Hump of the week: Privatmärkte: Chance oder Risiko?

Hump of the week: Privatmärkte: Chance oder Risiko?

Aktueller Wochenkommentar: „Privatmärkte: Chance oder Risiko?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Privatmärkte – insbesondere Private Debt – sind aktuell in aller Munde. Nicht zuletzt wegen erster Insolvenzen in diesem Segment. Während Private Equity weiterhin von robusten Aktienmärkten und einer lebhaften M&A-Aktivität profitiert, zeigen sich bei Private Debt zunehmend erste Risse.

Die entscheidende Frage lautet: Was unterscheidet öffentliche und private Märkte – und wo liegen Chancen und Risiken?

Was sind Privatmärkte?

Privatmärkte umfassen Kapitalanlagen außerhalb regulierter Börsen. Dazu zählen insbesondere Eigenkapitalbeteiligungen im Rahmen von Private Equity sowie Fremdkapitalfinanzierungen über Private Debt. Im Unterschied zu öffentlichen Märkten sind Transparenzanforderungen deutlich geringer, Transaktionen erfolgen bilateral und Bewertungen werden seltener vorgenommen.

Die Vorteile

Für Emittenten bieten Privatmärkte einen einfacheren und schnelleren Zugang zu Kapital bei geringerer regulatorischer Komplexität.

Investoren erhalten im Gegenzug häufig eine höhere Verzinsung, die als Risikoprämie für Illiquidität und geringere Transparenz zu verstehen ist.

Die Vertragsbedingungen werden individuell ausgehandelt und orientieren sich oft stärker an den Bedürfnissen der Kapitalnehmer als an standardisierten Marktstrukturen.

Die Risiken

Ein zentraler Risikofaktor sind die Kreditbedingungen, die sogenannten Covenants. Sind diese zu weich ausgestaltet, werden finanzielle Probleme bei Kreditnehmern häufig erst spät sichtbar.

Die geringere Transparenz führt dazu, dass Risiken verzögert erkannt und in der Praxis oft unterschätzt werden. Genau dieser Effekt wird aktuell wieder deutlicher sichtbar.

Die aktuelle Lage

Im Zentrum steht derzeit der Private-Credit-Markt mit einem geschätzten Volumen von rund 1,8 Billionen US-Dollar. Erste Insolvenzen, unter anderem bei First Brands oder der britischen Plattform MFS, zeigen zunehmende Stresssignale.

Gleichzeitig sind große Banken weiterhin stark engagiert. So hat die Deutsche Bank ein Exposure von rund 30 Milliarden US-Dollar in diesem Segment ausgewiesen, was etwa 5 Prozent des gesamten Kreditvolumens entspricht.

Weitere Warnsignale

Zunehmend werden auch Zukunftsthemen wie KI-Investitionen über Private Credit finanziert. Das führt zu Konzentrationsrisiken innerhalb einzelner Sektoren.

Hinzu kommt, dass sich die Anlageklasse in einer fortgeschrittenen Phase des Zyklus befindet und mit wachsendem Vertriebsdruck verstärkt auch Privatanlegern zugänglich gemacht wird – ein typisches Muster später Marktphasen.

Vier kurze Fazits

Fazit 1: Weniger Transparenz = mehr Rendite (und Risiko)

Die höhere Verzinsung ist die logische Konsequenz geringerer Transparenz. Sie ist kein „Geschenk“, sondern eine Risikoprämie.

Fazit 2: Die Anlageklasse an sich ist nicht das Problem

Private Markets können eine sinnvolle Beimischung im Portfolio sein – vorausgesetzt, die Analyse ist fundiert und selektiv. Der Einzelfall entscheidet.

Fazit 3: Die Risiken steigen

Boomphase, weiche Covenants, erste Ausfälle und zunehmende Komplexität deuten auf eine späte Zyklusphase hin. Das erhöht die Anfälligkeit für weitere Rückschläge.

Fazit 4: Der Portfoliokontext ist entscheidend

Private Assets wirken oft weniger volatil, vor allem aufgrund geringerer Bewertungsfrequenz. Diese scheinbare Stabilität kann in Stressphasen schnell verschwinden.

Die zentrale Frage bleibt:

Wichtiger Portfoliobaustein – oder zunehmend toxisch? Wie beurteilen Sie aktuell die Rolle von Privatmärkten?

 

 

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