Hump of the week: Anleihen – Stabilisator oder riskant wie nie?

Hump of the week: Anleihen: Stabilisator oder riskant wie nie?

Aktueller Wochenkommentar: „Anleihen – Stabilisator oder riskant wie nie?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Anleihen gelten traditionell als der „ruhige“ Baustein im Portfolio. Zuletzt 2022 wurde jedoch deutlich, dass auch dieser Markt empfindlich reagieren kann: Als die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen von 0 % auf rund 2,5 % stiegen, mussten Anleger teils zweistellige Verluste hinnehmen.

Die entscheidende Frage heute lautet:

Bleibt es beim Seitwärtsmarkt – oder steht der nächste Renditeanstieg bevor? Ein paar Gedanken zur Einordnung:

Geldpolitik: Rückenwind oder neue Unsicherheit?

Im Euroraum sind Zinserhöhungen derzeit kaum absehbar. Sollte sich die Konjunktur eintrüben, wären Zinssenkungen sogar realistisch – die Inflation liegt nahe dem Zielbereich.

In den USA erwartet der Markt für 2026 zwei Zinssenkungen. Sollte Kevin Warsh Fed-Präsident werden, könnte dieser Kurs tendenziell eher verstärkt als abgeschwächt werden.

Kurzfristig spricht das Umfeld hierzulande also nicht zwingend für steigende Leitzinsen. Doch Geldpolitik ist nur eine Seite der Gleichung.

Fiskalpolitik: Mehr Angebot, mehr Druck

Auf beiden Seiten des Atlantiks steigt die Staatsverschuldung weiter. Von früheren Sparambitionen ist wenig übrig geblieben.

In Deutschland plant die Merz-Regierung ein Sondervermögen von 500 Mrd. Euro. Mehr Schulden bedeuten mehr Anleiheangebot – und damit strukturellen Renditedruck, insbesondere bei längeren Laufzeiten.

Die Angebotsseite wird damit zu einem zentralen Treiber des Anleihemarktes.

Marktsegment: Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen?

Die zunehmende Staatsverschuldung spricht für selektive Renditeaufschläge. Unternehmensanleihen, Covered Bonds oder Verbriefungen können in einem solchen Umfeld attraktiver sein als langlaufende Staatsanleihen (hoch-)verschuldeter Länder.

Bei Staatsanleihen bleibt solide Finanzpolitik das entscheidende Qualitätsmerkmal.

Laufzeiten: Kurze Duration als Schutz!

Inflationssorgen und expansive Fiskalpolitik fördern tendenziell steilere Zinskurven. In einem solchen Umfeld erscheinen kürzere Laufzeiten robuster als lange Duration.

Auch die Diversifikation innerhalb des Anleihenportfolios gewinnt damit an Bedeutung..

Währungsaspekte: US-Anleihen unter Druck

Langlaufende US-Anleihen verlieren an Attraktivität, auch wegen eines schwächeren Dollars. Alternativen können währungsgesicherte US-Anleihen oder breit gestreute Emerging-Markets-Bonds sein.

Allerdings tragen Emerging-Markets-Anleihen häufig ebenfalls direkte oder indirekte Dollar-Risiken, die berücksichtigt werden sollten.

Globale Verschiebungen: Weniger Nachfrage nach US-Treasuries

China reduziert seit Jahren seine Bestände an US-Staatsanleihen. Japan fährt eine restriktivere Geldpolitik mit Zinsniveaus wie seit Jahrzehnten nicht mehr und investiert wieder stärker im Heimatmarkt – ohne Dollar-Risiko.

Das entzieht dem US-Anleihemarkt strukturell Nachfrage und verändert langfristig das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage.

Fazit 1: Finanzielle Repression bleibt real

Niedrige Nominalzinsen bei teils negativen Realzinsen helfen Staaten bei der Entschuldung. Für Anleger bedeutet das schleichende Kaufkraftverluste. Sachwerte bleiben daher ein wichtiger Bestandteil strategischer Allokationen.

Fazit 2: Anleihen sind nicht risikofrei

Zins- und Kreditrisiken sind offensichtlich. Zusätzlich wurden in den USA Diskussionen über mögliche Eingriffe in Anlegerrechte, etwa Laufzeitverlängerungen, geführt. Solche Debatten schwächen das Vertrauen in die Anlageklasse.

Fazit 3: Diversifikation gilt auch im Anleihenbereich

Euro-Anleihen bleiben ein Basisbaustein, mit Fokus auf Unternehmensanleihen und Laufzeiten bis etwa fünf Jahre. Emerging-Markets-Anleihen bieten Renditechancen, bringen jedoch häufig Währungsrisiken mit sich.

Fazit 4: Strategisch bleiben Anleihen wichtig

Richtig eingesetzt und global gestreut können Anleihen weiterhin zur Stabilität eines Portfolios beitragen. Selbst US-Anleihen erfüllen in Stressphasen oft noch eine Pufferfunktion.

Die entscheidende Frage lautet daher:

Sind Anleihen weiterhin ein verlässlicher Stabilisator oder unterschätzen viele Anleger das neue Zinsrisiko?

 

Vennemann HiRes 5624

 

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