Krypto-Wochenbericht | Marktanalyse vom 15.08.2026

KRYPTO – Meine Sicht (Autor: Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh)

Krypto Wochenanalyse: Bitcoin, Ethereum und Markttrends

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Werfen wir in der Marktanalyse zuerst einen Blick auf die Zu- und Abflüsse dieser Handelswoche in den Bitcoin und Ethereum ETF:

Nach der ausgesprochen freundlichen Vorwoche hat sich das Bild bei den amerikanischen Bitcoin-ETF in dieser Woche deutlich eingetrübt.

Am Montag wurden netto 144,6 Mio. USD aus den Produkten abgezogen. Am Dienstag stabilisierte sich die Entwicklung mit einem kleinen Zufluss von 7,8 Mio. USD. Bereits am Mittwoch folgten jedoch erneut Abflüsse von 61,1 Mio. USD. Am Donnerstag wurden weitere 131,1 Mio. USD abgezogen.

Auch der Freitag brachte keine Entspannung. Zum Abschluss der Woche flossen noch einmal 56,2 Mio. USD aus den Bitcoin-ETF ab.

Damit ergibt sich für die gesamte Handelswoche ein Nettoabfluss von 385,2 Mio. USD.

Damit hat sich die Entwicklung gegenüber der Vorwoche vollständig gedreht. In der vergangenen Woche hatten die Bitcoin-ETF noch an allen fünf Handelstagen Zuflüsse verzeichnet und insgesamt 865,3 Mio. USD aufgenommen.

Die aktuellen Abflüsse sind allerdings weiterhin deutlich kleiner als verschiedene Verkaufswellen im Mai und Juni. Von einer erneuten Flucht institutioneller Anleger kann deshalb noch nicht gesprochen werden.

Bei den Ethereum-ETF ist das Bild wesentlich ausgeglichener.

Am Montag wurden 14,6 Mio. USD abgezogen, am Dienstag weitere 1,7 Mio. USD. Am Mittwoch drehte sich die Entwicklung mit Zuflüssen von 7,4 Mio. USD ins Positive. Am Donnerstag kamen weitere 5,9 Mio. USD hinzu.

Am Freitag wurden keinerlei Nettoveränderungen gemeldet.

Damit beendet Ethereum die Woche mit einem sehr kleinen Nettoabfluss von 3,0 Mio. USD.

Gemessen am Volumen der Produkte ist dies praktisch eine ausgeglichene Woche.

Bemerkenswert ist der Vergleich mit Bitcoin. Während aus den Bitcoin-Produkten fast 400 Mio. USD abgeflossen sind, halten sich die institutionellen Ethereum-Anleger weitgehend zurück, ohne ihre Positionen in größerem Umfang zu reduzieren.

Daraus lässt sich noch keine nachhaltige Umschichtung von Bitcoin zu Ethereum ableiten. Die relative Stabilität ist aber durchaus erwähnenswert.

Bei den Solana-ETF fällt die Entwicklung erstmals seit einigen Wochen etwas freundlicher aus.

Am Montag flossen 8,8 Mio. USD in den Bitwise Solana ETF. Von Dienstag bis einschließlich Freitag wurden anschließend keinerlei Nettoveränderungen ausgewiesen.

Für die gesamte Woche ergibt sich damit ein Nettozufluss von 8,8 Mio. USD.

Das absolute Volumen bleibt im Vergleich zu Bitcoin und Ethereum gering. Relativ zur Größe des Solana-ETF-Marktes ist der Zufluss dennoch nicht vollkommen unbedeutend.

Insgesamt liefern die ETF-Flows damit ein gemischtes Bild.

Die institutionelle Nachfrage nach Bitcoin ist nach der starken Vorwoche wieder deutlich schwächer geworden. Ethereum zeigt sich vergleichsweise stabil, während Solana zumindest einen moderaten Nettozufluss verzeichnen konnte.

Wie bewegte sich der Kryptomarkt in den letzten Handelstagen?

Bitcoin handelte vor einer Woche noch im Bereich von ungefähr 64.500 bis 65.000 US-Dollar.

Bereits zu Wochenbeginn geriet der Kurs gemeinsam mit den ETF-Flows wieder unter Druck. Die erneute Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und Iran ließ den Ölpreis stark steigen und erhöhte gleichzeitig die Sorge vor einem erneuten Inflationsschub.

Im weiteren Wochenverlauf stabilisierte sich Bitcoin jedoch.

Selbst die Veröffentlichung freundlicher amerikanischer Inflationsdaten am Mittwoch und Donnerstag führte nicht zu einem nachhaltigen Ausbruch aus der seit mehreren Wochen bestehenden Handelsspanne.

Am Freitag kamen zusätzlich überraschend schwache amerikanische Einzelhandelsumsätze und ein deutlicher Rückgang des Verbrauchervertrauens hinzu.

Am Samstagmorgen notiert Bitcoin bei ungefähr 63.000 US-Dollar.

Gegenüber einem Niveau von rund 64.700 US-Dollar am vergangenen Freitag entspricht dies einem Wochenverlust von ungefähr zweieinhalb bis drei Prozent.

Bitcoin bleibt in seiner Handelsspanne gefangen

Technisch hat sich das Bild gegenüber der Vorwoche kaum verändert.

Bitcoin bewegt sich inzwischen seit mehreren Wochen überwiegend zwischen ungefähr 62.000 und 66.000 US-Dollar.

In dieser Woche fiel der Kurs mehrfach in den Bereich knapp oberhalb von 62.000 US-Dollar. Dort fanden sich erneut Käufer.

Die Zone zwischen ungefähr 62.000 und 63.000 US-Dollar hat damit inzwischen mehrfach gehalten und bleibt die wichtigste kurzfristige Unterstützung.

