Hump of the week: Im Westen nichts Neues?
Aktueller Wochenkommentar: „Im Westen nichts Neues? – Aktienmarkt: Neue Rekorde trotz alter Risiken?“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH
Eine Woche voller neuer Konjunkturdaten, Unternehmenszahlen und geldpolitischer Entwicklungen liegt hinter den Kapitalmärkten. Dennoch wirkt das Gesamtbild erstaunlich vertraut. Die wichtigsten Aktienindizes markieren neue Höchststände, während viele der bekannten Risiken bestehen bleiben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Was braucht der Aktienmarkt für den nächsten nachhaltigen Impuls?
Aktienmarkt erreicht neue Rekorde
Die Aktienmärkte setzen ihre Aufwärtsbewegung fort. Der S&P 500 erreichte am Montag bereits sein 26. Allzeithoch in diesem Jahr. Auch der DAX markierte mit 26.447 Punkten einen neuen Rekord. Der Nasdaq verzeichnete sogar seine stärkste Handelswoche seit April.
Trotz zahlreicher neuer Daten hat sich das Grundbild an den Märkten jedoch kaum verändert. Die Aufwärtsbewegung bleibt intakt, ohne dass sich ein neuer dominanter Kurstreiber herauskristallisiert.
Geldpolitik sorgt wieder für Hoffnung
Der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag mit einem Verlust von 23.000 Stellen hat die Erwartungen an die Geldpolitik deutlich verändert.
Während zwischenzeitlich nahezu drei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozent bis zum Jahresende eingepreist waren, rechnet der Markt inzwischen nur noch mit einer weiteren Zinserhöhung. Diese veränderten Erwartungen sorgen für etwas mehr Optimismus an den Aktienmärkten.
Unternehmensgewinne überzeugen
Auch die Berichtssaison entwickelt sich weiterhin erfreulich.
Die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 45 Prozent. Das ist das höchste Gewinnwachstum seit dem Jahr 2021. Allerdings ist ein erheblicher Teil dieses Anstiegs auf Sondereffekte bei Alphabet, Amazon und Microsoft zurückzuführen. Dadurch relativiert sich die beeindruckende Gesamtzahl etwas.
Aktienrückkäufe stützen den Markt
Eine wichtige Nachfragequelle kehrt an den Markt zurück.
Nachdem ein Großteil der US-Unternehmen seine Quartalszahlen veröffentlicht hat, dürfen inzwischen rund 93 Prozent der börsennotierten Gesellschaften wieder eigene Aktien zurückkaufen. Der August zählt traditionell zu den aktivsten Monaten für Buyback-Programme und sorgt damit für zusätzliche Nachfrage am Aktienmarkt.
Geopolitische Risiken bleiben bestehen
Trotz neuer Höchststände haben sich die geopolitischen Risiken kaum verändert.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran halten an. Im Gaza-Konflikt zeichnet sich weiterhin keine dauerhafte Lösung ab und auch die massiven russischen Angriffe auf Kiew verdeutlichen, dass Frieden zwar möglich, aber keineswegs Realität ist.
Damit bleiben Risiken für Energieversorgung und Lieferketten bestehen. Gleichzeitig steigen die langfristigen Renditen weiter, obwohl sich die Erwartungen an die Geldpolitik zuletzt etwas entspannt haben.
Drei Fazits
1. Der Aktienmarkt steigt, die Risiken bleiben
Für die neuen Rekorde gibt es gute Gründe. Starke Unternehmensgewinne, umfangreiche Aktienrückkäufe und wieder etwas mehr Hoffnung bei der Geldpolitik stützen die Kurse. Gleichzeitig liefert die geopolitische Lage weiterhin genügend Argumente für Vorsicht.
2. Die US-Konjunktur schwächt sich ab, aber nicht dramatisch
Der Arbeitsmarkt verliert etwas an Dynamik. Unternehmen bauen zwar kaum Stellen ab, stellen aber auch deutlich zurückhaltender ein. Positiv überraschte dagegen der ISM-Einkaufsmanagerindex, der im Juli auf 55,6 Punkte stieg. Weitere Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung könnten die US-Einzelhandelsumsätze am Freitag liefern.
3. Kurzfristige Risiken treffen auf langfristige Chancen
BlackRock erwartet bis zum Jahr 2030 eine außergewöhnlich starke Expansion der Kapitalmärkte. Demografischer Wandel, steigender Vorsorgebedarf, struktureller Kapitalbedarf und neue Innovationszyklen gelten als wesentliche Wachstumstreiber. Kurzfristige Risiken sprechen weiterhin für ein konsequentes Risikomanagement. Den langfristigen Wachstumstrend deshalb grundsätzlich infrage zu stellen, erscheint jedoch ebenso riskant.
Die zentrale Frage
Neue Rekorde trotz zahlreicher Risiken: Ist das Ausdruck fundamentaler Stärke oder wird der Aktienmarkt inzwischen zu sorglos?

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