Hump of the week: Tech korrigiert – der Zukunftsglaube bleibt!

Der Technologiesektor steht derzeit vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Chiphersteller und KI-Aktien korrigieren deutlich. Gleichzeitig investieren Unternehmen und Staaten weiterhin Milliardenbeträge in neue Technologien. Die kurzfristige Schwäche an den Börsen steht damit einer unverändert hohen Innovationsdynamik gegenüber.

Aktueller Wochenkommentar: „Tech korrigiert – der Zukunftsglaube bleibt!“

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Chiphersteller– und KI-Aktien stehen derzeit deutlich unter Druck. Gleichzeitig investieren Unternehmen und Staaten weiterhin Milliardenbeträge in neue Technologien. Die kurzfristige Korrektur an den Börsen steht damit einer unverändert hohen Innovationsdynamik gegenüber.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Bewertet der Markt den Technologiesektor gerade neu oder erleben wir lediglich eine gesunde Normalisierung innerhalb eines langfristigen Wachstumstrends?

KI-Aktien und Halbleiter stehen unter Druck

Der stark von Halbleiterunternehmen geprägte KOSPI verlor zuletzt erneut rund 10 Prozent. Nach der kräftigen Korrektur hat der Index inzwischen etwa die Hälfte seines Jahresgewinns abgegeben, notiert aber weiterhin deutlich im Plus. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei zahlreichen KI-ETFs.

Die Entwicklung macht deutlich, dass Anleger innerhalb des Technologiesektors inzwischen wesentlich stärker zwischen einzelnen Geschäftsmodellen und Bewertungen unterscheiden.

Die Federal Reserve bleibt im Fokus

Heute entscheidet die US-Notenbank über ihre Geldpolitik. Nach den jüngsten Verwerfungen im Halbleitersektor erscheint eine Zinserhöhung eher unwahrscheinlich.

Noch wichtiger als der eigentliche Zinsschritt dürfte jedoch die Kommunikation der Federal Reserve werden. Entscheidend ist, wie die Notenbank Inflation, Konjunktur und den weiteren geldpolitischen Kurs einschätzt. Diese Aussagen könnten die Erwartungen der Märkte stärker beeinflussen als die eigentliche Zinsentscheidung.

Die Berichtssaison sorgt für mehr Differenzierung

Die laufende Berichtssaison zeigt eindrucksvoll, wie selektiv der Markt inzwischen geworden ist.

Intel konnte nurkurzfristig von positiven Unternehmensnachrichten profitieren. Alphabet wurde dagegen trotz hoher Wachstumsdynamik abgestraft. Verzögerungen bei KI-Projekten, steigende Investitionen und EU-Geldstrafen führten zu deutlichen Kursreaktionen.

Der Markt honoriert inzwischen nicht mehr jedes Wachstum gleichermaßen. Rentabilität, Investitionsbedarf und Bewertung gewinnen wieder an Bedeutung.

China investiert konsequent weiter

Auch China setzt seine technologische Aufholjagd fort.

Der Börsengang von CXMT bringt rund 8,6 Milliarden US-Dollar frisches Kapital. Damit verfolgt China konsequent das Ziel, bei Halbleitern und Künstlicher Intelligenz technologisch unabhängiger von den USA zu werden. Staatliche Förderung und hohe Investitionen treiben diesen Prozess zusätzlich voran.

Beeindruckende Dimensionen der Technologieinvestitionen

Wie groß der Technologiesektor inzwischen geworden ist, zeigen zwei bemerkenswerte Zahlen.

Micron, Nvidia, Broadcom und Alphabet stehen gemeinsam für rund 45 Prozent des erwarteten Gewinnwachstums im S&P 500 im Jahr 2026. Nur 85 Firmen in der Welt haben eine höhere Marktkapitalisierung als Alphabet’s 2026er Investitionen! Diese Größenordnung verdeutlicht, welche wirtschaftliche Bedeutung der US-Technologiesektor inzwischen erreicht hat.

Vier Fazits

1. Die Fed bleibt wichtig, Technologie das große Thema

Natürlich richtet sich der Blick heute auf die Federal Reserve. Entscheidend wird sein, ob die Notenbank Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation signalisiert, ohne gleichzeitig zahlreiche weitere Zinsschritte in Aussicht zu stellen. Für den langfristigen Ausblick bleiben jedoch Investitionen und Rentabilität im Technologiesektor die entscheidenden Faktoren.

2. China wird zum ernsthaften Wettbewerber

Die Aufholjagd Chinas setzt sich fort. Staatliche Förderung, hohe Investitionen und leistungsfähige KI-Modelle verschärfen den internationalen Wettbewerb zunehmend. So lockt man ausländische Investitionskapital an!

3. Der Technologiesektor wird erwachsen

Die Börsenphase, in der nahezu jede KI-Aktie automatisch stieg, scheint vorbei zu sein. Anleger unterscheiden heute deutlich stärker zwischen Geschäftsmodellen, Bewertungen und Ertragsperspektiven. Vieles spricht aber eher für eine Normalisierung als für das Ende des Technologiezyklus.

4. Gesunde Gegenbewegung statt Panik

Halbleiteraktien korrigieren, Apple ist wieder das wertvollste Unternehmen der Welt und Substanz wird derzeit höher bewertet als reine Zukunftshoffnung. Insgesamt signalisiert dies eine gesunde Marktbereinigung. Von einer breiten Panik am Gesamtmarkt ist bislang wenig zu erkennen.

Die zentrale Frage

Bleibt die aktuelle Korrektur auf einzelne Bereiche des Technologiesektors begrenzt oder entwickelt sie sich zu einer Belastung für den Gesamtmarkt? Und welche Rolle wird die Geldpolitik der Federal Reserve dabei spielen?

 

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