Das ist zunächst konstruktiv.

Je häufiger eine Unterstützungszone erfolgreich verteidigt wird, desto stärker wird ihre technische Bedeutung. Gleichzeitig steigt mit jedem erneuten Test allerdings auch das Risiko, dass die dort vorhandene Nachfrage irgendwann nicht mehr ausreicht.

Ein nachhaltiger Rückgang unter 62.000 US-Dollar würde das technische Bild deshalb deutlich verschlechtern. In diesem Fall wäre erneut der Bereich um 60.000 US-Dollar die wichtigste mittelfristige Unterstützung.

Auf der Oberseite trifft Bitcoin bereits zwischen ungefähr 64.000 und 65.000 US-Dollar auf deutliches Angebot.

Darüber bleibt die Zone zwischen 66.000 und 67.000 US-Dollar die entscheidende Hürde.

Genau dort ist der Markt in den vergangenen Wochen mehrfach gescheitert.

Die Bodenbildung bleibt damit möglich. Für eine bestätigte Trendwende fehlt weiterhin ein nachhaltiger Ausbruch über die bisherigen Hochpunkte.

Die ETF-Abflüsse belasten – lösen aber keinen stärkeren Ausverkauf aus

Die Entwicklung der ETF-Flows ist in dieser Woche ein gutes Beispiel dafür, warum einzelne Datenreihen nicht isoliert betrachtet werden sollten.

Insgesamt wurden netto 385,2 Mio. USD aus den Bitcoin-ETF abgezogen. Der Kurs verlor im gleichen Zeitraum jedoch lediglich einige Prozent.

Offenbar existiert außerhalb der ETF weiterhin genügend Nachfrage, um einen erheblichen Teil dieser Verkäufe aufzunehmen.

Umgekehrt hatte die ausgesprochen starke Nachfrage der Vorwoche mit mehr als 865 Mio. USD Nettozufluss nicht ausgereicht, Bitcoin nachhaltig über 65.000 US-Dollar zu treiben.

Die Schlussfolgerung daraus ist wichtig.

Die ETF-Flows bleiben einer der besten öffentlich verfügbaren Indikatoren für die Nachfrage regulierter amerikanischer Anleger. Sie erklären aber nicht das gesamte Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Miner, Unternehmen, langfristige Halter, internationale Investoren sowie Futures- und Optionsmärkte spielen weiterhin eine erhebliche Rolle.

Die Inflation fällt – Bitcoin reagiert trotzdem kaum

Eigentlich lieferte das makroökonomische Umfeld in dieser Woche mehrere positive Nachrichten für Bitcoin.

Die amerikanische Verbraucherpreisinflation ging im Juli von 3,5 auf 3,4 Prozent zurück. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel sank von 2,6 auf 2,5 Prozent.

Am Donnerstag folgten überraschend freundliche Erzeugerpreise. Der amerikanische Produzentenpreisindex blieb im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert. Erwartet worden war ein Anstieg.

Damit ist eine weitere Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank im September deutlich weniger wahrscheinlich geworden.

Am Freitag kamen weitere Daten hinzu, die gegen eine kurzfristige Straffung der Geldpolitik sprechen.

Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze gingen im Juli um 0,6 Prozent zurück. Ökonomen hatten dagegen mit einem leichten Anstieg um 0,1 Prozent gerechnet.

Es war der erste Rückgang der Einzelhandelsumsätze seit neun Monaten und gleichzeitig der stärkste Monatsrückgang seit mehr als einem Jahr.

Auch das Verbrauchervertrauen der University of Michigan enttäuschte.

Der vorläufige Index fiel im August von 55,2 auf 51,0 Punkte. Erwartet worden waren 54,5 Punkte.

Damit entsteht zunehmend ein gemischtes Konjunkturbild.

Die Inflation entwickelt sich in die richtige Richtung, gleichzeitig nimmt aber das Risiko einer deutlicheren wirtschaftlichen Abschwächung zu.

Für die Federal Reserve spricht dies zunächst klar gegen eine Zinserhöhung im September.

Bitcoin profitierte davon trotzdem kaum.

Das ist bemerkenswert.

Noch vor wenigen Wochen gehörten die Sorge vor steigender Inflation und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen zu den wichtigsten Belastungsfaktoren für den Kryptomarkt.

Nun verbessern sich genau diese Faktoren – ohne dass daraus bislang eine deutliche Kursbewegung entsteht.

Dies spricht dafür, dass derzeit andere Faktoren einen erheblichen Teil des positiven makroökonomischen Impulses neutralisieren. Dazu gehören die ETF-Abflüsse, Verkäufe verschiedener Treasury-Unternehmen und die weiterhin geringe Risikobereitschaft innerhalb des Kryptomarktes.

Die schwächeren Konjunkturdaten haben auch eine problematische Seite

Für risikoreiche Anlagen sind schwächere Wirtschaftsdaten nicht automatisch positiv.

Solange die Daten lediglich dafür sorgen, dass weitere Zinserhöhungen unwahrscheinlicher werden, kann der Effekt freundlich sein.

Sollte sich jedoch aus dem derzeitigen Abschwung eine ernsthafte Rezessionsgefahr entwickeln, verändert sich die Interpretation.

Die schwachen Einzelhandelsumsätze und der deutliche Rückgang des Verbrauchervertrauens zeigen, dass die hohen Lebenshaltungskosten zunehmend Spuren hinterlassen.

Besonders relevant ist dabei ein Detail der Michigan-Umfrage.

Die kurzfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher stiegen wieder auf 4,3 Prozent.

Damit entsteht für die Federal Reserve ein unangenehmes Szenario: schwächeres Wachstum bei gleichzeitig weiterhin erhöhten Inflationserwartungen.

