Krypto-Wochenbericht | Marktanalyse vom 08.08.2026

KRYPTO – Meine Sicht (Autor: Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh)

Krypto Wochenanalyse: Bitcoin, Ethereum und Markttrends

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Werfen wir in der Marktanalyse zuerst einen Blick auf die Zu- und Abflüsse dieser Handelswoche in den Bitcoin und Ethereum ETF:

Die amerikanischen Bitcoin-ETF zeigen in dieser Woche ein deutlich freundlicheres und vor allem beständigeres Bild als zuletzt.

Die Bitcoin-ETF in dieser Woche an allen fünf Handelstagen Zuflüsse oberhalb der 100 Mio. USD Marke.

Insgesamt flossen netto 865,3 Mio. USD in die Produkte, nach einem Nettoabfluss von 61,5 Mio. USD in der Vorwoche.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Kontinuität. Anders als in den vergangenen Wochen beruhte das positive Ergebnis nicht auf einem einzelnen besonders starken Handelstag. Stattdessen floss über die gesamte Woche kontinuierlich neues Kapital in die Bitcoin-Produkte, eine Stärke, die wir seit einigen Monaten nicht mehr beobachten konnten.

Aus unserer Sicht ist die Verteilung der Zuflüsse über fünf aufeinanderfolgende Handelstage wichtiger als ein einzelner sehr hoher Tageswert. Sie spricht dafür, dass institutionelle Anleger in dieser Woche kontinuierlich Positionen aufgebaut haben.

Trotzdem sollte die Entwicklung nicht überinterpretiert werden.

Der Bitcoin-Kurs stieg im gleichen Zeitraum lediglich um wenige Prozent und konnte den Bereich oberhalb von 65.000 US-Dollar erneut nicht nachhaltig überwinden. Die neuen ETF-Käufe trafen somit weiterhin auf ein erhebliches Verkaufsangebot aus anderen Marktsegmenten.

Auch bei den Ethereum-ETF fiel die Wochenbilanz positiv aus. Die Woche startete mit einem Abfluss am Montag, dem vier Tage mit kräftigen Zuflüssen folgten.

Für die gesamte Woche ergibt sich damit ein Nettozufluss von 243,7 Mio. USD, nach einem Nettozufluss von 10,0 Mio. USD in der Vorwoche.

Ethereum verzeichnete somit vier positive Handelstage in Folge. Gemessen an der deutlich kleineren Größe des Ethereum-ETF-Marktes ist die Summe der Zuflüsse durchaus beachtenswert.

Bei den Solana-ETF ergibt sich dadurch ein Abfluss von 0,9 Mio. USD.

Das absolute Volumen der Solana-Produkte bleibt erheblich kleiner als bei Bitcoin und Ethereum. Einzelne Bewegungen sollten deshalb nicht überbewertet werden.

Trotzdem fällt auf, dass die freundliche Nachfrage bei Bitcoin und Ethereum in dieser Woche nicht auf Solana übergegriffen hat.

Insgesamt zeigen die ETF-Daten damit ein deutlich konstruktiveres Bild als zuletzt.

Bitcoin verzeichnete fünf positive Handelstage in Folge, Ethereum vier. Die institutionelle Nachfrage ist damit sichtbar zurückgekehrt.

Entscheidend wird nun sein, ob sich diese Entwicklung auch in den kommenden Wochen fortsetzt und ob die zusätzlichen Kapitalzuflüsse schließlich ausreichen, um die wichtigen technischen Widerstände bei Bitcoin und Ethereum nachhaltig zu überwinden.

Wie bewegte sich der Kryptomarkt in den letzten Handelstagen?

Bitcoin startete am vergangenen Samstagmorgen im Bereich von ungefähr 63.000 US-Dollar in die neue Berichtswoche.

Nach dem deutlichen Rückgang am vorherigen Freitag stabilisierte sich der Kurs am letzten Wochenende zunächst. Im weiteren Wochenverlauf setzte eine langsame Erholung ein, unterstützt durch die kontinuierlichen Zuflüsse in die amerikanischen Bitcoin-ETF und die zeitweise deutliche Entspannung am Ölmarkt.

Am Freitagmorgen notierte Bitcoin bei rund 64.300 US-Dollar.

Im Tagesverlauf rückte dann ein vollkommen anderes Thema in den Mittelpunkt: der amerikanische Arbeitsmarktbericht.

Die Zahlen fielen erheblich schwächer aus als erwartet. Dadurch sanken die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank deutlich. Der US-Dollar und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen gaben nach, während die Aktienmärkte positiv reagierten.

Bitcoin konnte davon ebenfalls profitieren, allerdings nur begrenzt.

Am späten Freitagnachmittag bewegt sich der Kurs je nach Handelsplatz im Bereich von ungefähr 64.400 bis 64.900 US-Dollar. Gegenüber dem vergangenen Samstag ergibt sich damit ein Wochengewinn von ungefähr 2 bis 3 Prozent.

Die Bodenbildung wird stabiler – der Ausbruch fehlt weiterhin

Technisch hat sich das Bild gegenüber der vergangenen Woche leicht verbessert.

Besonders wichtig ist, dass der Bereich zwischen ungefähr 62.000 und 63.000 US-Dollar erneut gehalten hat. Bitcoin fiel zu Beginn des Berichtszeitraums zeitweise bis in die Nähe von 62.000 US-Dollar, fand dort aber Käufer und konnte anschließend wieder zulegen.

