Nach den Wahlen kommt die Rechnung | Sonntagsespresso 08.11.2026

Offizielles Porträt von US-Präsident Donald Trump

ABAM Sonntagsespresso vom 8. November 2026 · Handelswoche vom 2. bis 6. November

Am Mittwoch feierte die Wall Street den Wahlausgang. Am Donnerstag verlor der S&P 500 mehr als vier Prozent. Die Wahlergebnisse waren noch dieselben. Geändert hatte sich die Frage, die die Anleger stellten. Erst ging es darum, was ein demokratischer Kongress dem Präsidenten verwehren kann. Dann darum, was er den Betreibern von Rechenzentren abverlangen könnte. Für die nächsten Wochen halten wir eine andere Frage für wichtiger: Wer verdient mit den bereits bestellten Rechnern genug Geld, um Zinsen, Strom und die nächste Gerätegeneration zu bezahlen?

Die Woche auf einen Blick

  • Die Demokraten gewannen beide Kammern des US-Kongresses. Nach der ersten Erleichterung schloss der Nasdaq Composite die Woche mit einem Minus von 3,37 Prozent.
  • Die US-Wirtschaft schuf im Oktober 165.000 Stellen. Bei 4,1 Prozent Arbeitslosigkeit hat die Federal Reserve wenig Anlass, allein wegen fallender Technologieaktien rasch die Zinsen zu senken.
  • Der Preis für ein Barrel Brent zur Lieferung im Januar fiel um gut 15 Dollar. Das entlastet Energieverbraucher, solange die Schifffahrt durch die Straße von Hormus mitspielt.

Die Märkte von Freitag auf Freitag

Aktienmarkt Wochenänderung
S&P 500 · USD -2,68 %
Nasdaq Composite · USD -3,37 %
STOXX Europe 600 · EUR +0,24 %
Nikkei 225 · JPY -9,25 %
Hang Seng · HKD +5,10 %

30. Oktober bis 6. November. Lokale Freitagsschlüsse der Kursindizes ohne Dividenden. Quellen: AP und IG Wealth Management.

Öl, Dollar und Zinsen Wochenänderung
Brent · Januar 2027 -13,32 %
WTI · Dezember 2026 -12,76 %
US-Dollar-Index DXY +0,31 %
US-Staatsanleihen · 10 Jahre −8 Basispunkte

Gleicher Zeitraum. Öl in USD je Barrel, Settlement desselben Futures. DXY in Indexpunkten. US-Parrendite von 4,94 auf 4,86 Prozent. Quellen: Kontraktdaten, ICE-DXY-Schlüsse und US Treasury.

Drei Entwicklungen, die bleiben

Washington kann Projekte schon vor einem Gesetz verteuern

Nach den Zwischenwahlen muss Donald Trump ab Januar mit demokratischen Mehrheiten in beiden Kammern regieren. Der Präsident behält sein Vetorecht. Wer am Mittwoch auf weniger politische Alleingänge setzte, hatte dafür also einen guten Grund. Am Donnerstag rückte die Kehrseite in den Vordergrund. Bei neuen Rechenzentren wollen Politiker genauer wissen, wer für zusätzliche Stromnetze zahlt und wer für Schäden durch KI haftet. Eine politische Forderung ist noch keine neue Kostenposition. Eine unsichere Genehmigung kann den Wert eines Projekts trotzdem heute schon mindern.

Das lässt sich ohne Wahlprognose durchrechnen. Verschiebt sich die Inbetriebnahme eines finanzierten Rechenzentrums um ein halbes Jahr, laufen Kreditzinsen weiter. Die ersten sechs Monatsrechnungen an Kunden kann der Betreiber womöglich erst später stellen. Ob seine Aktie diesen Aufschub verkraftet, hängt am Kaufpreis und an seinen Reserven. Genau darin unterscheiden sich zwei Unternehmen, die im Verkaufsprospekt gleichermaßen überzeugend nach künstlicher Intelligenz klingen.

Der Arbeitsmarkt liefert der Fed Zeit

Die 165.000 zusätzlichen Stellen sind für Haushalte zunächst eine gute Nachricht. Die durchschnittlichen Stundenlöhne in der Privatwirtschaft stiegen im Oktober gegenüber September um 0,4 Prozent. Wer auf eine baldige geldpolitische Rettungsaktion für teure Aktien hofft, dürfte an denselben Zahlen weniger Freude haben. Ein einzelner Arbeitsmarktbericht legt den Dezemberentscheid der Fed zwar keineswegs fest. Er nimmt ihr aber den Zeitdruck, den eine rasch steigende Arbeitslosigkeit erzeugt hätte.

Die Anleihekurse erzählen die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Von Donnerstag auf Freitag stieg die zehnjährige US-Rendite von 4,84 auf 4,86 Prozent. Über die gesamte Woche sank sie um acht Basispunkte. Beides passt zusammen. Während des Ausverkaufs konnten Käufer von Staatsanleihen deren Kurse stützen. Am Freitag lieferte der Arbeitsmarkt einen Grund, einen Teil dieser Bewegung zurückzunehmen. Wer nur die Freitagsmeldung liest, verpasst die Richtung der ganzen Woche.

