Hump of the week: Sommerflaute oder Ruhe vor der nächsten Bewegung?

Hump of the week: Sommerflaute oder Ruhe vor der nächsten Bewegung?

Aktueller Wochenkommentar: „Sommerflaute oder Ruhe vor der nächsten Bewegung?“

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Die Aktienmärkte haben sich nach der dynamischen Entwicklung der vergangenen Monate spürbar beruhigt. Sowohl der DAX als auch der S&P 500 bewegen sich derzeit überwiegend seitwärts. Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt stabil. Die Risiken sind bekannt, gleichzeitig könnten eine Entspannung im Nahen Osten und robuste Unternehmensgewinne neue Chancen eröffnen.

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie sollten sich Anleger für die zweite Jahreshälfte positionieren?

Sommerflaute am Aktienmarkt: Seitwärtsmärkte prägen das Bild

Der DAX bewegt sich seit rund drei Monaten in einer vergleichsweise engen Handelsspanne zwischen etwa 24.000 und 25.800 Punkten. Auch beim S&P 500 fehlen derzeit klare Trends. Nach den kräftigen Kursanstiegen der ersten Jahreshälfte scheinen den Märkten aktuell sowohl nach oben als auch nach unten die entscheidenden Impulse zu fehlen.

Solche Phasen sind an den Börsen keineswegs ungewöhnlich. Häufig dienen sie dazu, vorherige Kursgewinne zu verarbeiten und eine neue Richtung zu finden.

Saisonalität spricht für einen ruhigeren Börsensommer

Historisch zählen die Sommermonate beim DAX mit Ausnahme des Juli eher zu den schwächeren Börsenphasen. Beim S&P 500 zeigt sich ein ähnliches saisonales Muster. Daraus entstand der bekannte Börsenspruch „Sell in May and go away.“

Saisonale Effekte allein entscheiden selbstverständlich nicht über die weitere Marktentwicklung. Dennoch sprechen die historischen Erfahrungen dafür, dass die kommenden Wochen von geringerer Dynamik, aber kurzfristigen Schwankungen geprägt sein könnten.

Konjunktur bleibt robust

Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten präsentieren sich weiterhin solide. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA ist zuletzt leicht gesunken und der private Konsum zeigt sich weiterhin robust.

Gleichzeitig überraschte die Inflationsentwicklung positiv. Im Juni fiel die Teuerungsrate stärker als erwartet von 4,2 Prozent auf 3,5 Prozent. Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie die US-Notenbank auf diese Entwicklung reagieren wird.

Geldpolitik bleibt im Fokus der Märkte

Fed-Chef Kevin Warsh bleibt trotz der rückläufigen Inflation vorsichtig. Nach seiner Einschätzung ist der Rückgang bislang vor allem auf niedrigere Energiepreise zurückzuführen. Dieser Effekt könnte sich jederzeit wieder umkehren.

Aus heutiger Sicht erscheinen Zinssenkungen deshalb weiterhin wenig wahrscheinlich. Das Basisszenario bleibt eine restriktivereGeldpolitik. Von der nächsten Fed-Sitzung am 29. Juli erwarten die Märkte derzeit keine Veränderung.

Berichtssaison bestätigt stabile Unternehmensentwicklung

Die Berichtssaison für das zweite Quartal ist insgesamt solide gestartet. Vor allem die großen US-Banken konnten mit überzeugenden Geschäftszahlen aufwarten.

Damit bestätigt sich bislang das Bild einer weiterhin robusten Ertragsentwicklung. Gleichzeitig steigen die Gewinnerwartungen vieler Unternehmen weiter an. Gute Ergebnisse allein reichen inzwischen allerdings häufig nicht mehr aus. Anleger achten zunehmend auf positive Überraschungen.

Vier Fazits

1. Fundamentaldaten bleiben stabil

Die US-Wirtschaft wächst weiter. Unternehmen veröffentlichen überwiegend solide Geschäftszahlen und die Gewinnerwartungen steigen kontinuierlich. Von einer konjunkturellen Krise ist derzeit wenig zu erkennen.

2. Gute Nachrichten reichen nicht mehr aus

Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Monate reagieren die Märkte nun deutlich selektiver. Gute Unternehmenszahlen werden inzwischen weitgehend erwartet. Entscheidend sind positive Überraschungen. Gleichzeitig scheint der Markt gegenüber geopolitischen Nachrichten zunehmend an Sensibilität zu verlieren.

3. Die zweite Jahreshälfte dürfte anspruchsvoller werden

Die vergleichsweise einfachen Kursgewinne der ersten Jahreshälfte scheinen zunächst verdient zu sein. Hohe Bewertungen, saisonale Effekte und die tendenziell restriktive Geldpolitik sprechen eher für eine Phase mit stärkeren Schwankungen als für einen erneuten dynamischen Kursanstieg.

4. Geduld ist ebenfalls eine Strategie

Für einen vollständigen Rückzug aus Aktien erscheint es aus heutiger Sicht noch zu früh. Gleichzeitig sprechen die ambitionierten Bewertungen gegen einen Risikoaufbau. Eine breite Diversifikation und gezielte Käufe in schwächeren Marktphasen bleiben deshalb aus meiner Sicht weiterhin der sinnvollste Weg.

Die zentrale Frage: Braucht der Markt für neue Höchststände einen echten positiven Impuls oder ist Abwarten derzeit die klügere Anlagestrategie?

 

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