Damit hat sich diese Region inzwischen mehrfach als Unterstützung erwiesen.

Das ist konstruktiv und stärkt die These einer Bodenbildung.

Eine bestätigte Trendwende liegt dennoch nicht vor.

Auf der Oberseite erwies sich die Region um 65.000 US-Dollar erneut als schwierig. Auch nach den überraschend schwachen amerikanischen Arbeitsmarktdaten gelang bislang kein überzeugender Ausbruch.

Oberhalb von 65.000 US-Dollar beginnt zwischen ungefähr 66.000 und 67.000 US-Dollar die wesentlich wichtigere Widerstandszone. Dort scheiterte Bitcoin bereits mehrfach.

Für ein überzeugendes neues Aufwärtssignal müsste der Kurs zunächst 65.000 US-Dollar überwinden und sich anschließend nachhaltig oberhalb von 66.000 bis 67.000 US-Dollar etablieren.

Auf der Unterseite bleibt der Bereich zwischen 62.000 und 63.000 US-Dollar die erste wichtige Unterstützung. Sollte dieser nicht halten, würde erneut die Marke von 60.000 US-Dollar in den Mittelpunkt rücken.

Das derzeitige Kursbild lässt sich deshalb weiterhin am besten als Bodenbildung innerhalb einer größeren Seitwärtsbewegung beschreiben.

Fast 900 Mio. USD ETF-Zuflüsse reichen bislang nicht für den Ausbruch

Besonders interessant bleibt das Verhältnis zwischen ETF-Flows und Kursentwicklung.

Von Montag bis Freitag flossen fast 900 Mio. USD in die amerikanischen Bitcoin-ETF. Trotzdem stieg Bitcoin im Wochenvergleich lediglich um wenige Prozent.

Das zeigt erneut, dass die ETF-Nachfrage zwar wichtig ist, aber nur einen Teil des Gesamtmarktes abbildet.

Die neuen Käufe treffen weiterhin auf ein erhebliches Verkaufsangebot.

Ein sichtbares Beispiel liefert Strategy. Das Unternehmen verkaufte in der vergangenen Woche 1.638 Bitcoin. Gemessen an seinem Gesamtbestand ist dies kein besonders großer Betrag. Die Transaktion zeigt jedoch, dass selbst der weltweit größte börsennotierte Bitcoin-Halter inzwischen nicht mehr ausschließlich auf der Käuferseite steht.

Hinzu kommen Verkäufe von Minern, langfristigen Haltern, kurzfristig orientierten Anlegern und internationalen Marktteilnehmern sowie umfangreiche Aktivitäten auf den Terminmärkten.

Die ETF-Flows sind daher zweifellos positiv.

Entscheidend wird aber sein, ob sie über mehrere Wochen anhalten und groß genug werden, das übrige Verkaufsangebot nachhaltig zu übersteigen.

Genau dieser Nachweis fehlt bislang.

Der amerikanische Arbeitsmarktbericht verändert das ökonomische Bild deutlich

Die wichtigste neue Entwicklung seit Freitagmorgen kam nicht aus dem Kryptomarkt, sondern aus Washington.

Die amerikanische Wirtschaft verlor im Juli 23.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft.

Erwartet worden war ein Zuwachs von ungefähr 80.000 Stellen.

Noch wichtiger waren die Revisionen der beiden Vormonate. Für Mai wurde der Beschäftigungszuwachs von 129.000 auf 63.000 Stellen reduziert. Für Juni wurde er von 57.000 auf lediglich 20.000 Stellen korrigiert.

Zusammen wurden damit für Mai und Juni 103.000 zuvor gemeldete Arbeitsplätze nachträglich gestrichen.

Das verändert die Einschätzung des amerikanischen Arbeitsmarktes deutlich.

Die Arbeitslosenquote sank zwar von 4,2 auf 4,1 Prozent. Auf den ersten Blick wirkt dies widersprüchlich.

Die Erklärung liegt in der Entwicklung des Arbeitskräfteangebots.

Im Juli verließen rund 264.000 Menschen den Arbeitsmarkt. Die Erwerbsquote sank auf 61,4 Prozent. Weil Personen, die nicht mehr aktiv nach Arbeit suchen, nicht als arbeitslos gelten, kann die Arbeitslosenquote sinken, obwohl gleichzeitig Arbeitsplätze verloren gehen.

Auch bei den Löhnen ließ der Druck nach.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne veränderten sich gegenüber dem Vormonat praktisch nicht mehr und lagen noch 3,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Die Zahlen sind deshalb wesentlich schwächer, als es die alleinige Betrachtung der Arbeitslosenquote vermuten lässt.

Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung ist deutlich gefallen

Die Reaktion der Finanzmärkte war unmittelbar.

Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen gingen zurück. Der US-Dollar verlor gegenüber den wichtigsten Währungen an Wert. Die amerikanischen Aktienmärkte legten zu.

Vor Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts hatte der Markt eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im September noch als ernsthaftes Szenario betrachtet.

Nach den Daten wurde diese Wahrscheinlichkeit deutlich reduziert. Der Markt erwartet nun eher eine unveränderte Geldpolitik.

