Zwingt Trump die EU in einen Handelskrieg?

Zwingt Trump die EU in einen Handelskrieg?

Trumps Zölle gegen die EU: Sind wir auf dem Weg in einen ausgewachsenen Handelskrieg?

Alarmstufe Rot in Washington und Brüssel: Am 2. April 2025 sorgte Trump im Weißen Haus mit seinen „Defizit-Zoll-Tafeln“ für Aufsehen – ein geplantes Event, ein Showmoment, der wochenlang Börsenpanik auslöste. Nun folgt der nächste Schlag: In Briefen an EU, Kanada, Mexiko und weitere Staaten verkündete Trump 30 % (EU) und bis zu 35 % (Kanada) Zölle, die ab dem 1. August gültig sein sollen. Als Begründung führt er unter anderem Handelsungleichgewichte, die Bedrohung der nationalen Sicherheit und Themen wie Fentanyl an.

Erst am Freitag hatte das US-Finanzministerium Rekordwerte bei den Zolleinnahmen verkündet, mit mehr als 27 Mrd. USD im Juni. Auch bei den gesamten Haushaltseinnahmen wurde im Juni ein Rekordwert aufgestellt – und damit scheint der Kurs des US-Präsidenten bestätigt zu sein, dass die neuen Zölle positiv für die USA wären. Mehr zu den Einnahmen finden Sie hier.

Zwingt Trump die EU mit seiner aggressiven Vorgehensweise in einen Handelskrieg? Wie kann die EU reagieren?

1. Historie der Eskalation

  • 2. April: „Liberation Day“ im Rosengarten – Defizit-Zoll statt normaler Abgaben, Börsencrash mit mehreren Prozentpunkten Verlust. Hier finden Sie unseren damaligen Beitrag mit allen Details zu der „spektakulären“ Veranstaltung.
  • April–Juni: Zölle auf Stahl, Aluminium, Autos; EU bietet „Zero-for-Zero“-Deal, Trump kündigt weitere Zölle an, setzt „Deadline“ bis Juli.
  • Juli: Zum Anfang dieser Woche verschiebt Trump die Zollerhebung auf den 1. August & versendet „blaue Briefe“ mit Tarifen von 15–35 % an verschiedene Staaten.

2. Die Daten – Eckwerte der neuen Runde

  • EU-Defizit: 2024 exportierte die EU Waren im Wert von rund $605 Mrd in die USA – das Handelsdefizit bezifferte sich auf etwa $235 Mrd.
  • Zolllogik: Trump berechnet ein fiktives „Zollniveau“ basierend auf Verhältnis von Defizit/Importvolumen und legt den US-Zollsatz dann auf etwa 50 % dieses Wertes – bei der EU aktuell 30 %.
  • Briefe an Kanada/Mexiko: 35 % respektive 30 %, begründet unter anderem mit Themen wie dem Fentanyl-Schmuggel und Migrationsfragen. Die direkten Nachbarn der USA sind aufgrund der hohen Handelsabhängigkeit massiv betroffen.

3. Warum wäre ein Handelskrieg gefährlich? – Die makroökonomische Perspektive

Wachstumseinbrüche wären unvermeidlich

Laut EU-Kommission könnte ein 20 %-Zoll das EU-Wachstum um 1 % drücken – bei 30 % wäre der Effekt noch gravierender. Für die US‑Wirtschaft rechnet die EU‑Studie mit einem Rückgang von 0,6–1 % des BIP. Daten zu den unterschiedlichen Szenarien finden Sie hier.

Yale’s Budget Lab hat schon früh verschiedene Fälle durchgerechnet: Schon die April-Zölle senken das US‑BIP langfristig um ~0,5 %, und alle Maßnahmen zusammengenommen um bis zu 0,9  %. Alleine diese Werte entsprächen jährlich bis zu $180 Mrd weniger Wirtschaftsleistung (in heutigen Preisen). Die Details der Analyse finden Sie hier.

Inflation und Konsumdruck

Die Verbraucherpreise in den USA sind durch die Zölle zusätzlich unter Druck – Yale schätzt kurzfristige Preissteigerungen von 2,3 % bei allen 2025er Zöllen. Der Druck trifft vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen – mit bis zu $3 800 zusätzliche Kosten pro Jahr. Die Erwartung höherer Preise durch die Zölle erschwert die Aufgabe der FED erheblich, und erklärt die bisher zögerliche Haltung, den Forderungen des Präsidenten nach Zinssenkungen zu folgen.

