Hump of the week: Rauf oder runter? Zwei Szenarien für Aktienmärkte und Ölpreis

Hump of the week: Nahost-Konflikt: Ölpreis, Inflation und Szenarien für Aktienmärkte

Aktueller Wochenkommentar: „Rauf oder runter? Zwei Szenarien für Aktienmärkte und Ölpreis“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Der Krieg im Nahen Osten beschäftigt Politik und Kapitalmärkte gleichermaßen. Trotz der angespannten geopolitischen Lage reagieren die Börsen bislang vergleichsweise ruhig. Der DAX verzeichnete zuletzt ein Minus von rund sechs Prozent – spürbar, angesichts der Nachrichtenlage jedoch nicht ungewöhnlich.

Die entscheidende Frage: Wie lange dauert der Konflikt – und wie stark werden Energieversorgung und globaler Handel belastet?

Für Investoren ergeben sich derzeit zwei denkbare Extremszenarien.

Das Risikoszenario: Ölpreis Schock und wirtschaftliche Bremswirkung

Ein zentrales Risiko besteht in einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für den globalen Ölhandel. Eine nachhaltige Störung könnte den Ölpreis deutlich steigen lassen – in extremen Szenarien wird ein Niveau von bis zu 200 US-Dollar pro Barrel diskutiert.

Parallel zeigen sich erste Schwächesignale in der US-Wirtschaft. Im Februar gingen außerhalb der Landwirtschaft rund 92.000 Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig investiert der hoch bewertete US-Technologiesektor weiterhin Milliarden in künstliche Intelligenz.

Zusätzliche politische Unsicherheiten, etwa neue Zolldrohungen von Donald Trump, verstärken die Nervosität an den Märkten.

Makroökonomische Folgen: Inflation und geldpolitische Unsicherheit

Steigende Energiepreise wirken direkt auf die Inflation. Ein nachhaltiger Ölpreisanstieg könnte daher die geldpolitischen Erwartungen verschieben.

Die US-Notenbank könnte erwartete Zinssenkungen verzögern. In der Eurozone wird bereits wieder über eine restriktivere Geldpolitik diskutiert. Auch Japan könnte seinen Zinsanstiegspfad beschleunigen.

In Kombination mit expansiver Fiskalpolitik geraten selbst Staatsanleihen unter Druck. Ihr traditioneller Status als sicherer Hafen wird zunehmend hinterfragt.

Das Wunschszenario: Politischer Wandel und fallende Energiepreise

Ein deutlich positiveres Szenario wäre ein schneller militärischer Erfolg mit anschließendem politischem Wandel im Iran. Ein solcher Regimewechsel könnte die geopolitische Lage in der Region nachhaltig verändern.

In diesem Fall wäre auch ein deutlich niedrigerer Ölpreis denkbar. Niveaus von vielleicht sogar 30 US-Dollar pro Barrel könnten einen erheblichen Wachstumsimpuls für die Weltwirtschaft auslösen.

Die aktuelle Lage im Nahen Osten

Aus Washington heißt es, militärisch liege man „vor dem Zeitplan“. Gleichzeitig nimmt die Zahl kritischer Vorfälle zu.

Angriffe auf Energieinfrastruktur, zeitweise gestoppte Gasexporte aus Katar und beschädigte Ölanlagen zeigen die zunehmende Belastung für die Region. Selbst Meerwasserentsalzungsanlagen wurden attackiert – ein Hinweis darauf, wie stark der Konflikt bereits in zentrale Versorgungsstrukturen eingreift.

Warnsignale aus dem Finanzsystem

Auch im Kreditmarkt nehmen Spannungen zu. Probleme bei Kreditplattformen und eingeschränkte Rückgabemöglichkeiten in Private-Debt-Fonds verdeutlichen die Sensibilität des Systems.

Ökonomen schätzen, dass ein nachhaltiger Anstieg des Ölpreises um zehn US-Dollar das US-Wirtschaftswachstum um etwa 0,1 Prozentpunkte reduzieren und die Inflation um rund 0,25 Prozentpunkte erhöhen kann.

Vier Fazits

Fazit 1: Das Dilemma der Zentralbanken

Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck, während sich gleichzeitig konjunkturelle Schwächesignale zeigen. Diese Kombination erschwert geldpolitische Entscheidungen erheblich.

Fazit 2: Das Idealszenario

Ein schneller militärischer Erfolg mit politischem Wandel im Iran könnte die Region stabilisieren und über niedrigere Energiepreise das globale Wachstum unterstützen.

Fazit 3: Die Risikoseite

Die Spannungen im Kreditmarkt nehmen zu, und die US-Konjunktur zeigt erste Bremsspuren. Ein Energieschock könnte diese Entwicklung deutlich verstärken.

Fazit 4: Historische Perspektive

Geopolitische Schocks wirken an den Börsen meist nur begrenzte Zeit. Seit 1950 fiel der S&P 500 in vergleichbaren Krisen im Durchschnitt rund vier Prozent in der ersten Woche. Aktuell notiert der Index nahezu unverändert gegenüber Ende Februar.

Die zentrale Frage:

Risiken bleiben – doch ein mögliches Kriegsende könnte auch neue Chancen eröffnen. Wie beurteilen Sie aktuell das Chancen-Risiko-Verhältnis?

 

 

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