Für Bitcoin ist dies grundsätzlich positiv.

Je niedriger die Rendite sicherer Anlagen ist, desto geringer werden die Opportunitätskosten für Vermögenswerte, die selbst keine laufenden Zinszahlungen erwirtschaften.

Der Zusammenhang darf allerdings nicht zu einfach interpretiert werden.

Schwache Wirtschaftsdaten sind nicht automatisch gute Nachrichten für Bitcoin.

Solange eine Abkühlung des Arbeitsmarktes lediglich dazu führt, dass die Notenbank auf weitere Zinserhöhungen verzichtet, verbessert sich das Umfeld für Risikoanlagen.

Sollte sich daraus jedoch eine deutlich stärkere konjunkturelle Abschwächung entwickeln, könnte die Risikobereitschaft erneut sinken.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob die Federal Reserve im September die Zinsen erhöht. Entscheidend ist, warum sie darauf verzichtet.

Die verhaltene Bitcoin-Reaktion ist bemerkenswert

Interessant ist deshalb auch, wie begrenzt Bitcoin bislang auf die Arbeitsmarktdaten reagierte.

Die amerikanischen Technologieaktien legten deutlicher zu. Die Renditen fielen und der Dollar schwächte sich ab.

Bitcoin stieg dagegen lediglich moderat und konnte die Marke von 65.000 US-Dollar bislang nicht überzeugend überwinden.

Das ist kein negatives Signal für sich genommen.

Es zeigt aber, dass der Markt derzeit nicht auf jeden makroökonomisch positiven Impuls mit einer dynamischen Aufwärtsbewegung reagiert.

Offenbar bleibt genügend Verkaufsbereitschaft vorhanden, um die zusätzliche Nachfrage aufzunehmen.

Der Freitag liefert damit ein weiteres Argument dafür, eine tatsächliche Trendwende erst nach einem bestätigten Ausbruch über die zentralen Widerstände auszurufen.

Ethereum entwickelt sich erneut etwas besser als Bitcoin

Ethereum startete am vergangenen Samstag im Bereich von ungefähr 1.870 US-Dollar.

Im Verlauf der Woche fiel der Kurs zunächst bis in den Bereich von rund 1.820 US-Dollar. Anschließend setzte eine deutliche Erholung ein.

Am Freitagnachmittag notiert Ethereum je nach Handelsplatz bei ungefähr 1.900 bis 1.920 US-Dollar.

Im Wochenvergleich ergibt sich damit ein Anstieg von gut 2 Prozent.

Bemerkenswert ist die Kombination aus Kursentwicklung und ETF-Flows.

Nach dem schwachen Montag verzeichneten die Ethereum-ETF drei Tage in Folge steigende Zuflüsse. Am Donnerstag wurden netto 92,1 Mio. USD aufgenommen – der stärkste Tag der laufenden Woche.

Ethereum zeigt damit weiterhin leichte relative Stärke gegenüber Bitcoin.

Die entscheidende technische Hürde bleibt jedoch unverändert.

Zwischen ungefähr 1.920 und 1.950 US-Dollar beginnt der erste Widerstandsbereich. Darüber liegt bei 2.000 US-Dollar die wesentlich wichtigere psychologische Marke.

Ein nachhaltiger Ausbruch über 2.000 US-Dollar wäre deutlich aussagekräftiger als die derzeitigen kleineren Kursgewinne.

Auf der Unterseite hat sich die Zone zwischen ungefähr 1.820 und 1.850 US-Dollar erneut als Unterstützung erwiesen.

Die Entwicklung ist konstruktiv. Für eine bestätigte langfristige Trendwende gegenüber Bitcoin reicht sie noch nicht aus.

Solana bleibt deutlich hinter Bitcoin und Ethereum zurück

Solana notiert am Freitagnachmittag bei ungefähr 74 US-Dollar.

Gegenüber dem vergangenen Samstag ergibt sich damit lediglich ein geringes Plus von rund einem Prozent.

Innerhalb der Woche bewegte sich Solana grob zwischen 71 und 75 US-Dollar.

Der Bereich zwischen 70 und 72 US-Dollar bleibt die wichtigste kurzfristige Unterstützung.

Auf der Oberseite liegt zwischen ungefähr 74,50 und 75 US-Dollar der erste Widerstand. Darüber folgt die bereits mehrfach getestete Zone zwischen 76 und 78 US-Dollar.

Die praktisch nicht vorhandenen ETF-Zuflüsse bestätigen, dass institutionelle Anleger Solana derzeit wesentlich zurückhaltender behandeln als Bitcoin und Ethereum.

Daran ändert auch die zunehmende Integration von Staking in börsengehandelte Solana-Produkte zunächst nichts.

Der breitere Kryptomarkt wartet weiterhin auf ein Richtungssignal

Auch bei den übrigen größeren Kryptowährungen entwickelte sich in dieser Woche keine breit angelegte Aufwärtsbewegung.

Der Markt bleibt stark von Bitcoin abhängig.

Solange die größte Kryptowährung innerhalb ihrer Handelsspanne verbleibt, fehlt auch vielen kleineren Token ein klares Signal.

Eine neue Altcoin-Saison ist deshalb weiterhin nicht erkennbar.

