Die Fed kann pausieren – die Zinsrechnung bleibt | Sonntagsespresso 04.10.2026
abam Sonntagsespresso · 4. Oktober 2026
Berichtswoche: 28. September bis 2. Oktober 2026
Die Fed kann pausieren. Der Anleihemarkt muss deshalb noch lange nicht mitspielen. Schwächere US-Arbeitsmarktdaten bescherten Aktien einen freundlichen Freitag. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren trotzdem nach einer Achterbahnfahrt wieder bei 5,28 Prozent. Genau diese Spannung prägt unseren Ausblick: Wir bevorzugen eine Verschnaufpause der Fed, erwarten aber noch keine breite Entlastung bei den Finanzierungskosten.
Drei Kernaussagen
- Weniger Einstellungsdruck schafft Spielraum: Der US-Arbeitsmarkt spricht gegen geldpolitische Eile, beweist aber keine überwundene Inflation.
- Die lange Laufzeit bleibt unbequem: Steigende US-Langfristrenditen begrenzen den Spielraum für höhere Aktienbewertungen.
- Europa trägt die Energierechnung: Die G7-Reservenfreigabe hilft kurzfristig; normale Lieferwege und dauerhafte Preisstabilität ersetzt sie nicht.
Die Woche in Zahlen
| Aktienindex · Währung | Wochenveränderung |
|---|---|
| S&P 500 · USD | −0,27 % |
| Nasdaq Composite · USD | +0,45 % |
| STOXX Europe 600 · EUR | −1,14 % |
| Nikkei 225 · JPY | +2,93 % |
| Hang Seng · HKD | −2,19 % |
25.09.–02.10.2026: Freitagsschlüsse, Kursindizes ohne Dividenden in Landeswährung. Hongkong: vier Handelstage, am 2. Oktober geöffnet. Eigene Berechnung; Quellen unten.
| Zinsen, Devisen, Rohstoffe | Woche · Endstand |
|---|---|
| US-Treasuries · 2 Jahre | +2 Basispunkte · 4,83 % |
| US-Treasuries · 10 Jahre | +11 Basispunkte · 5,28 % |
| EUR/USD | −1,20 % · 1,1254 |
| WTI · November 2026 | −1,41 % · 91,11 USD |
| Gold · Dezember 2026 | −3,68 % · 4.162,30 USD |
25.09.–02.10.: Treasury-Parrenditen, keine Anleihekursperformance; Devisen-Schlussreihe, USD je Euro; Futures-Settlements gleicher Kontrakte, USD je Barrel beziehungsweise Feinunze. Quellen unten.
Drei Entwicklungen hinter den Kursen
1. Der Arbeitsmarkt nimmt der Fed den Zeitdruck
Im September entstanden in den USA lediglich 29.000 zusätzliche Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote stieg von 4,1 auf 4,2 Prozent. Stundenlöhne legten um 0,1 Prozent zum Vormonat und 3,0 Prozent zum Vorjahr zu. Hinzu kamen Abwärtsrevisionen: Juli und August zusammen enthalten nun 60.000 Stellen weniger als zuvor gemeldet.
Das ist eine Abkühlung, kein Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Einbruch. Der August brachte nach Revision noch 133.000 zusätzliche Stellen. Einzelne Monatswerte schwanken und werden nachträglich verändert. Für die Notenbank entsteht trotzdem ein vernünftiger Grund, die Wirkung bereits hoher Finanzierungskosten zunächst zu beobachten. Wer bei jedem schwachen Datenpunkt sofort Zinssenkungen erwartet, überspringt allerdings einen wichtigen Zwischenschritt: Erst einmal könnte die nächste Erhöhung ausbleiben.
Die Aktienmärkte handelten am Freitag diese Entlastung. Der Nasdaq gewann 1,19 Prozent, der S&P 500 0,73 Prozent. Über die gesamte Woche blieb der breite US-Index dennoch leicht im Minus. Ein schöner Freitag ist eben noch keine schöne Woche.
2. Die Zinsrechnung wird nicht im Fed-Sitzungszimmer allein geschrieben
Die amtliche zehnjährige US-Parrendite stieg im Wochenvergleich von 5,17 auf 5,28 Prozent. Zweijährige legten dagegen nur um zwei Basispunkte zu. Der Abstand zwischen beiden Laufzeiten wurde damit größer. Das passt zu einem Markt, der kurzfristig weniger geldpolitische Eile erwartet, längerfristig aber weiterhin eine hohe Verzinsung verlangt.
Langfristige Renditen enthalten neben dem erwarteten Leitzinspfad auch Entschädigungen für Laufzeit- und Inflationsrisiken. Hoher staatlicher Finanzierungsbedarf kann zusätzlichen Druck erzeugen. Wie groß jeder einzelne Beitrag diese Woche war, lässt sich aus den Schlusskursen nicht sauber herausrechnen. Die Wirkung ist dennoch konkret: Hohe Finanzierungskosten belasten neue Investitionen und machen weit in der Zukunft liegende Unternehmensgewinne heute weniger wert.
Japan und Hongkong zeigten, wie wenig hilfreich ein pauschales Asien-Etikett ist. Der Nikkei gewann über die Woche 2,93 Prozent, der Hang Seng verlor 2,19 Prozent. Europa gab ebenfalls nach. Für Euro-Anleger kam die Währung hinzu: Ein schwächerer Euro stützt ungesicherte Dollar-Anlagen rechnerisch, ist aber keine zusätzliche Unternehmensleistung.