Drastischer Rückgang von Produktivität

Studien zeigen, dass neue Zölle langfristig Produktivität, Output und Beschäftigung senken – Deutsche Bank und Federal Reserve berechnen einen Rückgang von bis zu 6 % BIP und 5 % Lohnniveau. Zahlreiche Studien zeigen, dass neue Zölle langfristig Produktivität, Output und Beschäftigung senken. Das Penn Wharton Budget Model prognostiziert beispielsweise einen BIP-Rückgang von ca. 6 % und einen Lohnverlust von ca. 5 % – zudem verliert ein durchschnittlicher Haushalt über sein Leben hinweg rund $22.000. Die Berechnungen finden Sie beispielsweise hier.

US-Verschuldung weiter unter Druck

Die Zolleinnahmen steigen – geschätzt $150 Mrd jährlich – doch das BIP schrumpft. Ohne Einsparungen oder Steueranpassungen bleibt die Schuldenquote hoch. Die Zolleinnahmen sind sichtbar – unsichtbar sind jedoch die Einnahmeausfälle durch das geringere Wachstum. Sollte das Wachstum deutlich fallen, könnten die dann entstehenden Defizite die Zinsstrukturkurve der US-Staatsanleihen massiv verändern. Die Kosten für langfristige Schulden würden ein höheres Ausfallrisiko reflektieren.

FX-Markt & Dollar‑Risiko

Nach 10 % Dollarabschlag seit Trumps Amtsantritt warnen Analysten: Die Dollar-Dominanz zerbröckelt. In einer Eskalationsspirale könnten Schwellenländer & Euro noch deutlicher zulegen – mit Folgen für Kapitalströme und Reservewährungsdynamik. In den Regionen mit aufwertenden Währungen würden die Exportunternehmen zusätzliche Probleme bekommen – neben den Zöllen. In bisherigen Krisen konnten sich die USA relativ günstig refinanzieren, da die Flucht in den USD und größten Kapitalmarkt der Welt die Zinse reduzierte. Dieser Automatismus wird zusehends in Frage gestellt.

4. Globale Lieferketten – ein System im Umbruch

Studien zu US-China-Restriktionen zeigen: Andere Länder springen ein – globale Handelsvolumina steigen sogar um 3 %. Allerdings profitieren besonders Asien und Südamerika, während transatlantische Beziehungen leiden. Europäische Firmen berichten von Umplanungen – Pharma, Auto, Maschinenbau sind betroffen, die klassischen Exportsektoren.

Wie reagieren aktuell die Unternehmen?

  • Viele Unternehmen wie beispielsweise Mercedes und LVMH prüfen eine US-Produktion, um die Zölle zu umgehen.
  • Verschiedentlich versuchen Exporteure, hohe Zölle durch Zwischen-Exporte in Länder mit niedrigerer Quote zu umgehen.

5. Der Einfluss auf den Kapitalmarkt – Hochspannung in allen Assetklassen

Aktien

Der S&P 500 litt bereits  am Freitag, mit–0,6 %,  die Zollnachrichten bezüglich Kanada verdarben die Stimmung. Doch die Wall Street winkt meist ab – mit der Betonung auf den „TACO“-Reflex („Trump Always Chickens Out“). Doch die in dieser Woche angekündigten Zölle haben das Potential, für größere Unruhe an den Märkten zu sorgen. Nehmen wir die Reaktion des Marktes nach dem „Liberation Day“ als Blaupause, sind folgende Szenarien denkbar:

Worst Case: –15 % könnte im Stresstest erreicht werden, insbesondere bei Unternehmen, die von den angedrohten Zöllen massiv betroffen wären.

Mid Case: –3 bis –8 % Korrektur, gefolgt von Stabilisierungen, abhängig vom Dialog mit mit den wichtigsten Handelspartnern wie der EU.

Best Case: Positiver Reflex nach Deal – +3 bis +5 %, die Märkte feiern das Ende der Unsicherheit.

