Hump of the week: Krieg oder Frieden?

Krieg oder Frieden: Was der Iran-Konflikt für Märkte bedeutet

Aktueller Wochenkommentar: „Krieg oder Frieden? Was bedeutet der Iran-Konflikt für die Märkte?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Am Mittwochabend (Washingtoner Zeit) läuft der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran aus. Aktuell deutet vieles auf eine Verlängerung hin – die Unsicherheit bleibt jedoch bestehen.

Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus:

Wer hat mehr Interesse an einer Lösung – und was bedeutet ein mögliches Worst-Case-Szenario für die Kapitalmärkte?

Das Worst-Case-Szenario: Ein klassischer geopolitischer Schock

Ein mögliches Eskalationsszenario ist klar umrissen:

Neue militärische Angriffe der USA auf den Iran, eine Ausweitung des Konflikts im Libanon sowie iranische Gegenschläge gegen Israel, US-Militärstützpunkte und die Golfstaaten.

In diesem Fall würden zentrale Handelsrouten betroffen sein. Die Straße von Hormuz bliebe geschlossen, möglicherweise auch die Meerenge Bab al-Mandab.

Ein solcher Verlauf hätte erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation und globale Lieferketten – und würde einen klassischen geopolitischen Schock für die Märkte darstellen.

Markterwartung: Deeskalation bereits eingepreist?

Ein Blick auf die aktuelle Marktverfassung zeigt ein bemerkenswertes Bild.

Der S&P 500 notiert weiterhin nahe seines Allzeithochs. Dieses Niveau signalisiert, dass die Märkte aktuell eher von einer Entspannung als von einer weiteren Eskalation ausgehen.

Gerade darin liegt jedoch ein Risiko:

Sollte es entgegen dieser Erwartungen zu einer Verschärfung der Lage kommen, wäre das Korrekturpotenzial entsprechend hoch.

Berichtssaison: „Business as usual“ trotz geopolitischer Risiken

Parallel zur geopolitischen Entwicklung erreicht die Berichtssaison für das erste Quartal ihren Höhepunkt.

Rund 24 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 berichten in dieser Woche ihre Zahlen. Auffällig ist, dass die Gewinnschätzungen für die Jahre 2026 und 2027 zuletzt sogar um rund 3 Prozent angehoben wurden – insbesondere in den Sektoren Energie und Technologie.

Das dominante Bild bleibt damit vorerst:

Business as usual.

Technologie und Marktbreite: Stabilität bleibt erhalten

Technologieaktien spielen weiterhin eine zentrale Rolle im Marktgeschehen und notieren nahe ihrer Höchststände.

Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die positive Entwicklung nicht ausschließlich auf diesen Sektor beschränkt. Auch breitere Indizes wie der Russell 2000 zeigen Stärke.

Das spricht dafür, dass der zuletzt zurückgekehrte Optimismus eine gewisse Marktbreite erreicht hat und nicht nur von wenigen großen Titeln getragen wird.

Sentiment und Positionierung: Weniger Absicherung, mehr Risiko

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die aktuelle Positionierung der Investoren.

Hedging-Aktivitäten gehen nach Einschätzung von Banken und Brokern zurück. Gleichzeitig hat sich das Bärenlager in den USA laut Sentix deutlich reduziert.

Damit entfällt ein kurzfristiger Stabilisator, der in volatilen Phasen für Unterstützung sorgen kann. In der Konsequenz werden weitere Kursgewinne anspruchsvoller, da weniger Absicherung im Markt vorhanden ist.

Vier kurze Fazits:

Fazit 1: Der Markt ist nicht vorsichtig – sondern optimistisch

Das aktuelle Kursniveau passt nicht zu einem Umfeld mit offenem Eskalationsrisiko. Die Märkte setzen klar auf eine Fortsetzung der Deeskalation.

Fazit 2: Genau das macht ihn verwundbar

Kommt es zu einer Einigung, besteht weiteres Aufwärtspotenzial. Bleibt diese aus, ist das Rückschlagpotenzial erheblich. Gleichzeitig haben sowohl die USA als auch der Iran ein Interesse an einer Lösung. Politische Stabilität und innenpolitische Faktoren spielen auf beiden Seiten eine wichtige Rolle.

Fazit 3: Chancen liegen vor allem außerhalb der USA

Europa und Asien könnten bei sinkenden Energiepreisen stärker profitieren und entsprechendes Nachholpotenzial aufweisen. US-Technologiewerte hingegen bewegen sich bereits auf einem hohen Bewertungsniveau.

Fazit 4: Risikomanagement bleibt entscheidend

Wer aktuell investiert bleibt, setzt implizit auf eine politische Lösung. Das kann sinnvoll sein – sollte jedoch bewusst erfolgen. In den vergangenen Wochen haben sich taktische Käufe in Schwächephasen als erfolgreich erwiesen. Letztlich hängt die Positionierung von der individuellen Risikobereitschaft ab.

Die zentrale Frage: Lässt sich eine mögliche militärische Eskalation begrenzen – oder kommt es zum Worst-Case-Szenario?

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