Krypto-Wochenbericht | Marktanalyse vom 29.11.2025

KRYPTO – Meine Sicht (Autor: Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh)

Krypto Wochenanalyse: Bitcoin, Ethereum und Markttrends

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Werfen wir in der Marktanalyse zuerst einen Blick auf die Zu- und Abflüsse dieser (durch Feiertage erheblich verkürzten) Handelswoche in den Bitcoin und Ethereum ETF:

Die Bitcoin ETF erlebten in dieser Woche einen immer noch nervösen Handel, der aber deutlich weniger von Schlagzeilen und Gerüchten diktiert wurde. Die Woche startete noch mit einem Abfluss, erst danach konnten wieder Zuflüsse in die ETF verbucht werden. In Summe flossen insgesamt 70,2 Mio. USD in die ETF, nach 1,21 Mrd. USD Abfluss in der Vorwoche. Damit verzeichnen wir nach vier Wochen mit Abflüssen in Folge die erste Woche, die diesen Trend brechen konnte. Das vergleicht sich recht ähnlich mit der Korrektur im Frühjahr, als es fünf Wochen mit Abflüssen in Folge waren.

Ein vergleichbares, aber dennoch deutlich freundlicheres Muster sehen wir bei den Ethereum ETF. Schon zum Ende der vorherigenWoche kam es zu Käufen in den ETF, nachdem die Preise in den Vorwochen erheblich gefallen waren, und die Serie ausschließlich positiver Tage hielt diese Woche weiter an. In der Summe ergibt sich ein Zufluss von 312,6 Mio. USD, nach einem Abfluss von 500 Mio. USD in der Vorwoche.

Die neuen Solana ETF erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Seit dem Handelsstart am 28.10.2025 wurde diesen Mittwoch der allererste negative Tag verzeichnet, ansonsten hatte es nur Zuflüsse gegeben. Die Zuflüsse summieren sich auf  insgesamt mehr als 600 Mio. USD – die sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit zum Teil auch aus Verkäufen aus Bitcoin oder Ethereum ETF speisen. Auch diese Woche flossen circa 116 Mio. USD in die neuen ETF, die Zahl der Vehikel hatte sich mittlerweile auf 5 erhöht.

Wie bewegte sich der Kryptomarkt in den letzten Handelstagen?

Ein vorsichtiger Aufbruch: Der Markt findet seinen Boden und beginnt langsam, verlorenes Terrain zurückzugewinnen

Die Stimmung am Kryptomarkt hat in dieser Woche spürbar gedreht. Noch am vergangenen Freitag, während des europäischen Vormittagshandels, markierte Bitcoin mit Kursen knapp über 80.000 US-Dollar das vorläufige Tief der laufenden Korrektur – ein Niveau, das viele Marktteilnehmer als entscheidende psychologische Unterstützung ansahen. Dass der Markt genau dort stabilisierte und anschließend mit auffallend klarer Struktur nach oben drehte, hat in den vergangenen Tagen zu einem stimmungsseitigen Wandel geführt, der in dieser Form vor einer Woche kaum vorstellbar gewesen wäre.

Bitcoin: Vom Schock zur Stabilisierung – und jetzt zurück in den Aufwärtskanal

Bitcoin hat sich seit dem Tiefpunkt am vergangenen Freitag beinahe lehrbuchartig erholt. Im Verlauf der Woche gewann der Markt nicht nur an Höhe, sondern vor allem an Struktur. Die Bewegung war nicht impulsiv-chaotisch, wie man es nach Panikphasen häufig sieht, sondern koordiniert, stetig und liquide – ein Zeichen dafür, dass die Käuferseiten wieder bereit sind, Risiko zu übernehmen.

Zu Wochenbeginn stabilisierte sich Bitcoin zunächst im Bereich von 85.000 bis 90.000 US-Dollar, bevor am Mittwoch und Donnerstag ein klar erkennbarer Momentumaufbau einsetzte, der die Marke oberhalb von 90.000 USD zurückeroberte. Die Volumina waren nicht überragend, aber solide – und vor allem sah man endlich wieder gestaffeltes Kaufinteresse, statt der brüchigen Orderbücher der Vorwochen. Die Marktmechanik wirkt wieder vertrauter: mehr Liquidität in den Büchern, weniger erratische Abgabeorders aus dem Nichts.