Anleihen & Zinssätze

Die Bondmärkte reagieren bisher abwartend: kurzlaufende US-Bonds sind gefragt, die Unsicherheit  drückt auf die Renditen  längerfristigen Treasuries wegen der erwarteten höheren Defizitsituation.

Die Fed wird vermutlich von der Regierung zu Senkungen der Leitzinsen gedrängt – monetäre Lockerung, um Rezession zu verhindern, aber der inflationäre Druck würde bestehen bleiben, oder sogar noch verstärkt.

Devisenmärkte

Der Dollar könnte den Abwärtstrend fortsetzen; der Euro gewinnt relaitv an Boden, aber gleichzeitig verlieren die Exporteure damit noch mehr Wettbewerbsstärke. Letztendlich ist die Abwertung des USD gegenüber dem Euro in diesem Jahr schon eine große Bewegung – und Probleme sind in beiden Regionen sichtbar. Ein weiter steigender Euro kann nicht im Interesse der EU sein.

Rohstoffe & EM

Gold wird weiter als Absicherung gegen die beschriebenen Risiken gesucht werden, ebenso wie digitales Gold (Bitcoin), Öl wird durch die Lieferkettenrisiken volatil bleiben, und die Emerging Markts leiden wegen der Unsicherheit unter Kapitalabszug.

6. Szenarioanalyse bis zum 1. August

Szenario Wachstum Aktien Anleihen Devisen Politik
Worst Case US/EU –1 –2 %, globale Rezessionsrisiken –15 % Renditen steigen, Spreads weiten sich aus Dollar ↓, EM-Krise Gegenzölle, WTO‑Klagedrohungen
Base Case Verlangsamung, keine tiefe Rezession –3 … –8 % Fed-Zinspause Volatil; leicht schwacher Dollar Verhandlungen laufen, ein „softer Deal“ denkbar
Good Case Stabiles Wachstum, struktureller Deal +3 … +5 % Renditen beruhigen sich Dollar stabilisiert Zero-for-Zero, transatlantischer Kompromiss

7. Handlungsstrategie für Anleger & Entscheider

  • Absicherung gegenüber dem worst case: Long Gold, Short US-Aktien oder Kauf von Puts, Euro-Long
  • Portfolio-Aufbau: Fokus auf Qualität, defensive Werte und ausreichend Diversifikation ohne Klumpenrisiken
  • Cash & Flexibilität: Stop-Loss-Szenarien einplanen, Liquiditätsreserven auffüllen
  • Monitoring: WTO‑Reaktionen, EU-Gegenmaßnahmen, kurzfristige Fed-Reaktionen
  • Szenario‑Plan: Worst Case als Stresstest, Good Case als Opportunität nutzen

8. Fazit: Geopolitische Show mit realen Risiken

Trump setzt die April-Mechanik in Briefen um – nur diesmal noch schärfer. Die realen Schäden reichen von Wachstumseinbrüchen über inflatorischen Druck bis hin zu Währungs­verwerfungen. Anleger und Unternehmen müssen sich jetzt positionieren: defensive Aufstellung & teilweiser Schutz, oder Chancen­suchen im Fall eines Deals. Bis zum 1. August entscheidet sich, ob dieser transatlantische Konflikt eskaliert oder diplomatisch entschärft wird.

Eigentlich sollte in einem rationalen Umfeld von einer für alle Seiten vorteilhaften Verhandlungslösung ausgegangen werden – doch die letzten Wochen haben gezeigt, wie sprunghaft Aktion und Reaktion ausfallen können.

Sie möchten wissen, wie wir Ihr Vermögen schützen und vermehren können?

Unsere Vermögensverwaltung unterstützt Sie dabei, eine individuelle Strategie zu entwickeln – transparent, unabhängig und mit Weitblick.

👉 Mehr zur Vermögensverwaltung erfahren

Sprechen Sie uns gerne an – wir beraten Sie individuell und unabhängig.

Foto MvdW abam

Ich freue mich über Ihre Nachricht!

Per E-Mail kontaktieren

Möchten Sie sich immer die neuesten Informationen rund um das Thema Geldanlage sichern?

Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter!

Newsletter abonnieren

Kennen Sie unser Anlegertyp Quiz? Hier klicken und Ihren Anlegertyp bestimmen lassen.