Hinzu kommen die gestiegenen Energiepreise.

Die Federal Reserve kann sich deshalb trotz der insgesamt freundlicheren Inflationsdaten noch nicht vollständig zurücklehnen.

Eine Zinserhöhung im September ist inzwischen unwahrscheinlich geworden. Die Entwicklung im Herbst hängt jedoch zunehmend davon ab, ob sich der Ölpreis stabilisiert und ob die schwächeren Konjunkturdaten lediglich eine Normalisierung oder den Beginn einer stärkeren Abschwächung darstellen.

Ethereum hält sich vergleichsweise stabil

Ethereum startete vor einer Woche im Bereich von ungefähr 1.900 US-Dollar.

Der Kurs bewegte sich anschließend in einer vergleichsweise engen Handelsspanne und fiel zeitweise bis in den Bereich von rund 1.850 US-Dollar.

Am Samstagmorgen notiert Ethereum bei ungefähr 1.880 US-Dollar.

Im Vergleich zu vor sieben Tagen ergibt sich damit lediglich ein moderater Rückgang von ungefähr ein bis zwei Prozent.

Ethereum entwickelte sich somit etwas besser als Bitcoin und zeigte keine ausgeprägte zusätzliche Schwäche.

Das passt zu den ETF-Flows. Während aus den Bitcoin-Produkten fast 400 Mio. USD abgezogen wurden, ist die Wochenbilanz bei Ethereum praktisch ausgeglichen.

Technisch bleibt die Situation ebenfalls weitgehend unverändert.

Der Bereich zwischen ungefähr 1.850 und 1.860 US-Dollar bildet die erste Unterstützung. Darunter bleibt die Zone zwischen 1.800 und 1.820 US-Dollar wichtig.

Auf der Oberseite stößt Ethereum bereits um 1.900 bis 1.950 US-Dollar auf Widerstand.

Die Marke von 2.000 US-Dollar bleibt jedoch die entscheidende Hürde.

Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das technische Bild deutlich verbessern und zugleich ein erstes glaubwürdiges Signal liefern, dass die jahrelange relative Schwäche gegenüber Bitcoin nachlässt.

Bislang ist dies nicht der Fall.

Solana zeigt relative Stärke, bleibt aber unter dem entscheidenden Widerstand

Solana notiert am Samstagmorgen bei ungefähr 75 bis 76 US-Dollar.

Damit bewegt sich die Kryptowährung ungefähr auf dem Niveau der vergangenen Woche beziehungsweise leicht darüber.

Innerhalb der Woche zeigte Solana zeitweise deutlich mehr relative Stärke als Bitcoin und Ethereum, konnte die Gewinne jedoch nicht vollständig halten.

Auch die ETF-Flows waren mit einem Zufluss von 8,8 Mio. USD leicht positiv.

Technisch bleibt der Bereich zwischen ungefähr 76 und 78 US-Dollar der entscheidende kurzfristige Widerstand.

Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den Weg in Richtung 80 US-Dollar und anschließend in die Region um 85 US-Dollar öffnen.

Auf der Unterseite bietet der Bereich zwischen ungefähr 74 und 75 US-Dollar erste Unterstützung. Darunter bleibt die Zone zwischen 70 und 72 US-Dollar entscheidend.

Die relative Stabilität ist interessant. Von einer breit angelegten Umschichtung in Altcoins kann daraus aber noch nicht gesprochen werden.

Der breitere Kryptomarkt bleibt hinter den Aktienmärkten zurück

Der Vergleich mit den internationalen Aktienmärkten fällt in dieser Woche erneut bemerkenswert aus.

Der S&P 500 erreichte am Donnerstag ein neues Rekordhoch bei 7.798,99 Punkten.

Am Freitag gab der Index nach den schwächeren amerikanischen Konjunkturdaten zwar leicht nach und schloss 0,17 Prozent tiefer bei 7.785,76 Punkten. Trotzdem bleibt der amerikanische Aktienmarkt nahe seiner historischen Höchststände.

Bitcoin verlor dagegen auf Wochensicht.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits seit mehreren Monaten sichtbar ist: Ein erheblicher Teil des spekulativen und institutionellen Kapitals konzentriert sich derzeit auf künstliche Intelligenz und andere wachstumsstarke Technologiethemen.

Der Kryptomarkt profitiert von der grundsätzlich freundlichen Risikostimmung wesentlich weniger.

Von einer neuen Altcoin-Saison kann ebenfalls keine Rede sein.

Dafür müsste Bitcoin zunächst seine Handelsspanne nach oben verlassen, Ethereum relative Stärke entwickeln und die Liquidität anschließend breiter in kleinere Kryptowährungen fließen.

Solana liefert derzeit zwar einen positiven Akzent. Ein breiter Trend ist daraus noch nicht entstanden.

Der Blick auf die Makrodaten, Politik und Unternehmen 

Die amerikanische Inflation entwickelt sich in die richtige Richtung

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten der Woche kamen erneut aus den USA.

Die Verbraucherpreise stiegen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni.

Die Kerninflation, bei der die besonders schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, sank von 2,6 auf 2,5 Prozent.

Auch die monatliche Entwicklung fiel moderat aus.

Die Zahlen sind aus Sicht der Federal Reserve grundsätzlich erfreulich.

Besonders die Kerninflation bewegt sich wieder näher an das langfristige Ziel von zwei Prozent heran.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Inflationsproblem gelöst ist.

Die Energiepreise lagen im Juli weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau. Der erneute Ölpreisanstieg im August erhöht das Risiko, dass dieser Bereich in den kommenden Monaten wieder stärker auf die Gesamtinflation durchschlägt.

Auch die Produzentenpreise überraschen positiv

Am Donnerstag folgte ein zweites positives Inflationssignal.