Ethereum: Im Vergleich ruhiger, aber stabil – und mit ersten Anzeichen relativer Stärke

Ethereum folgte dem Bitcoin-Muster, allerdings mit etwas weniger Volatilität. Vom Tief unterhalb von 2.700 US-Dollar erholte sich ETH in Richtung der mittleren Zone über 3.000 USD und testete mehrfach Preisbereiche, die in den vergangenen Wochen immer wieder als Widerstand fungierten.

Was besonders auffällt: Während Bitcoin zuletzt die Schlagzeilen dominierte, wirkt Ethereum stabiler und weniger „laut“. Das Verhältnis der beiden Leitwerte hat sich in den letzten Tagen leicht zu Gunsten von ETH verschoben – ein frühes Signal dafür, dass institutionelle Anleger beginnen könnten, wieder stärker zwischen Bitcoin und Ethereum zu differenzieren. Oft ist diese Ausdifferenzierung ein Zeichen dafür, dass der Markt versucht, nach einer Korrektur den fundamentalen Kern des Ökosystems wieder zu priorisieren.

Ein Stimmungsumschwung, der sich nicht in einem einzigen Chart ausdrücken lässt

Das vielleicht wichtigste Ereignis dieser Woche ist nicht die Preisbewegung an sich, sondern der mentale Umschwung.

Nach mehreren Wochen, in denen schlechte Nachrichten überproportionale Wirkung hatten und positive Impulse sofort abverkauft wurden, scheint sich die Marktpsychologie wieder zu normalisieren.

Man spürt an den Kursstrukturen, dass:

  • die überzogene Risikoaversion der Vorwoche nicht mehr dominant ist,

  • aggressive Verkäufer deutlich weniger sichtbar sind,

  • Käufer wieder bereit sind, in Schwäche hineinzukaufen,

  • und die Angst vor einem strukturellen Trendbruch nachgelassen hat.

Dieser Wandel ist bemerkenswert, weil er ohne spektakuläre Nachrichten entstanden ist. Der Markt hat schlicht aufgehört zu fallen – und das ist in Korrekturphasen oft das stärkste Signal überhaupt.

Der negative Druck hat nachgelassen – auch ohne „massive“ ETF-Käufe

In der schwachen Phase der Vorwochen war besonders auffällig, dass der Kurs von Bitcoin während der amerikanischen Handelszeiten spürbar unter Druck kam. Dieses Phänomen konnte in dieser (durch Feiertage erheblich verkürzten) Woche nicht mehr beobachtet werden.

Das zeigt sich an:

  • geringerer Verkaufsintensität während der US-Handelszeiten,

  • stabileren Orderbüchern,

  • weniger Zwangsliquidationen,

  • und einer deutlich geordneteren Preisstruktur.

Der Markt wirkt seit einer Woche nicht mehr wie ein System, das unter permanentem Abgabedruck steht, sondern wie eines, das erneut versucht, eine tragfähige Basis zu bilden. Genau diese Dynamik konnte man am Freitag vergangener Woche erstmals beobachten – und seitdem hat sie sich verfestigt.

Ein Markt, der wieder Vertrauen fasst – ohne Euphorie, aber mit Struktur

Was wir jetzt sehen, ist kein plötzlicher Trendwechsel, keine überhitzte Rückkehr oder gar FOMO. Es ist vielmehr der Beginn einer Phase, in der der Markt wieder ein gesundes Risikoverhältnis entwickelt – rationaler, vorsichtiger, aber nicht mehr defensiv aus Angst.

Die Leitwerte wirken konstruktiv:

  • Bitcoin baut eine solide Rebound-Struktur oberhalb des lokalen Tiefs auf.

  • Ethereum zeigt relative Stärke und eine ruhige Konsolidierung.