Dafür müssten mehrere Entwicklungen gleichzeitig eintreten: Bitcoin müsste seine Bodenbildung bestätigen, Ethereum nachhaltig relative Stärke entwickeln und die Liquidität im Gesamtmarkt müsste deutlich zunehmen.

Bislang sind davon lediglich erste Ansätze sichtbar.

Der Blick auf die Makrodaten, Politik und Unternehmen 

Der amerikanische Arbeitsmarkt ist deutlich schwächer als bislang angenommen

Der amerikanische Arbeitsmarktbericht ist die wichtigste wirtschaftliche Meldung dieser Woche.

Der Verlust von 23.000 Arbeitsplätzen im Juli wäre allein bereits eine Enttäuschung gewesen.

Noch bedeutender sind die starken Abwärtsrevisionen der Vormonate.

Statt der ursprünglich gemeldeten 186.000 neuen Stellen im Mai und Juni zusammen verbleiben nach den aktuellen Berechnungen lediglich 83.000.

Damit verändert sich das Bild der vergangenen Monate grundlegend.

Der Arbeitsmarkt ist nicht zusammengebrochen. Die Zahl der Arbeitslosen bleibt moderat und Unternehmen entlassen bislang nicht in großem Umfang.

Das Beschäftigungswachstum ist aber erheblich schwächer, als die bisher veröffentlichten Zahlen vermuten ließen.

Auffällig ist zudem, wo Stellen verloren gingen.

Die Beschäftigung im kommunalen Bildungswesen sank um 50.000 Stellen, der Einzelhandel verlor 19.000 Arbeitsplätze und im Finanzsektor gingen weitere 14.000 Stellen verloren.

Das Gesundheitswesen schuf dagegen 22.000 neue Arbeitsplätze.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich damit zunehmend uneinheitlich.

Für die Federal Reserve verschärft sich dadurch der Zielkonflikt.

Die Inflation liegt weiterhin oberhalb des Zielwertes. Gleichzeitig zeigt nun auch der Arbeitsmarkt deutlichere Bremsspuren.

Eine weitere Zinserhöhung ist deshalb wesentlich schwerer zu begründen als noch am Freitagmorgen. Weitere Details zum Arbeitsmarkt finden Sie hier.

Die amerikanische Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale

Der Arbeitsmarktbericht steht im deutlichen Gegensatz zu verschiedenen anderen Konjunkturdaten dieser Woche.

Die amerikanische Industrie entwickelte sich im Juli überraschend kräftig. Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter, elektrische Ausrüstung und andere Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz bleiben ein wichtiger Wachstumstreiber.

Gleichzeitig berichten Unternehmen von steigenden Kosten, höheren Transportpreisen und weiterhin angespannten Lieferketten.

Die amerikanische Wirtschaft befindet sich deshalb in einer ungewöhnlichen Situation.

Einzelne investitionsintensive Bereiche wachsen sehr stark. Gleichzeitig verliert der Arbeitsmarkt an Dynamik, und die privaten Haushalte verfügen über weniger finanzielle Reserven als noch vor einigen Quartalen.

Das spricht gegen einfache Schlussfolgerungen.

Eine weitere Zinserhöhung könnte angesichts des schwächeren Arbeitsmarktes unnötig großen Schaden verursachen.

Eine schnelle Lockerung wäre angesichts des noch immer erhöhten Inflationsdrucks aber ebenfalls riskant.

Die nächsten Inflationsdaten dürften deshalb erheblich an Bedeutung gewinnen.

Deutschland überrascht mit besseren Produktions- und Exportdaten

Auch aus Deutschland kamen am Freitag neue Wirtschaftsdaten.

Die Industrieproduktion stieg im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent. Erwartet worden war lediglich ein Zuwachs von 0,1 Prozent.

Besonders deutlich legten die Automobilproduktion sowie der sonstige Fahrzeugbau zu.

Auch die Exporte entwickelten sich besser als erwartet.

Die deutschen Ausfuhren erhöhten sich im Juni um 0,9 Prozent und erreichten mit 139,3 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert.

Das ist zunächst erfreulich.

Die Detailzahlen zeigen allerdings erneut erhebliche strukturelle Veränderungen.

Die Exporte in die USA fielen gegenüber dem Vormonat um 14,2 Prozent. Die Handelskonflikte und die amerikanische Zollpolitik hinterlassen damit zunehmend sichtbare Spuren.

Gleichzeitig stiegen die Importe wesentlich stärker als die Exporte, wodurch sich der deutsche Handelsüberschuss verringerte.

Die Zahlen sprechen für eine zyklische Erholung der Industrie. Sie lösen die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft jedoch nicht.

Hohe Energiekosten, demografische Belastungen, schwache Investitionen in Teilen der Industrie und zunehmender internationaler Wettbewerb bleiben bestehen.

Europas Industrie erholt sich – aber noch ohne starken Nachfrageboom

Auch die Eurozone zeigt erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung.

Die Industrieproduktion und die Aktivität im Dienstleistungssektor entwickelten sich im Juli besser. Deutschland gehört inzwischen wieder zu den Ländern mit leicht wachsender Aktivität.

Die Erholung sollte dennoch nicht überbewertet werden.

Ein Teil des Wachstums beruht auf der Abarbeitung bestehender Aufträge. Die tatsächliche neue Nachfrage bleibt in vielen Branchen schwach.