Die amerikanischen Erzeugerpreise blieben im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert. Ökonomen hatten einen Anstieg um 0,2 Prozent erwartet.

Waren verbilligten sich um 0,7 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen erhöhten sich dagegen um 0,2 Prozent.

Im Jahresvergleich bleibt der Produzentenpreisindex mit 4,7 Prozent zwar erhöht. Gegenüber den 5,5 Prozent des Vormonats ist die Entwicklung dennoch eine deutliche Verbesserung.

Für die Federal Reserve reduziert sich damit der unmittelbare Handlungsdruck.

Nach den überraschenden Arbeitsplatzverlusten im Juli, den starken Abwärtsrevisionen früherer Beschäftigungszahlen und den nun moderateren Inflationsdaten hat sich die Ausgangslage innerhalb von zwei Wochen erheblich verändert.

Eine Zinserhöhung im September war Ende Juli noch das wahrscheinlichste Szenario.

Inzwischen rechnen die Märkte mehrheitlich damit, dass die Federal Reserve die Zinsen unverändert lässt.

Der amerikanische Konsum schwächelt

Am Freitag kam ein weiteres wichtiges Puzzleteil hinzu.

Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze fielen im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent.

Erwartet worden war ein leichter Anstieg.

Besonders deutlich gingen die Umsätze im Onlinehandel und im Automobilbereich zurück.

Ein Teil der Schwäche ist durch Sonderfaktoren erklärbar. Verschiebungen rund um den Amazon Prime Day und niedrigere Tankstellenumsätze beeinflussten die Daten.

Trotzdem sollte die Entwicklung nicht vollständig ignoriert werden.

Der private Konsum ist mit Abstand der wichtigste Bestandteil der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Eine dauerhafte Abschwächung würde deshalb auch die Wachstumsprognosen für die kommenden Quartale belasten.

Das Verbrauchervertrauen fällt deutlich

Passend dazu verschlechterte sich die Stimmung amerikanischer Verbraucher im August überraschend stark.

Der vorläufige Michigan Consumer Sentiment Index sank von 55,2 auf 51,0 Punkte.

Besonders pessimistisch beurteilen die Haushalte die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung.

Als einer der wichtigsten Belastungsfaktoren gelten weiterhin die hohen Lebenshaltungskosten und die Unsicherheit über die Folgen des Konflikts mit Iran.

Auch die kurzfristigen Inflationserwartungen stiegen wieder.

Für die Federal Reserve wird die Situation damit komplexer.

Einerseits schwächt sich die Nachfrage ab. Andererseits sind die Inflationserwartungen weiterhin zu hoch, um bereits über deutliche Zinssenkungen nachzudenken.

Die Eurozone wächst überraschend robust

Auch aus Europa kamen am Freitag neue Wirtschaftsdaten.

Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Gegenüber dem Vorjahresquartal lag die Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent höher.

Die Beschäftigung nahm gleichzeitig um 0,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Damit entwickelt sich die Eurozone wesentlich besser als noch zum Jahresbeginn erwartet.

Besonders bemerkenswert ist, dass dieses Wachstum trotz des anhaltenden geopolitischen Umfeldes und der hohen Energiepreise erreicht wurde.

Die robuste Entwicklung reduziert gleichzeitig den Druck auf die Europäische Zentralbank, ihre Geldpolitik kurzfristig deutlich zu lockern. Weitere Details finden Sie hier.

Großbritannien wächst überraschend kräftig

Auch aus Großbritannien kamen in dieser Woche überraschend freundliche Konjunkturdaten.

Die britische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Juni allein nahm die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zu.

Damit entwickelte sich Großbritannien in der ersten Jahreshälfte stärker als viele andere große Industrieländer.

Ein Teil der guten Entwicklung dürfte allerdings auf Sonderfaktoren zurückzuführen sein. Die Fußball-Weltmeisterschaft, ungewöhnlich gutes Wetter und zeitweise niedrigere Energiepreise unterstützten den Konsum.

Gleichzeitig bleibt die Inflation hoch.

Der Chefökonom der Bank of England machte deshalb deutlich, dass die robustere Konjunktur grundsätzlich mehr Spielraum für eine weitere Zinserhöhung bietet.

Damit entsteht international ein zunehmend unterschiedliches geldpolitisches Bild.

Während die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung in den USA sinkt, nimmt sie in anderen Ländern wieder zu.

In Japan bleibt der Preisdruck außergewöhnlich hoch

Besonders deutlich zeigt sich dies in Japan.

Die japanischen Produzentenpreise lagen im Juli 7,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Ein wesentlicher Grund sind die hohen Kosten für Energie und Rohstoffe. Hinzu kommt der weiterhin schwache Yen, der Importe zusätzlich verteuert.

Die Entwicklung erhöht den Druck auf die Bank of Japan, ihre Geldpolitik weiter zu straffen.

Am Freitag berichtete Reuters unter Berufung auf mit den Überlegungen vertraute Personen, dass eine weitere Zinserhöhung bereits im September möglich ist.

Auch der Yen reagierte darauf mit leichten Kursgewinnen.

Dies ist für die internationalen Finanzmärkte relevant.

Japanische Banken, Versicherungen und Pensionsfonds gehören zu den größten ausländischen Besitzern amerikanischer und europäischer Anleihen. Werden Anlagen in Japan attraktiver, kann Kapital aus den internationalen Anleihemärkten zurückfließen.

Der Konflikt zwischen den USA und Iran bleibt das größte kurzfristige Risiko

Die größte geopolitische Gefahr für die Finanzmärkte bleibt weiterhin der Konflikt zwischen den USA und Iran.

Die Hoffnungen auf eine dauerhafte Regelung für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus haben sich in dieser Woche erneut verringert.