  • Altcoins beginnen vereinzelt, erste Erholungsbewegungen zu zeigen – ein Zeichen, dass Marktteilnehmer langsam wieder bereit sind, Risiko zu differenzieren.

Die kommende Woche wird zeigen, ob dieser Umschwung nur eine technische Erholung war oder der Beginn einer nachhaltigen Stabilisierung. Für den Moment aber gilt: Der Markt hat seinen Boden gefunden – nicht endgültig, aber deutlich und spürbar genug, um konstruktiv nach vorne zu blicken.

Und es bleibt eine ganz wichtige Botschaft: Kein Markt ist so volatil, und so stimmungsgetrieben wie der Kryptomarkt. Panik und Gier sind schlechte Ratgeber – Vermögensbildung ist ein Marathon, kein Sprint. Wie auch an anderen Märkten, zahlt sich die Existenz einer Strategie aus – Zeit und Geduld sind wichtige Bestandteile.

Der Blick auf die Makrodaten, Politik und Unternehmen

Zwischen Hoffnung und Risiko: Krieg, Wirtschaftslage und Marktunsicherheit

Diese Woche brachte im globalen Umfeld weder einen klaren Trendwechsel noch eine stabilisierende Großlage. Vielmehr offenbarten sich mehrere Fronten — geopolitisch, wirtschaftlich und finanziell —, die gemeinsam ein Bild von Verwundbarkeit, taktischer Unsicherheit, aber auch von möglichen Wendepunkten liefern.

Ukraine: Verhandlungen, Erwartungen und Marktinseln der Hoffnung

In Europa und global gerät zunehmend der Gedanke an einen möglichen diplomatischen Pfad in der Ukraine ins Blickfeld — und damit auch die Konsequenzen für Rohstoffmärkte, Energiepreise und Risikoassets wie Aktien und Krypto. Gespräche über Waffenstillstände oder humanitäre Korridore wurden diese Woche medial thematisiert, erste Seiten einer möglichen Verhandlungsagenda kursieren. Zwar ist unklar, wie realistisch ein nachhaltiger Frieden kurzfristig ist — die militärische Lage bleibt komplex und zäh — doch allein die Hoffnung auf Deeskalation wirft bereits Wellen:

  • Energiepreise in Europa reagierten mit leichten Rückgängen auf die Aussicht, dass unterbrochene Lieferungen wieder anlaufen könnten.

  • Gas- und Ölpreise stabilisierten sich zumindest vorübergehend, was den Druck von inflationssensitiven Märkten nahm.

  • Rohstoffmärkte (Metalle, Agrar) zeigten erhöhte Volatilität — ein Signal dafür, dass größere Marktteilnehmer auf mögliche Schwankungen spekulieren.

Für Risikoassets wie Kryptowährungen oder Tech-Werte hat das eine ambivalente Wirkung: Einerseits könnte ein Rückgang der Energiepreise und damit ein Entspannen der Inflation die Zinslast reduzieren und somit riskantere Assets attraktiver machen. Andererseits bleiben Unsicherheiten — Militärlage, geopolitische Spannungen, Rückfallrisiken — eine latente Gefahr für alles, was auf globalen Kapitalflüssen basiert.

Kurz gesagt: Die Ukraine-Verhandlungen nähren wieder Hoffnung — aber sie liefern derzeit (noch) kein Fundament für nachhaltigen Marktoptimismus.

Asien: Zwischen Wachstumssorgen und struktureller Nervosität

In Asien bleibt die wirtschaftliche Lage diffus. Mehrere Länder melden schwächeres Wachstum, exportorientierte Volkswirtschaften leiden unter nachlassender globaler Nachfrage, und die Kapitalmärkte zeigen Rückzugstendenzen. Besonders spürbar sind:

  • Produktions- und Exportzahlen vieler asiatischer Volkswirtschaften stagnieren oder fallen leicht. Nachfrage aus Europa und Nordamerika reißt ab, was sich negativ auf Industrieketten auswirkt.

