Hump of the week: Der Rentenmarkt – Renditechance oder „canary in the coal mine“?

Hump of the week: Der Rentenmarkt: Renditechance oder „canary in the coal mine“?

Hump of the week: Der Rentenmarkt – Renditechance oder „canary in the coal mine“?

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

Fed und EZB haben die Zinsen erhöht, weitere Schritte sind nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig haben die Renditen langfristiger Staatsanleihen Mehrjahreshochs erreicht. Damit rückt der Rentenmarkt wieder stärker in den Fokus der Anleger.

Die entscheidende Frage lautet: Sind 5 Prozent Treasury-Rendite inzwischen eine attraktive Chance oder ein Warnsignal für die Kapitalmärkte?

Der Rentenmarkt erreicht neue Renditehochs

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind zuletzt deutlich gestiegen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zeitweise mit mehr als 5 Prozent und damit erstmals seit 2007 wieder auf diesem Niveau.

Auch in Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten in der Spitze eine Rendite von rund 3,57 Prozent, den höchsten Stand seit 2009. Die anschließende Erholung am Rentenmarkt blieb bislang überschaubar.

Damit stellt sich für Anleger zunehmend die Frage, ob die höheren Renditen bereits attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten oder ob sie auf tiefer liegende Risiken für die Kapitalmärkte hinweisen.

Geopolitik und Inflation erschweren die Normalisierung

Die Inflation lag im August in den USA bei 3,4 Prozent und im Euroraum bei 3,2 Prozent. Hohe Energiepreise haben die Hoffnung auf eine schnelle Normalisierung der Teuerungsraten gedämpft.

Gleichzeitig bleibt offen, ob sich die Inflation im Jahr 2027 wieder nachhaltig der Marke von 2 Prozent annähert. Für die Notenbanken bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll.

KI braucht immer mehr Kapital

Nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen treten mit einem enormen Finanzierungsbedarf an den Rentenmarkt.

SoftBank will für seine KI-Investitionen 10 Milliarden US-Dollar und eine Milliarde Euro am Anleihenmarkt aufnehmen. Die Dollar-Tranchen sollen Renditen zwischen 9 und 10 Prozent bieten.

Gleichzeitig werden Schulden in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar, die der Finanzierung eines Oracle-Rechenzentrums dienen, nur noch zu rund 90 Cent je Dollar gehandelt.

Diese Entwicklungen zeigen: Der Rentenmarkt beginnt, bei der Finanzierung des KI-Booms genauer hinzusehen. Mit steigenden Investitionssummen rücken Kapitalkosten und Kreditrisiken zunehmend in den Mittelpunkt.

Auch Staaten brauchen enorme Mengen Kapital

Unternehmen konkurrieren dabei mit einem mächtigen Schuldner um Kapital: den Staaten.

Allein die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Die öffentlich gehaltenen Schulden könnten bis 2036 auf rund 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

Damit treffen hohe staatliche Defizite auf einen gleichzeitig steigenden Kapitalbedarf der Privatwirtschaft.

Vier Fazits zum Rentenmarkt

1. Kapital hat wieder einen Preis

Staaten finanzieren hohe Defizite, während gleichzeitig Hyperscaler Milliardenbeträge für KI benötigen. Das steigende Angebot am Anleihenmarkt versetzt Investoren in die Lage, höhere Renditen zu verlangen.

Kapital hat damit wieder einen (höheren) Preis.

2. Bleibt die Inflation strukturell höher?

Ein erheblicher Teil des aktuellen Inflationsdrucks kommt von der Angebotsseite. Genau das erschwert die Aufgabe der Notenbanken.

Höhere Zinsen senken weder den Ölpreis noch erhöhen sie das Energieangebot. Der Grat zwischen wirksamer Inflationsbekämpfung und einer Belastung der Konjunktur bleibt deshalb schmal.

3. Hohe Zinsen setzen Aktienbewertungen unter Druck

Hohe Langfristzinsen erhöhen den Abzinsungsfaktor künftiger Unternehmensgewinne und damit den Druck auf die Bewertungen am Aktienmarkt.

Noch dominieren starke Unternehmensgewinne und die Frage nach möglichen Produktivitätsgewinnen durch Künstliche Intelligenz. Doch je höher die Kapitalkosten steigen, desto stärker muss KI die hohen Erwartungen auch tatsächlich erfüllen.

4. Anleihen sind wieder echte Konkurrenz

Bei Renditen um 5 Prozent werden US-Staatsanleihen auch real wieder interessant. Gleichzeitig liegt die Dividendenrendite des S&P 500 nur bei gut 1 Prozent.

Anleger erhalten am Rentenmarkt damit wieder eine echte Alternative. Allerdings stehen den attraktiveren Renditen steigende Staatsverschuldung und anhaltende Inflationsrisiken gegenüber.

Die zentrale Frage

Sind 5 Prozent Rendite bei Treasuries inzwischen eine attraktive Chance oder warnt uns der Rentenmarkt vor Risiken, die der Aktienmarkt ignoriert?

 
 

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