Hump of the week: Wer regiert die Märkte – KI oder die Fed?

Hump of the week: Wer regiert die Märkte: KI oder die Fed?

Hump of the week: Wer regiert die Märkte: KI oder die Fed?

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

Führende Köpfe der KI-Branche warnen vor den Risiken einer immer leistungsfähigeren Künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig könnte die US-Notenbank heute Abend erstmals seit drei Jahren wieder die Zinsen anheben. Damit treffen zwei Themen aufeinander, die die Kapitalmärkte auf sehr unterschiedlichen Zeithorizonten beschäftigen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Was sollte die Märkte stärker beschäftigen: KI oder die Fed?

Die Risiken der KI

Die jüngsten Warnungen aus der KI-Branche haben für Aufsehen gesorgt. Anthropic-Forscher Hubinger beziffert das Risiko, dass Künstliche Intelligenz innerhalb der nächsten zehn Jahre zur Auslöschung der Menschheit führt, auf mehr als 10 Prozent.

Auch Dario Amodei, Sam Altman und Elon Musk fordern stärkere Sicherheitsmassnahmen. Über die tatsächliche Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Extremszenarien wird allerdings gestritten.

Fest steht: Mit zunehmender Leistungsfähigkeit von KI rücken neben den wirtschaftlichen Chancen auch Fragen nach Sicherheit und Kontrollierbarkeit stärker in den Mittelpunkt.

KI wird erwachsen

Gleichzeitig wechselt Künstliche Intelligenz zunehmend von der Experimentierphase in die Implementierungsphase. Unternehmen verdienen echtes Geld mit der Technologie. Chipentwicklung, Cloud-Infrastruktur, Rechenzentren und Energieversorgung wachsen dabei immer stärker zu einem gemeinsamen Ökosystem zusammen.

Für Investoren verändert sich damit der Blick auf den Sektor. Nicht allein technologisches Potenzial und Wachstum zählen. Die Rentabilität der hohen Investitionen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Globale Koordination bei KI?

Die USA und China verfolgen unterschiedliche Strategien bei Künstlicher Intelligenz und konkurrieren gleichzeitig um die technologische Führungsrolle.

Gerade deshalb könnte eine internationale Verständigung über gemeinsame Sicherheitsstandards an Bedeutung gewinnen. Am 24. September treffen sich Trump und Xi zu einem Gipfel.

Die Frage nach dem Umgang mit immer leistungsfähigeren KI-Systemen ist damit längst nicht mehr nur ein technologisches oder wirtschaftliches Thema. Sie bekommt zunehmend auch eine geopolitische Dimension.

KI und Fed: Heute richtet sich der Blick auf die US-Notenbank

Während Künstliche Intelligenz die Wirtschaft mittel- bis langfristig verändern dürfte, steht für die Kapitalmärkte heute zunächst die Federal Reserve im Mittelpunkt.

Der Markt preist eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent ein. Damit wäre nicht die Zinserhöhung selbst die Überraschung, sondern ihr Ausbleiben.

Noch wichtiger als die eigentliche Entscheidung dürfte deshalb die anschliessende Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh werden. Für die Märkte wird entscheidend sein, welche Signale er für den weiteren geldpolitischen Kurs sendet.

Vier Fazits

1. KI bietet enorme Chancen und neue Risiken

Künstliche Intelligenz kann Produktivität und Innovation erheblich steigern. Gleichzeitig wachsen mit ihren Fähigkeiten auch die damit verbundenen Risiken.

Unabhängige Kontrollen, gemeinsame Sicherheitsstandards und internationale Zusammenarbeit dürften deshalb zunehmend an Bedeutung gewinnen.

2. Die nächste Stufe der KI beginnt

Für Investoren verschiebt sich der Fokus von Wachstum um jeden Preis hin zur Rentabilität. Die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz müssen zunehmend durch tragfähige Geschäftsmodelle gerechtfertigt werden.

Gleichzeitig entwickeln sich Cybersicherheit und Kontrollierbarkeit zu zentralen Herausforderungen.

3. Wenig „room for error“ bei der Fed

Eine Zinserhöhung ist inzwischen weitgehend eingepreist. Bleibt sie aus, könnte der Markt hinterfragen, ob die Federal Reserve grössere Konjunkturrisiken sieht als bislang angenommen.

Noch wichtiger wird deshalb sein, ob Kevin Warsh weitere Zinsschritte signalisiert.

4. Zwei Zeithorizonte, zwei Markttreiber

Künstliche Intelligenz dürfte Wirtschaft und Kapitalmärkte über Jahre hinweg verändern. Heute Abend regiert dagegen zunächst die Fed.

Der S&P 500 zeigt bislang bemerkenswerte Ruhe. Bei hohen Bewertungen können allerdings bereits kleine Veränderungen der Zinserwartungen erhebliche Auswirkungen auf die Märkte haben.

Die zentrale Frage

Langfristig verändert KI die Spielregeln. Kurzfristig bestimmt die Fed den Preis dafür. Gelingt der Fed eine Zinserhöhung ohne neuen Schock?

 

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