  • Investoren zeigen erhöhte Zurückhaltung — Kapital fließt aus Risikopositionen ab, Emerging Markets verlieren an Attraktivität.

  • In vielen asiatischen Märkten, die stark auf Exporte und globalen Handel angewiesen sind, wächst die Sorge, dass eine zyklische Schwächephase droht — mit Auswirkungen auf Währungen, Staatsfinanzen und Risiko-Assets.

Diese Entwicklungen sorgen für ein globales Klima der Unsicherheit: Wenn Asien zunehmend schwächelt, wirkt das wie ein Belastungsfaktor für globale Rohstoffpreise, Lieferkettenkosten und Risikoaversion. Für Investoren bedeutet das: erhöhte Vorsicht und selektive Allokation statt breit gestreuter Positionen.

Europa: Zwischen fragiler Konjunktur und geopolitischer Nervosität

Auch in Europa bleibt das Bild gemischt. Die wirtschaftliche Erholung nach der Energiekrise und Inflation ist spürbar verlangsamt, und strukturelle Risiken zeigen sich erneut:

  • Die Industrieproduktion in vielen Ländern stagniert oder zeigt nur minimale Wachstumsschübe. Globales Schwächeln trifft die exportstarken Nationen in Europa hart.

  • Konsum und Investitionen bleiben zurückhaltend — Haushalte sind durch Energiepreise und Finanzierungskosten belastet, Unternehmen durch global unsichere Nachfrage.

  • Politisch sorgt die Unsicherheit rund um die Ukraine für erhöhtes Risiko: Energiepreise, Flüchtlingsströme, geopolitische Spannungen — all das wirkt dämpfend auf Stimmung und Investitionsbereitschaft.

Für Kapitalmärkte in Europa ergibt sich daraus eine unangenehme Mischung: Niedriges Wachstum, hohe Risiken, unklare Zukunftserwartung. In Kombination mit globalem Risikoabzug und Nervosität der Anleger bleibt der Druck auf Risikoassets hoch.

Was bedeutet das für Märkte und Portfolios?

In diesem Umfeld besteht das Risiko, dass Investitionen, die vor wenigen Monaten noch als „Chancen“ galten — etwa Aktien, Kryptowährungen oder Emerging-Markets — jetzt wieder auf Sicherheitsdenken stoßen:

  • Anleger könnten sich wieder vermehrt auf sichere Renten, hochwertige Unternehmensanleihen oder Cash konzentrieren.

  • Volatilität könnte zunehmen — nicht unbedingt wegen eines Crashs, aber wegen vieler Unsicherheitsepisoden und opportunistischer Risikoaversion.

  • Für werthaltige, langfristig orientierte Assets mit stabiler Struktur (z. B. Blue-Chip-Unternehmen, bestimmte Infrastrukturwerte, ausgewählte Kryptoprojekte mit klarer Tokenomics) könnten sich Gelegenheiten ergeben – aber nur mit klarer Due Diligence.

Gleichzeitig zeigt die Ukraine-Dynamik: Wenn ein glaubwürdiger Friedenspfad signalisiert wird, könnten Energiepreise sinken, Risikoaversion abnehmen und Kapital in Risikoassets zurückfließen — ein Szenario, das erhebliche Marktchancen bieten würde.

Ausblick: Geduld und Selektivität als Strategie

Der derzeitige Zustand erinnert an eine Pause im Zyklus — nicht an das Ende. Die Weltwirtschaft wirkt fragil, die geopolitische Lage volatil, und Märkte reagieren sensibel auf jede Andeutung von Wandel. Für Investoren und Vermögensverwalter heißt das: Geduld, Selektivität, Risiko- und Liquiditätsmanagement.

Wer kurzfristiges Momentum sucht, dürfte enttäuscht werden.

Wer jedoch langfristig denkt, vorsichtig sein kann und selektiv Chancen identifiziert — könnte in dieser Phase Vermögensaufbau unter Bedingungen der Unsicherheit betreiben.

