Hump of the week: Führt KI zu höheren Zinsen?

Hump of the week: Führen KI-Investitionen zu höheren Zinsen?

Aktueller Wochenkommentar: „Führt KI zu höheren Zinsen? Was die steigenden KI-Investitionen für Kapitalmärkte bedeuten?“

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Geschäftsmodelle, Produktivität und Wettbewerbsstrukturen. Zunehmend stellt sich auch eine andere Frage:

Welche Auswirkungen haben die steigenden KI-Investitionen auf Zinsen und Kapitalmärkte?

Die Investitionssummen wachsen rasant. Finanziert wird nicht mehr ausschließlich aus laufenden, freiem Cashflows, sondern zunehmend über Eigen- und Fremdkapital.

Die entscheidende Frage lautet daher:

Führt der steigende Kapitalbedarf durch KI langfristig zu höheren Zinsen?

Die Ausgangslage: KI-Investitionen erreichen neue Dimensionen

Die großen KI- und Technologieunternehmen nehmen derzeit massiv Kapital auf.

Aktienrückkäufe werden reduziert, Kapitalerhöhungen vorbereitet und Rekordanleihen emittiert.

Allein im Jahr 2026 haben Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle bereits rund 170 Milliarden US-Dollar am Anleihemarkt aufgenommen – deutlich mehr als in den Vorjahren.

Die Finanzierung der Technologieinvestitionen erfolgt damit zunehmend über Fremdkapitalaufnahmen am Kapitalmarkt,  und dabei in unterschiedlichsten Währungen.

Der volkswirtschaftliche Rahmen: KI-Investitionen treffen auf ein anspruchsvolles Umfeld

Der steigende Kapitalbedarf entsteht nicht in einem neutralen Umfeld.

Gleichzeitig steigen Geldmarktzinsen in den USA infolge des Energiepreisschocks. Parallel dazu erhöhen westliche Staaten ihre Neuverschuldung und nehmen Rekordvolumina am Kapitalmarkt auf.

Der Kapitalbedarf einer möglichen Jahrhundert-Innovation trifft damit auf eine ohnehin hohe Nachfrage nach Fremdfinanzierung.

Der Anleihemarkt: Noch sind die Finanzierungskosten tragbar

Bislang bleiben die Risikoaufschläge historisch niedrig.

Nvidia kann aktuell rund 25 Milliarden US-Dollar über Laufzeiten zwischen zwei und dreißig Jahren aufnehmen – zu Renditen zwischen rund 4,3 % und 5,6 %.

Für Geschäftsmodelle mit hohen Renditeerwartungen erscheinen Kapitalkosten unterhalb von sechs Prozent derzeit noch verkraftbar.

Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie stabil dieses Umfeld bleibt.

Die Käuferseite: Liquidität ist weiterhin vorhanden

Bislang zeigt sich die Nachfrageseite robust.

Sowohl große Börsengänge wie SpaceX als auch Anleiheemissionen wie Nvidia mit einem Orderbuch von rund 85 Milliarden US-Dollar wurden deutlich überzeichnet.

Die Nachfrage nach KI- und Space-Themen bleibt hoch.

Das spricht dafür, dass Investoren weiterhin bereit sind, erhebliche Mittel in Zukunftstechnologien zu investieren.

Die Dimension: Entsteht ein neuer Investitionszyklus?

SpaceX, Anthropic und OpenAI könnten gemeinsam ein Emissionsvolumen erreichen, das an die gesamte Dotcom-IPO-Welle zwischen 1995 und 2000 erinnert.

Das verdeutlicht die Größenordnung der aktuellen Entwicklung.

Gleichzeitig entsteht daraus eine neue Frage: Kapital, das in KI und Space investiert wird, steht möglicherweise anderen Teilen der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Und: Wir stehen möglicherweise erst am Anfang dieser Entwicklung!

Vier kurze Fazits

Fazit 1: Das Warnsignal

KI wird zunehmend über Fremdkapital finanziert.

Solange Risikoaufschläge niedrig bleiben, funktioniert dieses Modell.

Steigen die Spreads, steigen auch die Kapitalkosten – und damit der Druck auf die Geschäftsmodelle.

Fazit 2: Warum gerade jetzt?

Die großen Technologieunternehmen sichern sich Kapital, solange die Finanzierungskosten attraktiv erscheinen.

Vielleicht wird das Kapital nicht heute benötigt – aber sehr wahrscheinlich morgen.

Fazit 3: KI bleibt der Makrotrend

Ohne die aktuellen Technologieinvestitionen wäre das US-Wachstum deutlich schwächer – möglicherweise kaum noch existent.

Der Kapitalbedarf dürfte daher hoch bleiben.

Die Frage ist nicht, ob investiert wird – sondern zu welchen Kosten.

Fazit 4: Superzyklus oder Bubble?

Wenn Unternehmen, Staaten und Zukunftssektoren gleichzeitig Kapital nachfragen, wirkt das tendenziell zinserhöhend.

Das ist kein automatisches Krisensignal.

Es bleibt jedoch ein Risiko, das Anleger nicht ignorieren sollten.

Diversifikation bleibt der Königsweg.

Die zentrale Frage: Fließt aktuell zu viel Liquidität in Technologie – oder erleben wir die frühe Phase eines echten KI-Superzyklus?

 

 

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