare Volumina und effiziente Prozesse müssen folgen. Ein automatischer Wertzuwachs beliebiger Blockchain-Token lässt sich aus Pontes nicht ableiten.

Europas Zentralbanken stellen die MiCA-Reservearchitektur zur Diskussion

Die EZB und die übrigen Zentralbanken des Europäischen Systems der Zentralbanken haben am 22. September Änderungen an MiCA vorgeschlagen. Sie wollen die festen Mindesteinlagenquoten für Stablecoin-Reserven bei Banken durch Anforderungen ersetzen, die auf innerhalb eines beziehungsweise fünf Arbeitstagen fällige Vermögenswerte abstellen. Die bisherige Konstruktion verlangt grundsätzlich 30 Prozent Bankeinlagen, bei bedeutenden einschlägigen Token 60 Prozent. Die vorgeschlagene Änderung betrifft die Liquiditätsarchitektur, nicht die Abschaffung von Reserven.

Der Grund ist ein möglicher Ansteckungskanal. Viele kleine Guthaben können bei einem Stablecoin-Emittenten zu großen Bankeinlagen gebündelt werden. Fordern Tokenhalter gleichzeitig Rückzahlung, könnte der Emittent diese Einlagen rasch abziehen und damit einzelne Banken belasten. Mehr zeitnah fällige, hochwertige Reserveanlagen sollen die Rückzahlungsfähigkeit anders absichern. Allerdings verschwinden Risiken dadurch nicht: Auch Wertpapiermärkte können unter Verkaufsdruck geraten. Laufzeiten, Streuung und tatsächliche Liquidierbarkeit bleiben zentral.

Zugleich wollen die Zentralbanken das Verbot einer Verzinsung von Stablecoins gegen Umgehungen schärfen. Kritisch sehen sie außerdem austauschbare Token, die von mehreren Emittenten innerhalb und außerhalb der EU ausgegeben werden. Bei einem Ansturm könnten Rückzahlungsansprüche und verfügbare Reserven in unterschiedlichen Rechtsräumen liegen. Für solche Konstruktionen bevorzugen sie ein Verbot; mögliche Alternativen würden umfassende Gleichwertigkeits- und Schutzvorkehrungen erfordern.

Für Anleger ist entscheidend, wer rechtlich zur Rückzahlung verpflichtet ist und wo die Reserven liegen. Ein weltweit einheitlicher Name beantwortet diese Fragen nicht. Die Stellungnahme ist ein Beitrag zur Überprüfung von MiCA. Sie ändert das geltende Recht noch nicht, zeigt aber, an welchen Stellen Europas Aufseher Nachbesserungsbedarf sehen.

Binance investiert 100 Mio. US-Dollar in Circle und vertieft die USDC-Partnerschaft

Binance hat 100 Mio. US-Dollar in Circle Internet Group, den Emittenten von USDC, investiert. Das am 22. September veröffentlichte SEC-Filing nennt 1.237.011 neue Class-A-Aktien zu 80,84 US-Dollar je Aktie. Abschluss und neue kommerzielle Vereinbarung erfolgten bereits am 17. September; neu in dieser Berichtswoche ist die Veröffentlichung der konkreten Bedingungen. Der Preis lag laut Circle unter dem vorherigen Marktpreis.

Zugleich erhält Binance eine monatliche Vergütung, die sich nach dem über Circles Modular-Smart-Contract-Wallet-Infrastruktur gehaltenen USDC-Bestand richtet. Binance verpflichtet sich zu weiteren Maßnahmen zur Förderung von USDC auf seiner Plattform. Die Vereinbarung läuft fünf Jahre und ersetzt frühere Absprachen; unter bestimmten Umständen ist eine vorzeitige Kündigung möglich. Für die Aktien gilt grundsätzlich eine bis zu zweijährige Verfügungsbeschränkung mit Ausnahmen.