Gleichzeitig liegt die Inflation weiterhin oberhalb des Zielwertes der Europäischen Zentralbank.

Europa ist zudem besonders anfällig für eine erneute Verschärfung der Energiekrise.

Sollten Öl- und Gaspreise aufgrund des Konflikts im Nahen Osten wieder nachhaltig steigen, würde dies die gerade beginnende Erholung unmittelbar belasten.

China lebt zunehmend von KI, Hochtechnologie und Exporten

China veröffentlichte am Freitag überraschend starke Außenhandelsdaten.

Die Exporte stiegen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 23,9 Prozent.

Besonders dynamisch entwickelte sich die Nachfrage nach Halbleitern und anderen Hochtechnologieprodukten. Die chinesischen Halbleiterexporte haben sich in den ersten sieben Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt.

Die Ausfuhren von Hochtechnologieprodukten legten um mehr als 40 Prozent zu.

China profitiert damit erheblich vom weltweiten Aufbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur.

Auch die Autoexporte stiegen um mehr als 50 Prozent.

Das starke Exportwachstum darf jedoch nicht mit einer breit angelegten wirtschaftlichen Erholung verwechselt werden.

Der Immobilienmarkt bleibt schwach. Der private Konsum entwickelt sich verhalten, und traditionelle Industriezweige profitieren erheblich weniger vom derzeitigen Aufschwung.

Chinas Wirtschaft entwickelt sich zunehmend zweigeteilt.

Auf der einen Seite stehen hochproduktive, technologisch fortgeschrittene und exportorientierte Branchen.

Auf der anderen Seite bleiben Immobilien, Konsum und verschiedene klassische Industriezweige unter Druck.

Hinzu kommen neue Handelsbarrieren aus den USA.

Die amerikanische Regierung verschärfte in dieser Woche erneut die Bedingungen für verschiedene chinesische Produkte aus den Bereichen Halbleiter, Solarindustrie und Robotik.

Damit wächst das Risiko, dass Chinas starke Exportentwicklung in der zweiten Jahreshälfte zunehmend auf protektionistische Gegenmaßnahmen trifft.

Der Ölpreis fällt wieder – die Gefahr in der Straße von Hormus ist aber nicht verschwunden

Der Ölmarkt wechselte in dieser Woche mehrfach innerhalb weniger Stunden zwischen Hoffnung und Eskalation.

Zu Wochenbeginn sorgten neue Vermittlungsbemühungen für einen starken Preisrückgang.

Am Donnerstag änderte sich das Bild erneut. Ein iranischer Vorschlag zur Einschränkung der Durchfahrt amerikanischer und israelischer Schiffe durch die Straße von Hormus ließ den Ölpreis deutlich steigen.

Am Freitag hat sich die Situation erneut entspannt.

Iran und mehrere Golfstaaten verhandeln über eine vorübergehende Vereinbarung für den Schiffsverkehr durch die Meerenge.

Am Freitagnachmittag notiert Brent-Rohöl bei ungefähr 82 US-Dollar je Barrel. Auf Wochensicht zeichnet sich damit ein Rückgang von mehr als neun Prozent ab.

Das ist für die Weltwirtschaft zunächst positiv.

Der Ölmarkt preist aktuell eine höhere Wahrscheinlichkeit ein, dass zumindest ein Teil des normalen Schiffsverkehrs wiederhergestellt werden kann.

Die Verhandlungen sind jedoch kompliziert.

Iran verlangt offenbar Gebühren für die Durchfahrt. Oman schlägt niedrigere Gebühren vor, während die USA solche Zahlungen grundsätzlich ablehnen.

Hinzu kommen Fragen zu Sanktionen, Versicherungen und der praktischen Kontrolle der Schifffahrtswege.

Eine kurzfristige Vereinbarung wäre deshalb noch keine dauerhafte Friedenslösung.

Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan schließen ein Verteidigungsabkommen

Am Freitag kam eine weitere geopolitische Entwicklung hinzu.

Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan unterzeichneten in Mekka ein gemeinsames Verteidigungsabkommen.

Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten soll demnach als Angriff auf alle drei betrachtet werden.

Das Abkommen ist vor dem Hintergrund der erheblich verschlechterten Sicherheitslage am Persischen Golf von Bedeutung.

Saudi-Arabien verfügt über enorme finanzielle Ressourcen und ist einer der wichtigsten Energieexporteure der Welt.

Die Türkei besitzt die zweitgrößte Armee innerhalb der NATO und eine stark wachsende eigene Rüstungsindustrie.

Pakistan wiederum ist die einzige muslimische Atommacht.

Die drei Staaten betonen, dass das Abkommen defensiven Charakter habe und sich nicht gegen einen bestimmten Staat richte.

Trotzdem ist die politische Botschaft eindeutig.

Die Golfstaaten versuchen zunehmend, ihre eigene Sicherheitsarchitektur auszubauen und ihre Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren.

Ob daraus tatsächlich eine militärisch belastbare Allianz entsteht, lässt sich noch nicht beurteilen. Der Schritt zeigt aber, wie stark der Krieg zwischen den USA und Iran die strategischen Strukturen in der Region verändert.

Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Raffinerien fort

Auch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine wirkt weiterhin auf den Energiemarkt.

Die Ukraine griff in dieser Woche erneut große russische Raffinerien und Energieanlagen mit Drohnen an.