Iran erklärte, die Meerenge stehe unter seiner Kontrolle. Die Vereinigten Staaten reagierten mit der Ankündigung, eine Blockade Irans notfalls auf unbestimmte Zeit aufrechterhalten zu können.

Der tatsächliche Schiffsverkehr bleibt deutlich eingeschränkt.

Zusätzlich meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate Angriffe auf zwei Schiffe des staatlichen Ölkonzerns ADNOC und machten Iran dafür verantwortlich.

Die Entwicklung zeigt, dass die Situation weiterhin jederzeit eskalieren kann.

Der Ölpreis reagierte entsprechend.

Brent-Rohöl stieg am Freitag zeitweise wieder über 88 US-Dollar je Barrel.

Für die Inflationsentwicklung ist dies problematisch.

Sollte sich der Konflikt weiter verschärfen oder der Schiffsverkehr erneut stärker zurückgehen, könnten Öl- und Transportpreise schnell wieder deutlich steigen.

Gleichzeitig schwächt sich die weltweite Ölnachfrage ab

Interessanterweise wirken am Ölmarkt derzeit zwei vollkommen unterschiedliche Kräfte gegeneinander.

Auf der Angebotsseite sorgen der Krieg mit Iran, die eingeschränkte Durchfahrt durch die Straße von Hormus und ukrainische Angriffe auf russische Energieinfrastruktur für erhebliche Risiken.

Auf der Nachfrageseite mehren sich dagegen die Zeichen einer Abschwächung.

Sowohl die Internationale Energieagentur als auch die OPEC reduzierten zuletzt ihre Erwartungen für die weltweite Ölnachfrage.

In den USA stiegen die Rohöllagerbestände zuletzt erheblich.

Genau dieser Gegensatz erklärt die ungewöhnlich hohe Volatilität des Ölpreises.

Ohne die geopolitischen Risiken wäre der Preis wahrscheinlich deutlich niedriger. Ohne die schwächeren Nachfragesignale könnte die geopolitische Risikoprämie den Ölpreis dagegen wesentlich stärker steigen lassen.

Ukrainischer Angriff legt große russische Raffinerie lahm

Auch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine wirkt zunehmend auf die Energieversorgung.

Ein ukrainischer Drohnenangriff traf in dieser Woche die russische Orsk-Raffinerie nahe der kasachischen Grenze.

Die Anlage kann ungefähr sechs Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr verarbeiten. Dies entspricht grob 120.000 Barrel pro Tag.

Nach Angaben der regionalen Behörden wurde die Raffinerie erheblich beschädigt. Die Reparatur könnte mehrere Monate dauern, da für verschiedene Anlagenkomponenten importierte Ersatzteile benötigt werden, deren Beschaffung durch Sanktionen erschwert wird.

Die Ukraine verfolgt damit weiterhin ihre Strategie, nicht nur russische militärische Ziele, sondern auch die wirtschaftliche Infrastruktur des Landes zu treffen.

Diese Strategie verursacht zunehmend reale Kosten.

Sie verändert jedoch noch nicht grundlegend die russische Fähigkeit, Öl zu fördern und zu exportieren. Russland verfügt über ein großes Raffinerie- und Pipeline-Netz und kann Produktionsmengen teilweise verlagern.

Für die internationalen Märkte sind die Angriffe dennoch relevant, weil sie die ohnehin angespannte Versorgungslage bei Diesel und anderen Ölprodukten verschärfen können.

Welche Projekte und Nachrichten stehen gerade im Fokus?

Trotz der großen Marktbewegungen in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Geopolitik als auch die Zollverhandlungen ausgelöst wurden, gibt es in jeder Woche zusehends mehr Nachrichten mit großer Tragweite für den Kryptomarkt. Die Adaption der Technologie schreitet weiter voran, regulatorisch mehr und mehr unterstützt, da das Potential auch politisch weiter in den Fokus rückt. „Krypto ist gekommen, um zu bleiben“, und wird Tag für Tag sichtbarer in unserer Welt.

Die vergangenen sieben Tage haben erneut gezeigt, dass sich der Kryptomarkt zunehmend verändert. Während in den vergangenen Jahren häufig neue Blockchain-Projekte oder spektakuläre Kursbewegungen die Schlagzeilen bestimmten, stehen inzwischen andere Themen im Vordergrund: Regulierung, institutionelle Infrastruktur und die Integration digitaler Vermögenswerte in das bestehende Finanzsystem.

Diese Entwicklung verläuft oftmals weitgehend unbemerkt. Gerade deshalb halten wir sie für besonders interessant.

Ob Regierungen Kryptowährungen rechtlich neu einordnen, zentrale Finanzmarktinfrastrukturen mit der Tokenisierung beginnen oder Stablecoins erstmals in regulierte Finanzprozesse integriert werden – all diese Entwicklungen schaffen die Grundlagen dafür, dass digitale Vermögenswerte langfristig einen festen Platz innerhalb der globalen Finanzmärkte einnehmen können.

Die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche verdeutlichen diesen Wandel eindrucksvoll.

Der CLARITY Act wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Die wichtigste regulatorische Entwicklung der Woche betrifft erneut den amerikanischen CLARITY Act.

Der Senat verabschiedete sich am vergangenen Wochenende in seine fünfwöchige Sommerpause, ohne über das Gesetz abzustimmen.

Der republikanische Mehrheitsführer John Thune leitete jedoch ein parlamentarisches Verfahren ein, das am 15. September eine entscheidende Abstimmung ermöglichen soll.

Dabei geht es zunächst nicht um die endgültige Verabschiedung des Gesetzes, sondern darum, die Debatte zu begrenzen und das Gesetz überhaupt zur abschließenden Abstimmung zu bringen.