Kapitalbeteiligung und Vertrieb werden damit wirtschaftlich verknüpft. Binance kann an Circles Unternehmensentwicklung teilhaben und zugleich an der Förderung von USDC verdienen. Circle gewinnt einen wichtigen Zugang zu Kunden und Handelsaktivität. Eine breitere Verwendung kann zusätzliche Reserven und damit Erträge ermöglichen. Entscheidend ist jedoch, wie viel davon nach Vertriebskosten und anderen Aufwendungen verbleibt.

Für Anleger ist die Beteiligung deshalb mehr als eine Marketingmeldung, aber kein Beleg für automatisch höhere Margen. Ein großer Vertriebspartner kann Wachstum beschleunigen und zugleich Verhandlungsmacht gewinnen. Auch sind Circle-Aktien und USDC verschiedene Ansprüche: Die Aktie beteiligt am Unternehmen, der Stablecoin soll seinen Dollarwert halten. Aus dem Investment folgt weder eine neue Renditezusage für USDC-Halter noch eine Aufhebung des Reserve-, Emittenten- oder Plattformrisikos. Der nächste Prüfpunkt ist, ob die engere Distribution wirtschaftlich nachhaltige Nutzung schafft.

Bitget erhöht den gemeldeten Schaden auf 387,5 Mio. US-Dollar

Bitget hat den Umfang des Wallet-Angriffs vom 24. September nachträglich auf rund 387,5 Mio. US-Dollar beziffert. Zuvor waren 351,6 Mio. genannt worden. Nach Angaben der Börse erklärt sich die Differenz durch inzwischen vollständig erfasste Transfers auf Zcash und TRON, nicht durch neue unautorisierte Abflüsse. Mandiant und SlowMist unterstützen die Untersuchung. Bitget erklärte, die Schwachstelle sei identifiziert und behoben; diese Aussage ist eine Darstellung des Unternehmens, noch kein unabhängiger Abschlussbericht.

CEO Gracy Chen beschreibt einen Angriff auf ein Backend-System der Wallet-Infrastruktur: Manipulierte Transaktionsdaten hätten den Freigabeprozess ausgelöst. Einen Verlust privater Schlüssel schloss sie aus. Der Unterschied ist technisch erheblich. Selbst korrekt geschützte Schlüssel helfen nicht ausreichend, wenn die vorgelagerten Systeme eine schädliche Transaktion als legitim zur Signatur freigeben. Für Verwahrer zählen deshalb auch unabhängige Transaktionsprüfung, getrennte Freigaben und die Begrenzung erreichbarer Bestände.

Circle und Tether haben Stablecoins in einer zugeordneten Angreifer-Wallet eingefroren. Der berichtete Betrag von rund 318.000 US-Dollar betrifft jedoch nur einen kleinen Teil des Schadens. Andere Vermögenswerte lassen sich nicht auf dieselbe Weise durch einen Emittenten sperren.

Bitget sagt zu, die Verluste über seinen Nutzerschutzfonds zu decken. Eine solche Zusage ist von bereits abgeschlossener Wiederherstellung und frei verfügbaren Auszahlungen zu unterscheiden. In der zuletzt verifizierten Mitteilung bereitete die Börse die Wiederaufnahme von Auszahlungen vor; ein vollzogener uneingeschränkter Neustart war bis zum Datenstichtag nicht belastbar bestätigt.

Für Anleger steht damit die operative Verfügbarkeit im Mittelpunkt. Kontostand, ausgewiesene Reserve und tatsächlicher Zugriff können in einer Krise auseinanderfallen. Entscheidend bleiben der unabhängige Untersuchungsbericht, nachgewiesene Deckung und die sichere Wiederaufnahme des Betriebs. Der Vorfall ist ein konkretes Verwahrungsrisiko bei Bitget, kein Beleg für einen technischen Ausfall von Bitcoin oder Ethereum.

