Hump of the week: TACO, FOMO oder doch Korrektur?
Aktueller Wochenkommentar: „TACO, FOMO oder doch Korrektur? Wie Trump via Social Media die Kapitalmärkte verändert“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH
Der S&P 500 eilt trotz hoher Bewertungen, geopolitischer Risiken und steigender Unsicherheiten weiterhin von Rekord zu Rekord.
Damit rückt eine bemerkenswerte Entwicklung immer stärker in den Fokus:
Die Kapitalmärkte reagieren zunehmend auf Narrative, Social Media und kurzfristige Stimmungswechsel, insbesondere vom US-Präsidenten.
Begriffe wie „TACO“ („Trump always chickens out“) oder „FOMO“ („Fear of missing out“) prägen inzwischen offen die Börsendiskussion.
Die zentrale Frage lautet daher:
Gelingt es Donald Trump weiterhin, die Märkte über Social Media und öffentliche Kommunikation zu beeinflussen – oder unterschätzen Anleger die Risiken einer größeren Korrektur?
Trump, Eskalation und die schnelle Gegenbewegung
An den Märkten entsteht zunehmend ein wiederkehrendes Muster:
Trump eskaliert rhetorisch oder politisch, die Märkte reagieren mit einer Korrektur – anschließend relativiert er seine Aussagen wieder und die Kurse steigen erneut.
Der Eindruck vieler Anleger verfestigt sich dadurch:
Sobald die Marktreaktion zu negativ wird, folgt die nächste beruhigende Botschaft.
Diese Dynamik verstärkt kurzfristige Marktbewegungen und erhöht gleichzeitig die Abhängigkeit von politischen Schlagzeilen.
Die Angst, nicht investiert zu sein
Ein weiterer wichtiger Treiber bleibt das Anlegerverhalten selbst.
Gerade im aktuellen Marktumfeld spielt diese Psychologie eine zunehmend wichtige Rolle.
Was den Markt aktuell stützt
Trotz aller Risiken gibt es weiterhin fundamentale Faktoren, die die Kapitalmärkte unterstützen.
Im Mittelpunkt steht die anhaltende AI-Fantasie rund um die großen US-Technologiekonzerne. Gleichzeitig zeigen sich die Unternehmensgewinne überraschend robust.
Rund 80 Prozent der Unternehmen im S&P 500 übertrafen im ersten Quartal 2026 die Gewinnerwartungen.
Bemerkenswert dabei:
Die positive Gewinnentwicklung beschränkt sich nicht ausschließlich auf den Technologiesektor. Auch zahlreiche Unternehmen anderer Sektoren liefern stabile Ergebnisse.
USA und Japan laufen voraus
Die internationale Entwicklung der Kapitalmärkte bleibt sehr unterschiedlich.
Während die USA und Japan weiterhin neue Höchststände markieren, kämpfen viele europäische und asiatische Märkte mit steigenden Energie- und Inflationsrisiken.
Vor allem rohstoffarme Volkswirtschaften stehen unter Druck.
Die USA verfügen dagegen über einen strukturellen Vorteil: Als Energieexporteur leiden sie deutlich weniger unter steigenden Rohstoffpreisen als viele andere Industrieländer, was Ihnen Verhandlungsmacht verschafft.
Social Media verändert das Anlegerverhalten
Die zunehmende Bedeutung von Social Media verändert auch das Verhalten privater Anleger.
Emotionale Reaktionen erfolgen häufig schneller als eine rationale Bewertung wirtschaftlicher Entwicklungen. In den USA investieren inzwischen rund 62 Prozent der Bevölkerung direkt oder indirekt in Aktien – vielfach über digitale Plattformen.
Was über Jahre vor allem bei einzelnen „Story-Aktien“ zu beobachten war, scheint inzwischen auch den Gesamtmarkt zu beeinflussen:
Narrative und Aufmerksamkeit dominieren häufig stärker als Fundamentaldaten.
Vier zentrale Einordnungen für Anleger
Fazit 1: Trump ist zu einem Marktfaktor geworden
Fazit 2: Die Märkte leben stark im Hier und Jetzt
Lieferkettenprobleme, steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie geopolitische Veränderungen wirken oft zeitverzögert. Aktuell dominiert jedoch die Hoffnung, dass diese Risiken kontrollierbar bleiben.
Fazit 3: Die nächste Korrektur wird kommen – irgendwann
Hohe Bewertungen verschwinden nicht dauerhaft aus dem Marktmechanismus, es sei denn, die Unternehmensgewinne können die Erwartungen auch weiterhin positiv überraschen. Die eigentliche Frage lautet weniger „ob“, sondern „wann“ und wodurch die nächste größere Korrektur ausgelöst wird.
Fazit 4: Diversifikation bleibt entscheidend
Ein MSCI World mit einem USA-Anteil von über 70 Prozent bedeutet gleichzeitig ein erhebliches Dollar- und Technologie-Risiko. Wer langfristig risikobewusst investiert, sollte den Blick nicht ausschließlich auf die Wall Street richten.
Die zentrale Frage: Lassen wir uns inzwischen zu stark von Social Media und dem US-Markt treiben?

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