Dafür sind 60 Stimmen erforderlich.

Die Republikaner benötigen deshalb Unterstützung von mehreren demokratischen Senatoren.

Genau hier liegt das Problem.

Weiterhin umstritten sind strengere Geldwäschevorschriften, mögliche Vergütungen auf Stablecoin-Guthaben und Regeln für wirtschaftliche Kryptoaktivitäten hochrangiger Regierungsmitglieder.

Im Mittelpunkt der politischen Diskussion stehen dabei weiterhin die umfangreichen Kryptobeteiligungen der Familie von Präsident Donald Trump.

Hinzu kommt der Widerstand klassischer Banken. Sie befürchten, dass verzinste oder anderweitig vergütete Stablecoin-Guthaben Einlagen aus dem Bankensystem abziehen könnten.

Das Zeitfenster wird zunehmend knapp.

Nach der Rückkehr aus der Sommerpause verbleiben dem Senat vor den Zwischenwahlen nur wenige reguläre Sitzungstage.

Die Erwartung des Marktes, dass der CLARITY Act noch 2026 verabschiedet wird, ist deshalb zuletzt deutlich gesunken.

Das sollte allerdings nicht mit einem grundsätzlichen politischen Kurswechsel verwechselt werden.

Die amerikanische Regierung und wichtige Regulierungsbehörden verfolgen weiterhin einen deutlich kryptofreundlicheren Ansatz als in den Jahren zuvor.

Das Problem ist weniger die politische Richtung als die konkrete Umsetzung.

Auch die SEC verschiebt wichtige Kryptoregeln

Am Freitag kam eine weitere Verzögerung hinzu.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC sagte kurzfristig eine geplante Sitzung ab.

Dort sollte über neue Ausnahmeregelungen für Kryptounternehmen beraten werden. Diese könnten jungen Unternehmen ermöglichen, Token und andere digitale Vermögenswerte unter vereinfachten Bedingungen auszugeben, ohne sofort sämtliche Anforderungen einer klassischen Wertpapieremission erfüllen zu müssen.

Die SEC begründete die Verschiebung mit einem unvorhergesehenen Terminproblem.

Daraus lässt sich deshalb keine politische Ablehnung der geplanten Regeln ableiten.

Trotzdem ist die zeitliche Häufung bemerkenswert.

Sowohl die Gesetzgebung im Senat als auch die regulatorischen Reformen der SEC kommen langsamer voran als noch vor wenigen Wochen erwartet.

Für die Kryptoindustrie ist das enttäuschend.

Die politische Richtung in den USA bleibt grundsätzlich kryptofreundlich. Der entscheidende Schritt von politischen Absichtserklärungen zu einem dauerhaft belastbaren gesetzlichen Rahmen erweist sich aber schwieriger als erwartet.

Strategy verkauft erneut Bitcoin – diesmal zur Rücknahme eigener Vorzugsaktien

Strategy meldete am Montag erneut Bitcoin-Verkäufe.

Zwischen dem 3. und 9. August veräußerte das Unternehmen 1.690 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Nettoverkaufspreis von 64.262 US-Dollar.

Die Erlöse beliefen sich auf 108,6 Mio. USD.

Nach den Verkäufen hält Strategy noch 840.447 Bitcoin.

Damit bleibt das Unternehmen mit großem Abstand der größte börsennotierte Bitcoin-Halter der Welt.

Besonders interessant ist diesmal die Verwendung der Erlöse.

Das Geld wurde vollständig eingesetzt, um rund 1,15 Millionen Vorzugsaktien der Gattung STRC zurückzukaufen.

Damit wird immer deutlicher, wie Strategy seine Bitcoin-Bestände inzwischen betrachtet.

Bitcoin sind nicht mehr lediglich eine strategische Reserve, die unter keinen Umständen verkauft werden soll. Sie sind zu einem aktiven Bestandteil einer komplexen Kapitalstruktur geworden.

Das Unternehmen emittiert Stamm- und Vorzugsaktien, hält eine hohe Dollarreserve, zahlt Dividenden auf verschiedene Wertpapiergattungen und kann gleichzeitig Bitcoin kaufen oder verkaufen.

Parallel zu den Bitcoin-Verkäufen nahm Strategy in derselben Woche durch die Ausgabe neuer Stammaktien rund 653 Mio. USD ein. Davon wurden 650 Mio. USD in die Dollarreserve eingestellt.

Diese Reserve belief sich am 9. August auf 4,65 Mrd. USD.

Das spricht gegen die These, dass Strategy aus akuter Liquiditätsnot Bitcoin verkaufen musste.

Trotzdem ist die Entwicklung für den Markt wichtig.

Ein Unternehmen mit mehr als 840.000 Bitcoin kann inzwischen gleichzeitig neues Eigenkapital aufnehmen, Bitcoin verkaufen und eigene Wertpapiere zurückkaufen.

Strategy ist damit weniger ein einfacher Bitcoin-Halter als ein zunehmend komplexes Finanzunternehmen geworden, dessen Kapitalstruktur selbst Einfluss auf den Bitcoin-Markt haben kann.

BitMine hält inzwischen fast fünf Prozent aller Ethereum

Auch bei Ethereum gewinnt die Rolle börsennotierter Treasury-Unternehmen weiter an Bedeutung.

BitMine meldete am Montag einen Bestand von 5.805.238 Ethereum.

Nach Berechnung des Unternehmens entspricht dies rund 4,8 Prozent des gesamten Ethereum-Bestandes.

Mehr als fünf Millionen dieser Ethereum sind inzwischen gestakt.

Damit kontrolliert ein einzelnes börsennotiertes Unternehmen einen bemerkenswert großen Anteil des Netzwerks.

