Hump of the week: Trumps Zölle: Ein Rohrkrepierer?

Hump of the week: Trumps Zölle – ein Rohrkrepierer?

Aktueller Wochenkommentar: „Trumps Zölle – ein Rohrkrepierer?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Der Supreme Court hat zentrale Elemente der sogenannten „Liberation Day“-Zölle von Donald Trump – insbesondere reziproke Zölle – als rechtswidrig eingestuft. Die US-Regierung reagiert mit neuen pauschalen Zöllen auf anderer juristischer Grundlage, die jedoch ebenfalls erneut angreifbar sein könnten.

Damit stellt sich für Investoren eine entscheidende Frage: Sehen wir eine Neuauflage des Zollkonflikts aus dem Jahr 2025 – oder verliert der handelspolitische Druck diesmal schneller an Wirkung?

Im Folgenden eine Einordnung der aktuellen Entwicklungen und ihrer möglichen Auswirkungen auf Kapitalmärkte und globale Wirtschaftsstrukturen.

Kapitalmärkte reagieren auf neue Zölle erstaunlich gelassen

Die Reaktion der Märkte fällt bislang moderat aus. Zwar sorgt die politische Nachrichtenlage für etwas erhöhte Volatilität, eine ausgeprägte Risikoaversion ist jedoch nicht zu beobachten.

Offenbar haben Marktteilnehmer aus früheren Episoden gelernt: Politische Ankündigungen erzeugen kurzfristige Unsicherheit, führen aber nicht zwangsläufig zu dauerhaft veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die aktuelle Marktreaktion lässt sich daher eher als erhöhte Aufmerksamkeit denn als strukturelle Nervosität beschreiben.

Internationale Reaktionen zwischen Besorgnis und Gewöhnung

Handelspartner kritisieren die zunehmende Unsicherheit durch die US-Handelspolitik, reagieren jedoch deutlich weniger überrascht als in früheren Zollkonflikten. Diese veränderte Reaktion deutet darauf hin, dass handelspolitische Spannungen zunehmend als Teil eines neuen Normalzustands wahrgenommen werden.

Kurzfristig stabilisiert diese Gelassenheit die Märkte. Langfristig kann die Normalisierung politischer Unsicherheit jedoch strukturelle Anpassungen auslösen.

Die Welt organisiert wirtschaftliche Alternativen

Parallel bauen zahlreiche Staaten ihre wirtschaftlichen Beziehungen neu auf. Handels- und Partnerschaftsachsen werden erweitert, unter anderem durch europäische Abkommen sowie verstärkte Kooperationen mit Indien und der Golfregion.

Auch aktuelle politische Initiativen, etwa die deutsche Wirtschaftsdelegationen unter Kanzler Merz nach China, unterstreichen den Versuch vieler Volkswirtschaften, Abhängigkeiten zu reduzieren und strategische Alternativen zu entwickeln.

Eskalation als Verhandlungsinstrument

Das bekannte Muster der US-Handelspolitik bleibt erkennbar: Eskalation, gefolgt von Verhandlungen und bilateralen Vereinbarungen. Allerdings hat sich die Ausgangslage verändert. Viele Handelspartner verfügen heute über größere Handlungsspielräume, da wirtschaftliche Abhängigkeiten bereits reduziert wurden.

Damit verändert sich auch die Verhandlungsdynamik im internationalen Handel.

Diversifikation wird zum zentralen Anpassungsmechanismus

Auf internationaler Ebene gewinnt Diversifikation zunehmend an Bedeutung. Staaten und Investoren reagieren auf Unsicherheit, indem sie Abhängigkeiten reduzieren und wirtschaftliche Beziehungen breiter aufstellen. Dieser Ansatz wurde zuletzt auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos betont, unter anderem vom kanadischen Premier Mark Carney.

Die Entwicklung deutet auf eine langfristige strukturelle Veränderung der globalen Wirtschaftsordnung hin.

Vier Fazits

Fazit 1: Märkte ignorieren Trump – aber nicht die Unsicherheit

Zölle werden zunehmend als strukturelles Element geopolitischer Wirtschaftspolitik betrachtet. Gleichzeitig bleibt politische Planbarkeit begrenzt. Das Interesse der US-Regierung an stabilen Märkten vor den Midterm Elections könnte extreme Maßnahmen begrenzen, eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Fazit 2: Innenpolitisch entsteht zusätzlicher Druck

Wenn zentrale politische Maßnahmen juristisch gestoppt werden, entsteht politische Reibung – auch innerhalb des eigenen Lagers. Angriffe auf Institutionen können zusätzlich das Vertrauen in wirtschaftspolitische Stabilität belasten.

Fazit 3: Die Welt dreht sich weiter – Amerika droht sich abzuschotten

Europa, Indien, China und zahlreiche mittelgroße Volkswirtschaften nutzen die Phase, um alternative Handelsbeziehungen aufzubauen. Diese Entwicklung könnte langfristige Auswirkungen auf die Rolle des US-Dollars sowie auf die Finanzierung amerikanischer Defizite haben.

Fazit 4: Weniger Zoll, mehr Währungspolitik?

Sollten Zölle juristisch schwerer durchsetzbar werden, könnte wirtschaftspolitischer Wettbewerb stärker über Währungen ausgetragen werden. Für Europa und die EZB gewinnt damit die Beobachtung der Dollarpolitik an Bedeutung.

Die zentrale Frage:

Die Wirtschaftsblöcke emanzipieren sich weiter von den USA. Die Kombination aus wirtschaftlichem und politischem Druck funktioniert noch – aber wie lange noch?

 

 

Vennemann HiRes 5624

 

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