Die kommende Zeit wird zeigen, ob die Ukraine-Verhandlungen, asiatische Konjunkturentwicklungen und europäische Wirtschaftsdynamik eher zu Stabilität oder zu weiterem Risiko führen. Für den Moment bleibt der Markt in einer nervösen Warteschleife – genau die Art von Phase, in der kluge Allokation häufig mehr zählt als Mut zum Spekulieren.

Welche Projekte und Nachrichten stehen gerade im Fokus?

Trotz der großen Marktbewegungen in den letzten Wochen und Monaten, die durch die Geopolitik als auch die Zollverhandlungen ausgelöst wurden, gibt es in jeder Woche zusehends mehr Nachrichten mit großer Tragweite für den Kryptomarkt. Die Adaption der Technologie schreitet weiter voran, regulatorisch mehr und mehr unterstützt, da das Potential auch politisch weiter in den Fokus rückt. „Krypto ist gekommen, um zu bleiben“, und wird Tag für Tag sichtbarer in unserer Welt.

Eine Woche, in der Krypto sichtbar erwachsener wurde

In einer Woche, in der die Märkte sich vorsichtig stabilisierten, spielten sich im Hintergrund eine Reihe von Entwicklungen ab, die wesentlich aussagekräftiger waren als die kurzfristigen Bewegungen in den Charts. Vier Nachrichten stachen dabei besonders hervor. Sie zeigen, wie weit der Kryptomarkt inzwischen in die klassische Finanzwelt vorgedrungen ist – und zugleich, wie viel Arbeit noch vor ihm liegt. Es ist die Art von Woche, die man nicht an den Kursen misst, sondern an den strukturellen Fortschritten, den regulatorischen Weichenstellungen und den ersten politischen Signalen, die man vor einigen Jahren für unmöglich gehalten hätte.

Aave: DeFi tritt gleichzeitig in die Regulierung und in den Massenmarkt ein

Es kommt selten vor, dass ein einzelnes Projekt zwei strukturell bedeutende Meilensteine innerhalb weniger Tage erreicht. Aave ist dies mit einem Paukenschlag gelungen – und das gleich in zwei unterschiedlichen Welten.

Zum einen hat das Protokoll als eines der ersten großen DeFi-Projekte überhaupt eine formale MiCAR-Lizenz erhalten. Damit wird Aave in Europa regulatorisch ähnlich behandelt wie ein traditioneller Finanzdienstleister: mit Offenlegungspflichten, Verbraucherschutzauflagen, Risiko- und Sicherheitsanforderungen. Für viele alteingesessene Akteure der Branche mag das wie ein Widerspruch erscheinen – DeFi und Regulierung schienen lange unvereinbar. Doch genau diese Verbindung markiert die Richtung, in die sich die nächste Phase des Kryptosektors bewegen dürfte. MiCAR zwingt DeFi nicht in ein neues Korsett, sondern legitimiert es erstmals als Finanzinfrastruktur, die im Einklang mit europäischen Regeln agiert. Für institutionelle Investoren, die bisher vor regulatorischer Unsicherheit zurückschreckten, ist das ein entscheidendes Signal: Aave ist kein Experiment mehr, sondern ein reguliertes Produkt.

Parallel dazu geschah etwas, das symbolisch kaum größer sein könnte: Aaves neue Retail-App wurde im Apple App Store sichtbar. Die App ist funktional noch nicht vollständig geöffnet und arbeitet noch mit einer Warteliste – doch ihr Erscheinen in der wichtigsten digitalen Distributionsplattform der Welt ist ein Schritt, der die Bedeutung von DeFi über die Krypto-Nische hinaushebt. Die App präsentiert sich wie ein digitales Zinskonto, führt aber im Hintergrund komplexe Smart-Contract-Operationen aus, ohne dass der Nutzer dies überhaupt bemerkt. Damit macht Aave etwas, was DeFi bisher nie geschafft hat: es wird intuitiv. Und weil Apple seine Plattform streng kuratiert, ist allein die Sichtbarkeit dort eine Art implizite Legitimation.

Mehr zu der App und den Funktionen finden Sie hier.