BitMine verfolgt langfristig das Ziel, fünf Prozent des gesamten Ethereum-Angebots zu besitzen und hat dieses Ziel damit nahezu erreicht.

Die Dimension ist erheblich.

Bei Bitcoin konzentriert sich die Diskussion über Unternehmensbestände häufig auf Strategy. Bei Ethereum entsteht inzwischen eine ähnlich interessante Entwicklung.

Der Effekt ist zunächst positiv für das verfügbare Angebot.

Ethereum, die von langfristig orientierten Unternehmen gekauft und anschließend gestakt werden, stehen dem kurzfristigen Handel nicht zur Verfügung.

Gleichzeitig entsteht ein neues Konzentrationsrisiko.

Je größer einzelne börsennotierte Treasury-Unternehmen werden, desto stärker hängt ein Teil des Angebots einer Kryptowährung von deren Finanzierungsmöglichkeiten, Aktienkursen und Kapitalmarktbedingungen ab.

Die Erfahrungen mit Strategy zeigen, dass ein permanenter Käufer irgendwann auch zum Verkäufer werden kann.

Diese Erkenntnis sollte bei Ethereum nicht ignoriert werden.

Ein russischer Stablecoin erreicht ein Transaktionsvolumen von fast 140 Mrd. USD

Eine der interessantesten Stablecoin-Meldungen der Woche kommt aus Russland.

Der auf den russischen Rubel lautende Stablecoin A7A5 hat nach Angaben des russischen PSB-Konzerns seit seiner Einführung Anfang 2025 ein kumuliertes Transaktionsvolumen von inzwischen fast 140 Mrd. USD erreicht.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.

Die 140 Mrd. USD sind kein Marktwert des Stablecoins und kein hinterlegtes Vermögen. Es handelt sich um die Summe der über das System abgewickelten Transaktionen.

Der tatsächliche Stablecoin-Bestand ist erheblich kleiner.

Trotzdem ist die Entwicklung bemerkenswert.

A7A5 wurde ausdrücklich als Bestandteil einer Infrastruktur für internationale Zahlungen geschaffen, die möglichst unabhängig vom westlich dominierten Bankensystem funktionieren soll.

Nach Angaben von PSB nutzen inzwischen rund 15.000 Unternehmen die A7-Plattform. Bis zu 2.000 Zahlungen werden täglich abgewickelt.

Rund 90 Prozent der Transaktionen sollen auf Handelspartner in Asien entfallen, wobei China eine besonders wichtige Rolle spielt.

Genau darin liegt die politische Bedeutung.

Nach dem Ausschluss verschiedener russischer Banken aus internationalen Zahlungssystemen sucht Russland seit Jahren nach alternativen Wegen zur Abwicklung seines Außenhandels.

Stablecoins bieten hierfür eine neue technische Möglichkeit.

Die USA, die Europäische Union und Großbritannien haben bereits Sanktionen gegen verschiedene mit A7A5 verbundene Unternehmen verhängt.

Das rasche Wachstum zeigt jedoch, wie schwierig es ist, digitale Zahlungssysteme vollständig über klassische Finanzsanktionen zu kontrollieren.

Gleichzeitig sollte daraus nicht geschlossen werden, dass Stablecoins anonym oder unsichtbar sind.

Blockchain-Transaktionen hinterlassen dauerhaft nachvollziehbare Datenspuren. Genau dies ermöglicht westlichen Behörden, Wallets und beteiligte Unternehmen zu identifizieren und gezielt zu sanktionieren.

A7A5 ist damit ein interessantes Beispiel dafür, wie Blockchain-Technologie zunehmend auch Teil geopolitischer Finanzinfrastruktur wird.

Standard Chartered startet einen regulierten Hongkong-Dollar-Stablecoin

Eine vollkommen andere Anwendung von Stablecoins zeigt sich in Hongkong.

Anchorpoint Financial, ein Gemeinschaftsunternehmen von Standard Chartered, Animoca Brands und Hong Kong Telecommunications, begann in dieser Woche mit der Einführung eines regulierten, an den Hongkong-Dollar gebundenen Stablecoins.

Der Token trägt den Namen HKD At Par, kurz HKDAP.

In der ersten Phase richtet sich das Angebot ausschließlich an institutionelle Vertriebspartner und professionelle Anleger.

Diese sollen den Stablecoin in bestehende Zahlungs-, Handels- und Abwicklungssysteme integrieren können.

Das Ziel ist ausdrücklich nicht ein neues spekulatives Kryptoasset.

HKDAP soll vielmehr einen digitalen Hongkong-Dollar darstellen, der für Zahlungen und die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte genutzt werden kann.

Genau darin liegt die Bedeutung.

Stablecoins entwickeln sich zunehmend von einem Werkzeug innerhalb von Kryptobörsen zu einer potenziellen Infrastruktur des klassischen Zahlungsverkehrs.

Hongkong hatte bereits im Frühjahr erstmals Lizenzen für regulierte Stablecoin-Anbieter vergeben. Neben Anchorpoint erhielt auch HSBC eine entsprechende Genehmigung.

Anchorpoint plant, das Angebot möglicherweise bis Ende des Jahres auf Privatkunden auszuweiten.

Ob dies tatsächlich geschieht, hängt von den Marktbedingungen und der weiteren regulatorischen Entwicklung ab.

Trotzdem ist die Richtung eindeutig.

Auf der einen Seite nutzt Russland Stablecoins, um Teile des westlichen Finanzsystems zu umgehen. Auf der anderen Seite integrieren global tätige Banken die gleiche Technologie unter vollständiger regulatorischer Aufsicht in ihre bestehenden Zahlungssysteme.

Kaum eine Entwicklung verdeutlicht besser, wie unterschiedlich Blockchain-Technologie inzwischen eingesetzt wird.