Unsere Sicht

In dieser Woche hat sich die Nachfrage verbessert, ihre Belastbarkeit muss sich aber erst zeigen. Aus dem kräftigen Bitcoin-Freitag der Vorwoche wurden fünf weitere positive Fondstage; Ethereum drehte klar ins Plus, Solana setzte am Wochenschluss nach. Gleichzeitig steht Bitcoin unter seinem Wochenhoch, obwohl die Wall Street freundlich schloss. Wir lesen das als Fortschritt mit einer klaren Bedingung: Neue Mittel müssen auch dann reichen, wenn hohe Renditen und Gewinnmitnahmen gegenhalten. Ein steigender Markt ist noch kein zinsunabhängiger Markt.

Strukturell wird Krypto konkreter. Die Fed beschreibt Anforderungen an Stablecoin-Emittenten, die CFTC präzisiert bestehende Pflichten, Pontes verbindet tokenisierte Märkte mit Zentralbankgeld, und Binance kauft sich in Circles Wachstum ein. Der Bitget-Angriff zeigt zugleich, wie teuer Schwächen im Betrieb bleiben können. Für Anleger gehört beides in dieselbe Bewertung: Regulierung und neue Geschäftsmöglichkeiten erhöhen die Anschlussfähigkeit; sie ersetzen weder sichere Verwahrung noch die Prüfung rechtlicher Ansprüche.

Für die kommende Woche gewichten wir drei Entwicklungen besonders: Halten Bitcoin und Ethereum ihre höheren Zonen bei kleiner werdenden Tageszuflüssen? Bleibt die Entspannung bei Öl und Dollar bestehen, oder verschärft sich der Zinsdruck erneut? Und was bringen die für Montag angekündigten Details zum Handel zwischen den USA und China tatsächlich? Bei Bitget zählt zusätzlich die nachgewiesene Wiederherstellung des Zugriffs. Unsere Haltung ist konstruktiver als vor einer Woche. Sie bleibt an beobachtbare Fortschritte gebunden, nicht an die Hoffnung, dass jede institutionelle Nachricht automatisch jedem Token zugutekommt.

 

Podcast mit dem „Handelsblatt“

Wir folgten einer Einladung, in der aktuellen Folge des Handelsblatt Today Podcasts spricht Host Anis Mičijević mit Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer von alpha beta asset management, über die jüngste Erholung am Kryptomarkt – und die Frage, ob der Bitcoin-Bärenmarkt nun vor dem Ende steht.

Während der Zollstreit zwischen den USA und Kanada eskaliert, sendet der Kryptomarkt neue Erholungssignale: Der Bitcoin war innerhalb einer Woche um rund 24 % gestiegen und sprang zeitweise über die Marke von 80.000 US-Dollar – den höchsten Stand seit Mai. Doch die Erinnerung an die damalige Zwischenrally mahnt zur Vorsicht: Auf sie folgte ein erneuter Rückgang auf unter 60.000 US-Dollar. Markus van de Weyer ordnet die aktuelle Bewegung ein und erklärt, auf welche Kursmarken es jetzt ankommt.

Im Fokus der Folge:

  • Bedeutung des jüngsten Kursanstiegs um rund 24 %
  • Frage, ob der Bitcoin-Bärenmarkt tatsächlich vor dem Ende steht
  • Lehren aus der vorherigen Zwischenrally und dem anschließenden Rückgang
  • Kursmarken, die Anlegerinnen und Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Einordnung: Ist der Bitcoin-Bärenmarkt vor dem Ende?

Was Anlegerinnen und Anleger jetzt beachten sollten

  • Rally nicht überbewerten: Ein kurzfristiger Kurssprung ist noch keine Bestätigung für einen neuen Bullenmarkt.
  • Kursmarken beobachten: Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, ob sich die jüngsten Gewinne stabilisieren.
  • Risikomanagement beibehalten: Trotz der Erholung bleibt Bitcoin eine volatile Anlageklasse, die eine klar definierte Allokation erfordert.

🎧 Jetzt die ganze Podcast-Folge hören: Zum Handelsblatt Today Podcast

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Schönen Gruß aus Frankfurt – und ein entspanntes Wochenende! ☀️

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Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

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Markus van de Weyer

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