Zusammen machen diese beiden Entwicklungen deutlich, dass DeFi dabei ist, die Schwelle zu überschreiten, die bisher den Zugang zum Massenmarkt verhindert hat. Wenn Aave es schafft, regulatorisch sauber und gleichzeitig nutzerfreundlich aufzutreten, könnte genau diese Kombination zum Modell werden, an dem sich eine ganze Branche orientiert.

Der Upbit-Hack: Eine erneute Erinnerung an die Schattenseite zentralisierter Infrastruktur

Während DeFi in dieser Woche einen Schritt Richtung institutioneller Reife machte, zeigte ein anderes Ereignis, wie gefährlich es weiterhin ist, sich auf zentrale Verwahrstrukturen zu verlassen. Die südkoreanische Börse Upbit, die in Asien eine dominante Rolle spielt und regelmäßig zu den volumenstärksten Plattformen weltweit gehört, bestätigte am 27. November einen Sicherheitsvorfall, bei dem rund 36,8 Millionen US-Dollar aus einer Solana-Hot-Wallet entwendet wurden.

Der Angriff, der frühmorgens koreanischer Zeit identifiziert wurde, führte dazu, dass Upbit umgehend sämtliche Ein- und Auszahlungen für die betroffenen Token sperrte. Die Börse erklärte, dass sämtliche Kundengelder vollständig ersetzt würden und die Verluste aus internen Reserven gedeckt würden. Diese Aussage mag beruhigend wirken, doch der Vorfall wirft (wieder einmal) grundlegende Fragen auf. Upbit ist eine der am strengsten regulierten Kryptobörsen der Welt, ihre Systeme gelten als vergleichsweise robust, und dennoch gelang Angreifern der Zugriff auf eine Hot-Wallet, die mit zweistelligen Millionenbeträgen befüllt war.

Die Reaktion im asiatischen Markt war kurzfristig spürbar: Volumina gingen zeitweise zurück, einige Anleger wechselten aktiv in Selbstverwahrung, und die Diskussion über Sicherheitsstandards zentralisierter Handelsplattformen erhielt neue Schubkraft. Der Markt weiß: Solange die Industrie Hot-Wallets betreibt, solange existiert ein Einfallstor für Attacken, das sich technisch nie vollständig schließen lässt. Der Upbit-Vorfall zeigt damit weniger eine Schwäche bei einer einzelnen Börse als eine strukturelle Achillesferse der gesamten Branche.

Regulatorische Debatte: Die SEC und die Zukunft tokenisierter Wertpapiere

Ein drittes Thema der Woche spielte sich im regulatorischen Raum ab – weniger spektakulär, aber von enormer Tragweite. In den USA spitzt sich die Debatte um tokenisierte Aktien und synthetische Finanzinstrumente zu. Die Securities and Exchange Commission (SEC) prüft derzeit eine Form der Ausnahmeregelung, die es bestimmten tokenisierten Aktienprodukten erleichtern würde, auf den Markt zu kommen. Was zunächst wie ein Fortschritt für Innovation klingt, hat bei mehreren großen Krypto-Handelsplätzen für deutliche Kritik gesorgt.

Dass Plattformen wie Coinbase, Kraken oder Bitfinex öffentlich davor warnen, dass die SEC hier eine zu weit gefasste Ausnahme schaffen könnte, markiert einen bemerkenswerten Wandel. Noch vor wenigen Jahren galt die Branche als vehement gegen jede Form von Regulierung. Heute sind es dieselben Akteure, die nach strengeren Regeln rufen – nicht, weil sie weniger Innovation wollen, sondern weil sie die Lehren aus den Nullzinsjahren, dem DeFi-Sommer 2021 und dem FTX-Kollaps gezogen haben. Ohne klare Standards droht ein Wildwuchs, der die Branche erneut ins Chaos stürzen könnte.