Besonders bedeutend war der Angriff auf die Raffinerie Slavneft-Yanos in der Region Jaroslawl.

Die Anlage kann ungefähr 300.000 Barrel Rohöl pro Tag verarbeiten und gehört damit zu den größeren Raffinerien Russlands.

Nach dem Angriff kam es zu einem größeren Brand. Die russischen Behörden erklärten später, das Feuer sei gelöscht worden.

Auch eine Raffinerie in Baschkortostan wurde nach ukrainischen Angaben angegriffen.

Die ukrainische Strategie ist eindeutig.

Sie versucht, russische Raffineriekapazitäten, Treibstoffversorgung und Einnahmen aus Ölprodukten systematisch zu belasten.

Die Angriffe verursachen reale Kosten und zwingen Russland, zusätzliche Flugabwehrsysteme zum Schutz weit im Hinterland gelegener Industrieanlagen einzusetzen.

Es wäre dennoch übertrieben, daraus bereits eine entscheidende Schwächung der russischen Energieversorgung abzuleiten.

Russland verfügt über erhebliche Raffineriekapazitäten und konnte seine Rohölproduktion im Juli sogar leicht erhöhen.

Der wirtschaftliche Druck wächst jedoch.

Die Aktienmärkte reagieren positiv auf die schwachen Arbeitsmarktdaten

Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten am Freitag zunächst mit Kursgewinnen auf den Arbeitsmarktbericht.

Besonders Technologieaktien profitierten von den gesunkenen Zinserwartungen.

Der Nasdaq legte im frühen amerikanischen Handel stärker zu als der Gesamtmarkt.

Hinzu kommen weiterhin insgesamt gute Unternehmenszahlen.

Mehr als vier Fünftel der bislang berichtenden Unternehmen im S&P 500 übertrafen die Gewinnerwartungen.

Besonders bemerkenswert bleibt die enorme Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz.

Halbleiter, Rechenzentren, Stromversorgung, Datenspeicherung und Software gehören weiterhin zu den wichtigsten Wachstumsthemen am Aktienmarkt.

Der Unterschied zum Kryptomarkt ist interessant.

Während Technologieaktien deutlich auf die gesunkenen Zinserwartungen reagierten, blieb die Bitcoin-Bewegung bislang vergleichsweise klein.

Das spricht dafür, dass im Kryptomarkt weiterhin eigene Angebots- und Liquiditätsfaktoren eine größere Rolle spielen.

Welche Projekte und Nachrichten stehen gerade im Fokus?

Trotz der großen Marktbewegungen in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Geopolitik als auch die Zollverhandlungen ausgelöst wurden, gibt es in jeder Woche zusehends mehr Nachrichten mit großer Tragweite für den Kryptomarkt. Die Adaption der Technologie schreitet weiter voran, regulatorisch mehr und mehr unterstützt, da das Potential auch politisch weiter in den Fokus rückt. „Krypto ist gekommen, um zu bleiben“, und wird Tag für Tag sichtbarer in unserer Welt.

Die vergangenen sieben Tage haben erneut gezeigt, dass sich der Kryptomarkt zunehmend verändert. Während in den vergangenen Jahren häufig neue Blockchain-Projekte oder spektakuläre Kursbewegungen die Schlagzeilen bestimmten, stehen inzwischen andere Themen im Vordergrund: Regulierung, institutionelle Infrastruktur und die Integration digitaler Vermögenswerte in das bestehende Finanzsystem.

Diese Entwicklung verläuft oftmals weitgehend unbemerkt. Gerade deshalb halten wir sie für besonders interessant.

Ob Regierungen Kryptowährungen rechtlich neu einordnen, zentrale Finanzmarktinfrastrukturen mit der Tokenisierung beginnen oder Stablecoins erstmals in regulierte Finanzprozesse integriert werden – all diese Entwicklungen schaffen die Grundlagen dafür, dass digitale Vermögenswerte langfristig einen festen Platz innerhalb der globalen Finanzmärkte einnehmen können.

Die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche verdeutlichen diesen Wandel eindrucksvoll.

Strategy verkauft weitere 1.638 Bitcoin

Die wichtigste unternehmensbezogene Kryptomeldung der Woche kam erneut von Strategy.

Das Unternehmen verkaufte zwischen dem 27. Juli und dem 2. August insgesamt 1.638 Bitcoin und nahm damit rund 104,7 Mio. USD ein.

Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei knapp 64.000 US-Dollar je Bitcoin.

Nach der Transaktion hält Strategy noch 842.138 Bitcoin.

Das Unternehmen bleibt damit mit großem Abstand der größte bekannte börsennotierte Bitcoin-Halter.

Die Verkäufe bedeuten keine grundsätzliche Abkehr von Bitcoin.

Strategy nutzt seine Bestände inzwischen jedoch wesentlich aktiver zur Steuerung seiner Kapitalstruktur. Bitcoin können unter anderem verkauft werden, um Liquiditätsreserven aufzubauen, Dividenden auf Vorzugsaktien zu finanzieren und eigene Wertpapiere zurückzukaufen.

Genau darin liegt die Veränderung.

Über Jahre galt Strategy praktisch ausschließlich als Käufer.

Inzwischen funktioniert dieser Mechanismus in beide Richtungen.