3. Reserven kaufen Zeit, aber keinen Frieden
Die Eurozonen-Inflation beschleunigte sich laut vorläufiger Schätzung im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Energie kostete 18,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kernrate ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak stieg wesentlich moderater auf 2,5 Prozent. Das spricht für einen kräftigen Energieschock; eine gleich starke Beschleunigung aller Preise lässt sich daraus nicht ableiten.
Die G7 vereinbarte eine koordinierte Freigabe von 100 Millionen Barrel Öl und Ölprodukten über vier Monate, mit einem erheblichen Dieselanteil innerhalb der ersten 20 Tage. Das konkretisiert bereits im März eingegangene Verpflichtungen; es sollte nicht ungeprüft als vollständig zusätzliches Paket verbucht werden. Zugleich wollen die Mitglieder Energieexporte untereinander nicht beschränken.
Das kann Engpässe abmildern. Reserven sind aber endlich. Brent Dezember schloss bei 102,25 Dollar je Barrel. Am Samstag wurde zudem über US-Sicherheitsberatungen zu Iran und Jemen berichtet; ein neuer öffentlich bestätigter Einsatzbeschluss folgt daraus nicht. Die Wochenendschlagzeilen sind von den Freitagsschlüssen zu trennen.
abam-Einordnung: Pause ja, Entwarnung nein
Unser bevorzugtes Szenario ist eine Fed-Pause im Oktober bei weiterhin anspruchsvollen Kapitalmarktzinsen. Das schwächere Beschäftigungs- und Lohnbild spricht für Abwarten. Eine erneute Anhebung bleibt möglich, falls neue Preisdaten stärkere und breiter angelegte Inflation zeigen. Eine konkrete Eintrittswahrscheinlichkeit setzen wir dafür nicht an.
Das stärkste Gegenargument zu unserer vorsichtigen Markteinschätzung lautet: Die Energieentlastung könnte schneller wirken, während Unternehmensgewinne und KI-Investitionen die hohen Bewertungen tragen. Dann würden Anleger, die nur auf Zinsrisiken schauen, Chancen verpassen. Wir halten das für ein ernst zu nehmendes positives Szenario. Für eine breite Bewertungsrally fehlt uns bisher jedoch die Bestätigung durch nachhaltig sinkende Finanzierungskosten.
Für Anleger spricht das für solide Bilanzen, nachvollziehbare Erträge und begrenzte Abhängigkeit von teurer Anschlussfinanzierung. Bei Anleihen verdienen gute Bonität und überschaubare Laufzeiten Vorrang vor einer großen Wette auf rasch fallende Langfristzinsen. Gold bleibt ein möglicher Diversifikationsbaustein, aber sein Wochenverlust zeigt: Eine Versicherung steigt nicht zwingend an jedem ungemütlichen Börsentag.
Wir würden konstruktiver, wenn Energiepreise über mehrere Wochen sinken, langfristige Renditen nachgeben und Gewinnperspektiven stabil bleiben. Kritischer würden wir, wenn die Beschäftigung weiter schwächelt, während Energie- und Dienstleistungspreise beschleunigen. Dann gerieten gleichzeitig Gewinne und Bewertungen unter Druck. Diese Kombination wäre wichtiger als die Frage, ob die nächste Fed-Pressekonferenz freundlich klingt.
Vier Termine für die kommende Woche
- Montag, 5. Oktober, 16:00 Uhr MESZ – US-Dienstleistungsindex: Besonders Preise und Beschäftigung zeigen, ob die Abkühlung über den Arbeitsmarktbericht hinausreicht.
- Mittwoch, 7. Oktober, 20:00 Uhr MESZ – Fed-Protokoll: Wie breit war die Unterstützung für weitere Straffung? Das Protokoll beschreibt die September-Sitzung, nicht die inzwischen veränderte Datenlage.
- Donnerstag, 8. Oktober, 10:30 Uhr MESZ – Fed-Gouverneur Waller: Seine Rede zum Wirtschaftsausblick kann zeigen, wie die neuen Beschäftigungsdaten eingeordnet werden.
- Freitag, 9. Oktober, 16:00 Uhr MESZ – vorläufige US-Verbraucherstimmung: Inflationserwartungen und Kaufbereitschaft sind ein Test für die Belastbarkeit der Haushalte.
Die Fed-Pause wäre eine Atempause, kein Freifahrtschein. Ein Portfolio sollte auch dann funktionieren, wenn die Notenbank stillhält und der Kapitalmarkt trotzdem eine höhere Rechnung schickt.
Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Ihr Team von alpha beta asset management.
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Quellen und Datenstand
Marktdaten: Freitagsschlüsse 25. September und 2. Oktober 2026; eigene Wochenberechnungen. Redaktionsschluss: 3. Oktober 2026, 16:05 Uhr MESZ.
Aktien: US-Leitindex, Technologieindex, Europa-Referenz und Historie, Japan, Hongkong. Weitere Reihen: US-Parrenditen, Devisen, Futures 25.09. und 02.10..
Fakten: US-Arbeitsmarkt, Eurozonen-Inflation, G7-Erklärung, Wochenendbericht. Offizielle Kalender: Dienstleistungsumfrage, Fed, Verbraucherstimmung.
Beitragsbild: Symbolbild zu Staats- und Unternehmensanleihen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Keine individuelle Anlageempfehlung.




