Hump of the week: Liegt die Zukunft noch in Amerika?
Aktueller Wochenkommentar: „Zukunft Amerika: Wenn geopolitische Verschiebungen Anlageentscheidungen prägen“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH
In der westlichen Welt ist vieles nicht mehr selbstverständlich. Dass der britische Premier Keir Starmer offen erklärt, sich nicht zwischen den USA und China entscheiden zu wollen, ist mehr als eine diplomatische Randnotiz. Es ist Ausdruck einer geopolitischen Zäsur. Die USA verfolgen zunehmend kompromisslos ihre eigenen Interessen. Für Anleger stellt sich damit eine zentrale Frage: Liegt die Zukunft noch in Amerika – oder verteilt sich Wachstum und Kapital global neu?
Die USA bleiben Nummer eins – auch mit Blick auf die Zukunft Amerikas
Absehbar bleiben die USA die wichtigste Volkswirtschaft der Welt. Für Deutschland und die Europäische Union sind und bleiben sie ein zentraler Handelspartner. An dieser Realität führt kein Weg vorbei. Auch für die Kapitalmärkte bleiben die USA Referenzpunkt für Liquidität, Innovationskraft und Markttiefe.
Technologie- und Militärführerschaft als Stütze der US-Kapitalmärkte
Die technologische und militärische Führungsrolle der USA ist weiterhin intakt. In Schlüsseltechnologien dominieren US-Unternehmen mit hohen Margen, starken Marktpositionen und guten Perspektiven für weiteres Kurswachstum. Diese strukturelle Stärke erklärt, warum die USA auch künftig ein zentraler Baustein globaler Portfolios bleiben.
Der US-Dollar als zunehmender Risikofaktor
Gleichzeitig entwickelt sich der US-Dollar zunehmend zum Risikofaktor, insbesondere für europäische Anleger. Donald Trump setzt erkennbar auf eine schwächere US-Währung. Das hat mehrere Effekte: US-Investments verlieren in Euro gerechnet an Wert, Exporte in die USA verteuern sich. Ein möglicher Zinsanstieg am Anleihenmarkt in den USA würde zusätzlich längere US-Treasuries belasten.
Emerging Markets gewinnen jenseits der Zukunft Amerikas an Bedeutung
Ein struktureller Gewinner dieser Entwicklung sind die Emerging Markets. Sie profitieren von einer weniger dollarzentrierten Welt, vom schwächeren Dollar und von strukturellem Wachstum. Die Performance der vergangenen zwölf Monate war stark, und auch 2026 starten viele Schwellenländer mit Rückenwind. EU-Freihandelsabkommen, etwa mit Mercosur oder Indien, verstärken diesen Trend. Gleichzeitig gilt: Viele Emerging Markets sind inzwischen nicht mehr günstig bewertet.
Strategische Sonderthemen als Ergänzung zur globalen Diversifikation
Neben regionaler Diversifikation bleiben strategische Sonderthemen relevant. Gold und Silber, Industriemetalle wie Kupfer und Seltene Erden, nachhaltige Energien und Medizintechnologie profitieren von geopolitischen und technologischen Umbrüchen. Diese Anlagen bringen teilweise höhere Volatilität mit sich, bieten aber echten Diversifikationsnutzen für langfristig orientierte Portfolios.
Fazit 1: Die USA bleiben Benchmark. Technologischer Fortschritt und Kapitalmarktdominanz kommen weiterhin aus den USA. Für global ausgerichtete Portfolios bleiben sie unverzichtbar.
Fazit 2: Die Zukunft wächst zunehmend außerhalb der USA. Asien, Lateinamerika und andere Emerging Markets gewinnen strukturell an Bedeutung – nicht als Ersatz, sondern als wichtige Ergänzung.
Fazit 3: Europas Chance liegt in strategischer Emanzipation. Diese ist Risiko und Chance zugleich. Gelingt sie, kann Europa geopolitisch und wirtschaftlich an Gewicht gewinnen.
Fazit 4: Diversifikation wird noch wichtiger. Tendenziell weniger USA-Risiko aufgrund Verschuldung und Dollarschwäche, mehr Emerging Markets – insbesondere Asien und Lateinamerika. Ergänzt um Rohstoffe, Edelmetalle sowie Energie- und Medizintechnologie erscheint ein global breit aufgestelltes Portfolio für 2026 sinnvoll.
Die zentrale Frage bleibt: Ist dies die Stunde der Emerging Markets – oder kommen Anleger bereits zu spät?

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