Das Unternehmen kann abhängig von seiner Liquiditätssituation und der Bewertung seiner verschiedenen Aktien- und Vorzugsaktiengattungen Bitcoin kaufen oder verkaufen.

Gemessen an mehr als 840.000 gehaltenen Bitcoin ist der aktuelle Verkauf klein.

Die Vorstellung, Strategy werde Bitcoin unabhängig von allen Umständen niemals verkaufen, ist damit aber endgültig widerlegt.

Für den Markt ist dies relevant.

Circle zeigt, wie schnell Stablecoins in die traditionelle Finanzwelt hineinwachsen

Circle legte in dieser Woche seine Zahlen für das zweite Quartal vor.

Der wichtigste Wert ist aus unserer Sicht weniger das einzelne Quartalsergebnis des Unternehmens als die Entwicklung des Stablecoins USDC.

Das im Umlauf befindliche Volumen stieg gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 73,3 Mrd. USD.

Noch wesentlich stärker entwickelte sich die tatsächliche Nutzung.

Das über die Blockchain abgewickelte Transaktionsvolumen stieg gegenüber dem Vorjahr um 151 Prozent.

Dies zeigt, dass Stablecoins zunehmend nicht nur als Zwischenparkplatz für Kryptoinvestoren dienen.

Sie werden für internationale Zahlungen, Abwicklungen zwischen Unternehmen, den Handel mit tokenisierten Vermögenswerten und als digitale Dollar-Infrastruktur genutzt.

Circle profitiert dabei von seiner zunehmend regulierten Position und erhielt inzwischen eine amerikanische Trust-Bank-Lizenz auf Bundesebene.

Die Quartalszahlen waren dennoch nicht uneingeschränkt positiv.

Der Umsatz von rund 701 Mio. USD blieb hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig sank die Rendite auf die Reserven, mit denen USDC gedeckt wird, auf ungefähr 3,5 Prozent.

Das Geschäftsmodell von Circle hängt damit in erheblichem Umfang auch von der Höhe der kurzfristigen amerikanischen Zinsen ab.

Sinkende Zinsen reduzieren die Erträge aus den hinterlegten Reserven.

Ein wachsendes USDC-Volumen erhöht dagegen die Basis, auf der diese Erträge erwirtschaftet werden.

Für die langfristige Entwicklung ist aus unserer Sicht der zweite Punkt bedeutender.

Stablecoins entwickeln sich zunehmend zu einer tatsächlichen Brücke zwischen klassischem Geld und Blockchain-Infrastruktur.

Der CLARITY Act wird zunehmend zu einer politischen Ethikdebatte

Der amerikanische CLARITY Act soll einen der wichtigsten regulatorischen Rahmen für den Kryptomarkt schaffen.

Das Gesetz soll unter anderem festlegen, wann digitale Vermögenswerte als Wertpapiere und wann sie als digitale Rohstoffe gelten. Außerdem sollen die Zuständigkeiten von SEC und CFTC sowie Regeln für Börsen und andere Marktteilnehmer klarer definiert werden.

Die grundsätzliche politische Unterstützung bleibt vorhanden.

Die Verhandlungen geraten allerdings zunehmend in eine Diskussion über mögliche Interessenkonflikte politischer Amtsträger.

Mehrere demokratische Senatoren verlangen Regeln, die verhindern sollen, dass ein Präsident oder andere hochrangige Regierungsmitglieder unmittelbar von eigenen Kryptounternehmen profitieren.

Dies betrifft insbesondere Donald Trump und seine Familie.

Trump meldete für das vergangene Jahr Einnahmen von mehr als 1,4 Mrd. USD aus den Kryptoaktivitäten seiner Familie.

Derzeit wird über eine Regelung verhandelt, die den Präsidenten verpflichten könnte, bestimmte Kryptobeteiligungen zu veräußern.

Kurioserweise könnte genau eine solche Verpflichtung erhebliche steuerliche Vorteile mit sich bringen, weil Gewinne bei bestimmten gesetzlich vorgeschriebenen Veräußerungen möglicherweise steuerlich aufgeschoben werden könnten.

Die Details sind noch nicht beschlossen.

Der Vorgang zeigt jedoch, wie eng Kryptoregulierung inzwischen mit klassischen Fragen politischer Ethik und persönlicher wirtschaftlicher Interessen verbunden ist.

Für die Branche ist die Verzögerung problematisch.

Ein klarer regulatorischer Rahmen würde Banken, Vermögensverwaltern, Börsen und institutionellen Anlegern deutlich mehr Planungssicherheit geben.

Der CLARITY Act ist nicht gescheitert. Eine schnelle Einigung ist aber weiterhin nicht gesichert.

Südafrika integriert Kryptowährungen in seine Kapitalverkehrsregeln

Auch außerhalb der USA schreitet die Regulierung digitaler Vermögenswerte voran.

Südafrika veröffentlichte in dieser Woche erstmals konkrete Regeln für grenzüberschreitende Kryptotransaktionen.

Transfers von einem südafrikanischen regulierten Anbieter zu einer ausländischen Plattform oder einer privaten Wallet sollen künftig als grenzüberschreitende Kapitalbewegung behandelt werden.

Die Transaktionen müssen über zugelassene Kanäle erfolgen und an die Finanzaufsicht der südafrikanischen Zentralbank gemeldet werden.

