Hump of the week: China – Rettung durch KI?

Hump of the week: China – Rettung durch Künstliche Intelligenz?

Aktueller Wochenkommentar: „China und Künstliche Intelligenz: Neuer Wachstumsmotor?“

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

China verbindet mit Künstlicher Intelligenz große Hoffnungen. Während sich die technologische Entwicklung rasant beschleunigt, leidet die Gesamtwirtschaft weiterhin unter den Folgen der Immobilienkrise. Vor allem der private Konsum bleibt schwach und bremst die wirtschaftliche Dynamik.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kann der Technologiesektor zum neuen Wachstumsmotor werden?

China und Künstliche Intelligenz: Der Aktienmarkt bleibt zurück

Der chinesische Aktienmarkt konnte die Erwartungen vieler Anleger bislang in diesem Jahr nicht erfüllen. Der MSCI China liegt im Jahr 2026 lediglich rund drei Prozent im Plus. Der Hang Seng Tech notiert sogar etwa zehn Prozent im Minus.

Internationale Investoren fanden in diesem Jahr auch in anderen asiatischen Märkten attraktivere Anlagemöglichkeiten. Die Entwicklung zeigt, dass die technologische Stärke Chinas bislang nicht ausgereicht hat, um das Vertrauen der Kapitalmärkte nachhaltig zurückzugewinnen.

Das Wirtschaftswachstum verliert weiter an Dynamik

Auch die Konjunktur entwickelt sich schwächer als erhofft. Mit einem Wachstum von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr fiel das Wachstum der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal so niedrig aus wie seit drei Jahren nicht mehr.

Damit rückt das offizielle Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent zunehmend in weite Ferne. Besonders die anhaltende Immobilienkrise belastet sowohl den privaten Konsum als auch die Investitionstätigkeit und bleibt damit eines der größten strukturellen Probleme der chinesischen Wirtschaft.

Xi Jinping macht Künstliche Intelligenz zur Priorität

Präsident Xi Jinping hat Künstliche Intelligenz zu einer zentralen Säule des neuen Fünfjahresplans für die Jahre 2026 bis 2030 erklärt.

Ziel ist es, Chinas technologische Eigenständigkeit weiter auszubauen und gleichzeitig offene KI-Modelle unter staatlicher Kontrolle zu fördern. Die Regierung sieht Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

DeepSeek zeigt die Dynamik des Wettbewerbs

Mit dem neuen Modell V4-Flash unterstreicht DeepSeek erneut, wie dynamisch sich die chinesische KI-Landschaft entwickelt.

Viele Experten sehen die führende Position zwar weiterhin bei amerikanischen Anbietern. Gleichzeitig setzt China insbesondere bei der Kosteneffizienz zunehmend Maßstäbe und baut seine Wettbewerbsfähigkeit konsequent aus.

Deflation bleibt ein Risiko

Die Verbraucherpreisinflation liegt derzeit lediglich bei 1,2 Prozent. Damit bleibt der Preisdruck insgesamt gering.

Steigende Energie-, Transport- und Rohstoffkosten haben das strukturelle Deflationsrisiko zuletzt zwar etwas reduziert. Vollständig verschwunden ist dieses Problem jedoch nicht und stellt weiterhin eine Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Hier muss die Geld- und Fiskalpolitik weiter ansetzen.

Drei Fazits

1. KI allein wird Chinas Konjunktur nicht retten

Die strukturellen Probleme, insbesondere im Immobiliensektor, bleiben die größte Herausforderung. Künstliche Intelligenz kann das Wirtschaftswachstum langfristig fördern, den privaten Konsum kurzfristig jedoch kaum ersetzen. Peking wird die Wirtschaft deshalb weiterhin politisch unterstützen müssen.

2. Langfristig spricht vieles für China

Die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz und Halbleiter zeigen, dass China den technologischen Wettbewerb mit den USA konsequent annimmt. Daraus können erhebliche Produktivitätsgewinne entstehen. Vergleiche mit Japan in den neunziger Jahren greifen trotz der demografischen Herausforderungen aus heutiger Sicht zu kurz.

3. Turnaround-Kandidat für Anleger?

Während viele westliche Technologiewerte inzwischen hoch bewertet sind, erscheint der chinesische Aktienmarkt vergleichsweise günstig. Sollte sich die Binnenwirtschaft stabilisieren, könnte China wieder stärker in den Fokus internationaler Investoren rücken.

Die zentrale Frage

Kann Künstliche Intelligenz den Übergang zu einem neuen chinesischen Wachstumsmodell beschleunigen oder bleibt eine nachhaltige Erholung ohne stärkeren privaten Konsum unrealistisch?

 

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