Unsere Sicht

Der Kryptomarkt beendet die Woche mit einem ambivalenten Bild.

Auf der positiven Seite steht, dass Bitcoin trotz eines Nettoabflusses von 385,2 Mio. USD aus den amerikanischen Spot-ETF und einer Reihe geopolitischer Belastungen die entscheidende Unterstützungszone zwischen 62.000 und 63.000 US-Dollar erneut verteidigen konnte.

Das spricht dafür, dass unterhalb des aktuellen Kursniveaus weiterhin reale Nachfrage vorhanden ist.

Gleichzeitig sollte man diese Stabilität nicht mit Stärke verwechseln.

Bitcoin schafft es inzwischen seit Wochen nicht, die Widerstände zwischen 64.000 und 67.000 US-Dollar nachhaltig zu überwinden. Besonders auffällig ist, dass selbst mehrere grundsätzlich kryptofreundliche Makroimpulse nicht ausreichen, um eine stärkere Aufwärtsbewegung auszulösen.

Die amerikanische Inflation fällt, die Produzentenpreise überraschen positiv, der Arbeitsmarkt schwächt sich ab, die Einzelhandelsumsätze gehen zurück und eine Fed-Zinserhöhung im September ist erheblich unwahrscheinlicher geworden.

Unter normalen Bedingungen wäre diese Kombination für Bitcoin ausgesprochen freundlich.

Dass der Kurs dennoch knapp unterhalb von 63.000 US-Dollar verharrt, ist deshalb aus unserer Sicht der wichtigste Befund der Woche.

Dem Markt fehlt derzeit weniger eine positive Nachricht als vielmehr zusätzliche Nachfrage.

Gleichzeitig sollten die schwächeren amerikanischen Konjunkturdaten nicht ausschließlich positiv interpretiert werden.

Sollten die rückläufigen Einzelhandelsumsätze und das schwächere Verbrauchervertrauen lediglich dazu führen, dass die Federal Reserve im September pausiert, wäre dies konstruktiv.

Sollte daraus jedoch eine ernsthaftere Wachstumsabschwächung entstehen, während gleichzeitig Ölpreise und Inflationserwartungen hoch bleiben, würde daraus ein wesentlich unangenehmeres makroökonomisches Umfeld entstehen.

Genau deshalb bleibt der Konflikt mit Iran der größte kurzfristige externe Risikofaktor.

Solange die Straße von Hormus nur eingeschränkt funktioniert und sich eine erneute Eskalation jederzeit auf die Energiepreise übertragen kann, bleibt das Inflationsrisiko bestehen.

Innerhalb des Kryptomarktes entwickelt sich Ethereum derzeit etwas stabiler als Bitcoin. Die ETF-Woche ist mit lediglich drei Millionen Dollar Abfluss praktisch neutral, und auch der Kurs hält sich oberhalb der wichtigen Unterstützungszone um 1.850 US-Dollar.

Solana zeigt ebenfalls relative Stabilität und beendet die ETF-Woche sogar mit einem kleinen Zufluss.

Von einer tatsächlichen Rotation aus Bitcoin in Ethereum oder Solana würden wir trotzdem noch nicht sprechen.

Dafür sind die Bewegungen zu klein und die Handelsvolumina zu schwach.

Fundamental schreitet die Integration digitaler Vermögenswerte gleichzeitig weiter voran.

Die Beispiele Strategy und BitMine zeigen, wie stark börsennotierte Treasury-Unternehmen inzwischen die Angebotsstruktur von Bitcoin und Ethereum beeinflussen können.

Die Stablecoin-Entwicklungen in Russland und Hongkong verdeutlichen darüber hinaus, dass Blockchain-Technologie längst nicht mehr ausschließlich ein Spekulationsthema ist.

Sie entwickelt sich zu einer Infrastruktur für Zahlungsverkehr, Kapitalmärkte und zunehmend sogar geopolitische Finanzströme.

Gerade diese Diskrepanz ist derzeit interessant:

Die fundamentale Adoption entwickelt sich schneller als die Kurse.

Kurzfristig bleibt unsere Einschätzung deshalb neutral bis vorsichtig konstruktiv.

Solange Bitcoin oberhalb von 62.000 US-Dollar bleibt, ist die Bodenbildung intakt. Ein Bruch dieser Marke würde dagegen erneut Kurse um 60.000 US-Dollar wahrscheinlich machen.

Auf der Oberseite benötigen wir weiterhin einen nachhaltigen Ausbruch über 66.000 bis 67.000 US-Dollar, bevor aus der aktuellen Bodenbildung eine bestätigte Trendwende wird.

Bei Ethereum bleibt 2.000 US-Dollar die entsprechende Schlüsselmarke.

Bis dahin befinden wir uns weiterhin in einer Konsolidierungsphase – nicht in einem bestätigten neuen Aufwärtstrend.

Podcast mit der „WirtschaftsWoche“

Wir folgten einer Einladung, und in der neuen Folge des WirtschaftsWoche Podcasts „Bitcoin & Beyond“ spricht Host Philipp Frohn mit Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer von alpha beta asset management, über die Frage, ob der „Clarity Act“ den Kryptomarkt aus dem Winterschlaf holen könnte.

Im Fokus der Folge:

        • was hinter der neuen Krypto-Gesetzesinitiative in den USA steckt und warum sie als möglicher Katalysator gilt,
        • ob ein regulatorischer Fortschritt tatsächlich für eine Trendwende beim Bitcoin ausreicht,
        • aktuelle Entwicklungen rund um Ether.

Den aktuellen Podcast finden Sie hier.

Schönen Gruß aus Frankfurt – und ein entspanntes Wochenende! ☀️

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Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

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Markus van de Weyer

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