Öl wird billiger, die Durchfahrt bleibt riskant

98,32 Dollar kostete ein Barrel Januar-Brent am Freitag, nach 113,43 Dollar eine Woche zuvor. Ein solcher Rückgang schafft Spielraum bei Frachtkosten und, mit Verzögerung, an der Zapfsäule. Günstigere Energie hilft europäischen Importeuren. Dazu passt, dass Europa eine Woche mit erheblichen US-Technologieverlusten zumindest im Index mit einem kleinen Plus beenden konnte. Zugleich wäre es verfrüht, diesen Energiepreis schon als verlässliche Grundlage für die Winterkalkulation eines Unternehmens anzusetzen.

Nach dem Freitagshandel bestätigte Trump begrenzte Angriffe auf ein iranisches Luftabwehrsystem. Aus der Gegend der Insel Qeschm an der Straße von Hormus wurden Explosionen gemeldet. Katar erklärte am Samstag, die Vermittlung zwischen Washington und Teheran gehe weiter. Im Freitagspreis steckt folglich die Hoffnung auf Entspannung. Wie viel davon trägt, zeigt sich erst, wenn Tanker die Meerenge zuverlässig passieren und die Versicherer das Risiko entsprechend günstiger einstufen.

Unsere Einordnung:

Wir erwarten zunächst eine Phase, in der die Ergebnisse einzelner Unternehmen den Technologiesektor stärker auseinanderziehen. Für einen breiten Konjunktureinbruch liefert der US-Arbeitsmarkt bislang zu wenig Anhaltspunkte. Für die schnelle Rückkehr zu alten Höchstbewertungen fehlt uns wiederum der Nachweis, dass zusätzliche Rechenleistung schnell genug zusätzliche freie Mittel erwirtschaftet. Ein langfristig attraktives Geschäft kann zum falschen Preis ein ziemlich mittelmäßiges Investment sein. Dafür braucht es keinen Regierungswechsel.

Das stärkste Gegenargument ist die Nachfrage. Sind Kapazitäten langfristig zu auskömmlichen Preisen vermietet, kann ein Betreiber auch eine teure Bauphase überstehen. Deshalb achten wir bei den anstehenden Zahlen auf drei Dinge: Wann gehen die Anlagen ans Netz, wann zahlen die Kunden und wie viel Geld bleibt nach Investitionen und Zinsen übrig? Werden Projekte pünktlich fertig und verbessert sich der freie Mittelzufluss, wären wir für eine breitere Erholung zuversichtlicher. Treffen dagegen Verzögerungen auf hartnäckige Inflation, dürfte die Finanzierung gerade für schwächere Anbieter erneut teurer werden.

Für Anleger lohnt der Blick durch die Fondsnamen hindurch. Ein Welt-ETF, ein US-Technologiefonds und ein Halbleiterfonds können im Depot drei verschiedene Segmente belegen und doch am selben Ausbau der Rechenzentren verdienen. Eine einfache Probe: Welche Positionen würden gleichzeitig leiden, wenn die großen Cloudanbieter ihre Bestellungen um ein Jahr verschieben? Die Antwort sagt über die Streuung oft mehr als die Zahl der Fonds.

Drei Termine für die kommende Woche

  • Dienstag, 10. November, 14:30 Uhr MEZ · US-Verbraucherpreise. Besonders interessant sind die Dienstleistungen. Geben deren Preise kaum nach, hilft billigeres Öl der Fed bei der Inflationsbekämpfung nur begrenzt.
  • Dienstag, 10. November, 23:00 Uhr MEZ · CoreWeave. In der Telefonkonferenz zum dritten Quartal zählen für uns die Zeit zwischen Auftrag und Umsatz sowie die Kosten, zu denen der Ausbau finanziert wird.
  • Freitag, 13. November, 14:30 Uhr MEZ · US-Erzeugerpreise. Die Oktoberzahlen zeigen, wie sich die Verkaufspreise auf Produzentenebene entwickelt haben. Der Ölpreisrückgang aus dieser Novemberwoche ist darin noch gar nicht enthalten.

Wer am Sonntag nur eine Zahl mitnimmt, könnte die acht Basispunkte wählen, um die die zehnjährige US-Rendite gesunken ist. Selbst dieser Rückenwind reichte dem Nasdaq in der Wahlwoche nicht. Am Dienstag können die Unternehmen anfangen zu zeigen, was ihnen aus eigener Kraft gelingt.

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Quellen und Datenstand

US-Schlussstände vom 30. Oktober · 6. November · Internationale Indizes · Ölkontrakte · US-Zinskurve · Arbeitsmarktbericht · US-Datenkalender · CoreWeave-Termin · Wahl und Technologieaktien · US-Angriff · Vermittlung Katars

Marktstände vom Freitag, 6. November 2026. Nachrichtenstand Samstag, 7. November 2026, 16 Uhr MEZ.

Dies stellt keine Anlageberatung dar.