Inländische Käufe und Verkäufe in südafrikanischen Rand bleiben grundsätzlich davon ausgenommen.

Bemerkenswert ist die regulatorische Richtung.

Südafrika versucht nicht, Kryptowährungen zu verbieten.

Stattdessen werden sie schrittweise in die bestehenden Regeln für internationalen Kapitalverkehr eingebunden.

Genau diese Entwicklung dürfte langfristig auch in anderen Ländern zu beobachten sein.

Kryptowährungen werden regulatorisch zunehmend weniger als vollständig getrennte Parallelwelt behandelt, sondern als weitere Form von Vermögenswerten, die in bestehende Geldwäsche-, Steuer- und Kapitalverkehrsregeln integriert werden.

Für institutionelle Anleger erhöht dies langfristig die Rechtssicherheit.

Für Nutzer bedeutet es gleichzeitig, dass die Vorstellung vollständig unkontrollierter internationaler Kryptotransfers zunehmend unrealistisch wird.

Grayscale will Staking-Erträge des Solana-ETF regelmäßig ausschütten

Eine besonders interessante Produktentwicklung betrifft den Grayscale Solana Staking ETF.

Grayscale hatte angekündigt, die rechtliche Struktur des Produktes um den 7. August zu ändern.

Künftig sollen die Nettoerlöse aus dem Staking der im ETF gehaltenen Solana regelmäßig in Bargeld umgewandelt und an die Anleger ausgeschüttet werden.

Die Staking-Erträge sollen mindestens vierteljährlich realisiert und anschließend – nach Abzug der vorgesehenen Kosten – an die Anteilseigner weitergereicht werden.

Das klingt zunächst nach einer technischen Änderung.

Tatsächlich hat die Konstruktion eine größere Bedeutung.

Bei Proof-of-Stake-Netzwerken wie Solana entstehen durch das Staken der Token laufende Erträge.

Frühe Kryptoprodukte konnten diese Erträge häufig nicht oder nur eingeschränkt an Anleger weitergeben. Dadurch entstand gegenüber einer direkten Haltung der Token ein struktureller Nachteil.

Mit der neuen Konstruktion nähert sich der ETF stärker dem tatsächlichen wirtschaftlichen Verhalten des zugrunde liegenden Vermögenswertes an.

Anleger erhalten nicht nur die Kursentwicklung von Solana, sondern sollen künftig auch am Staking-Ertrag beteiligt werden.

Dies ist ein weiterer Schritt in der Weiterentwicklung regulierter Kryptoprodukte.

Die bisherige SEC-Einreichung sah die Änderung für den 7. August vor. Bis zum Redaktionsschluss lag allerdings noch keine neue regulatorische Veröffentlichung vor, aus der sich der tatsächliche Vollzug zweifelsfrei ablesen lässt.

Unsere Sicht

Der Kryptomarkt hat sich in dieser Woche stabilisiert, ohne bereits ein neues Aufwärtssignal zu liefern. Positiv sind die deutlichen ETF-Zuflüsse bei Bitcoin und Ethereum sowie die erneut verteidigte Unterstützungszone von Bitcoin zwischen 62.000 und 63.000 US-Dollar. Gleichzeitig blieb der Kursanstieg trotz des zusätzlichen Kapitals und sinkender Zinserwartungen überschaubar. Der entscheidende Widerstandsbereich zwischen 65.000 und 67.000 US-Dollar wurde erneut nicht nachhaltig überwunden.

Makroökonomisch hat der schwache amerikanische Arbeitsmarktbericht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung deutlich reduziert und damit das Umfeld für Risikoanlagen verbessert. Gleichzeitig bleiben die geopolitischen Risiken hoch. Die Lage in der Straße von Hormus, die Ukraine-Angriffe auf russische Energieinfrastruktur und die weiterhin erhöhte Volatilität am Ölmarkt können Inflation und Geldpolitik jederzeit wieder stärker belasten.

Fundamental schreitet die Institutionalisierung des Kryptomarktes weiter voran: Stablecoins wachsen, regulatorische Rahmenbedingungen werden weiterentwickelt und börsengehandelte Produkte gewinnen an Bedeutung. Kurzfristig bleibt der Markt jedoch in einer Seitwärts- und Bodenbildungsphase. Für eine deutlich positivere Einschätzung müssten Bitcoin nachhaltig über 66.000 bis 67.000 US-Dollar und Ethereum über 2.000 US-Dollar ausbrechen.

Podcast mit der „WirtschaftsWoche“

Wir folgten einer Einladung, und in der neuen Folge des WirtschaftsWoche Podcasts „Bitcoin & Beyond“ spricht Host Philipp Frohn mit Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer von alpha beta asset management, über die Frage, ob der „Clarity Act“ den Kryptomarkt aus dem Winterschlaf holen könnte.

Im Fokus der Folge:

        • was hinter der neuen Krypto-Gesetzesinitiative in den USA steckt und warum sie als möglicher Katalysator gilt,
        • ob ein regulatorischer Fortschritt tatsächlich für eine Trendwende beim Bitcoin ausreicht,
        • aktuelle Entwicklungen rund um Ether.

Den aktuellen Podcast finden Sie hier.

Schönen Gruß aus Frankfurt – und ein entspanntes Wochenende! ☀️

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Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

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Markus van de Weyer

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