Diese Debatte zeigt, wie nahe die Tokenisierung klassischer Assets inzwischen an der Schwelle zur Massenadoption steht. Es geht längst nicht mehr darum, ob Aktien auf der Blockchain landen – sondern wie, unter welchen Bedingungen und mit welchen Kontrollmechanismen. Die Diskussion dieser Woche war ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten zu einem der wichtigsten Themen der gesamten Branche werden dürfte: die Regulierung digitaler, tokenisierter Finanzinstrumente.

Texas und Bitcoin: Ein symbolischer Schritt, der politisch große Wirkung entfalten könnte

Die vierte Nachricht der Woche dürfte eine der politisch bedeutendsten sein, die der Kryptosektor seit langem gesehen hat. Nach Angaben des Texas Blockchain Council hat der US-Bundesstaat Texas 5 Millionen US-Dollar in einen Bitcoin-ETF investiert und einen Budgetrahmen von 10 Millionen US-Dollar für Bitcoin-Exposure geschaffen. Sollte sich dieser Vorgang offiziell bestätigen, wäre Texas der erste US-Bundesstaat, der Bitcoin als Reserveinstrument in seine öffentliche Vermögensstruktur aufnimmt.

Selbst wenn die Summe vergleichsweise klein ist, wäre die Signalwirkung enorm. Staaten investieren in der Regel in extrem konservative Anlageklassen – Staatsanleihen, Kassenbestände, Rücklagen in Geldmarktinstrumenten. Dass Bitcoin, selbst in ETF-Form, nun in dieselbe Kategorie aufgenommen wird, markiert eine tektonische Verschiebung. Der Vorgang muss zudem im Kontext der politischen Identität Texas’ betrachtet werden: Der Staat hat sich in den letzten Jahren konsequent als Krypto-Hub positioniert – mit Mining-Clustern, günstiger Energieversorgung, erleichterten Regulierungen und gezielter Standortpolitik.

Allerdings muss man betonen, dass bislang keine explizite offizielle Bestätigung der texanischen Staatsregierung vorliegt. Die bisherigen Informationen stammen vom Texas Blockchain Council und aus journalistischen Recherchen. Dennoch ist der Schritt kaum zu ignorieren. Wenn Texas tatsächlich Bitcoin-Exposure hält, könnte das für andere US-Bundesstaaten – allen voran Wyoming oder Florida – als Blaupause dienen. Für den Markt wäre es das stärkste Zeichen staatlicher Legitimation seit der Zulassung der ersten Bitcoin-ETFs.

Fazit: Eine Branche, die zwei Schritte vor und einen zurück macht – aber klar nach vorn marschiert

Die vier Nachrichten dieser Woche erzählen gemeinsam eine Geschichte des Übergangs. DeFi wird benutzerfreundlich und reguliert. Zentrale Börsen bleiben verwundbar. Die Tokenisierung klassischer Wertpapiere rückt näher an den Massenmarkt. Und staatliche Stellen beginnen, Bitcoin als ernstzunehmenden Vermögenswert zu behandeln.

Es waren keine leichten Wochen für die Kurse. Aber diese war eine der inhaltlich wichtigsten Wochen des Jahres. In ihrem Zusammenspiel zeigen diese Entwicklungen, wie nah Krypto inzwischen an der Schwelle vom technologischen „Experiment“ zum festen Bestandteil der globalen Finanzarchitektur steht.

Podcast mit dem „Handelsblatt“

Wir folgten einer Einladung und in der aktuellen Folge des Handelsblatt Today Podcasts spricht Host Sandra Groeneveld mit Markus van de Weyer, Geschäftsführer von alpha beta asset management, über die jüngste Korrektur am Kryptomarkt – und was hinter dem deutlichen Rückgang des Bitcoin steckt.

Im Fokus der Folge:

    • Gründe für den Kursrückgang unter 100.000 US-Dollar
    • Rolle von Zwangsliquidationen, Hackerangriffen und Marktstimmung

    • Warum sich institutionelle Nachfrage trotzdem stabil zeigt

    • Was Anleger jetzt beachten sollten

Den aktuellen Podcast finden Sie hier.

Schönen Gruß aus Frankfurt – und ein entspanntes Wochenende! ☀️

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Markus van de Weyer, Gründer und Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

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