Hump of the week: Das japanische Wunder!?

Japanisches Wunder 2025? | Marktkommentar zum Kapitalmarkt und Konjunktur Japan von Carsten Vennemann

Aktueller Wochenkommentar: „Das japanische Wunder!?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Japan erlebt derzeit eine bemerkenswerte Phase. Seit fünf Wochen steht mit Sanae Takaichi erstmals eine Frau an der Spitze der Regierung – und die Märkte reagieren ausgesprochen positiv.

Der Nikkei 225 stieg im Oktober um beeindruckende 16,6 Prozent und liegt im Jahr 2025 trotz der jüngsten Korrektur noch immer rund 22 Prozent im Plus. Allerdings hat der Yen seit Jahresbeginn etwa 10 Prozent gegenüber dem Euro verloren. Dieser Währungseffekt relativiert einen Teil der Performance – ändert jedoch nichts an der deutlich verbesserten Marktstimmung.

Ein Konjunkturpaket von außergewöhnlicher Größe

Eine der ersten großen Initiativen der neuen Premierministerin ist ein umfangreiches Konjunkturpaket über JPY 21,3 Billionen.

Es umfasst:

  • JPY 17,7 Bill. an zusätzlichen Ausgaben
  • JPY 2,7 Bill. an Steuersenkungen

Damit steigen die staatlichen Ausgaben um 27,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entscheidung des Parlaments dazu soll am 28. November fallen.

Inflation über dem Ziel – ein Paradigmenwechsel für Japan

Die Kernverbraucherpreise stiegen im Oktober um 3,0 Prozent und übertrafen damit erneut das 2-Prozent-Ziel der Bank of Japan.

Auch die Großhandelspreise legten um 2,7 Prozent zu – getrieben durch höhere Kosten bei Reis, anderen Grundnahrungsmitteln und Nichteisenmetallen.

Die Bank of Japan stuft diese Daten als wichtigen Frühindikator für die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise ein.

Gleichzeitig gibt es Bedenken über die fiskalische Tragfähigkeit des Konjunkturprogramms sowie hinsichtlich weiteren Drucks auf den Yen.

BoJ-Gouverneur Ueda hält daran fest, dass die Inflation schrittweise auf das Ziel zulaufe, während Finanzministerin Katayama betont, dass dieses Ziel noch nicht nachhaltig erreicht sei. Die Balance bleibt sensibel: Zu viel Zinsstraffung würde den Aufschwung abbremsen – zu wenig birgt Inflationsrisiken.

Strukturelle Reformen als Rückenwind

Neben der kurzfristigen fiskalischen Unterstützung profitiert Japan von langfristigen Strukturreformen, die teilweise bereits seit Jahren wirken und nun an Dynamik gewinnen:

  • Corporate-Governance-Reformen fördern höhere Aktienrückkäufe, attraktivere Dividenden und effizientere Unternehmensstrukturen
  • Fortschritte bei Arbeitsmarkt- und Fachkräftepolitik wirken dem chronischen Arbeitskräftemangel entgegen
  • Die Digitalisierung kommt beispielhaft voran, unterstützt durch regulatorische Entbürokratisierung (!)
  • Eine aktive Energie- und Industriepolitik stärkt die Wettbewerbsfähigkeit

Diese Kombination erhöht das Interesse internationaler Anleger und macht Japan zunehmend zu einem strategischen Gegenpol zu China – wirtschaftlich modern, politisch stabil und kapitalmarktorientiert.

Fazit 1: Mit rund 3 Prozent Inflation liegt Japan aktuell deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der Bank of Japan. Nach Jahrzehnten der Deflation ist dies ein grundlegender Wandel – und eine neue Herausforderung.

Fazit 2: Internationale Investoren kehren zurück. Japan wird immer stärker als innovativer Gegenpol zu China und als Stabilitätsanker in einer zunehmend volatilen Welt wahrgenommen.

Fazit 3: Japan zählt derzeit zu den spannendsten Märkten weltweit. Politischer Rückenwind, Reformenergie und wirtschaftliches Potenzial eröffnen Chancen – doch das Risiko geldpolitischer Fehlentscheidungen bleibt hoch. Selektives Vorgehen und ein genaues Beobachten der BoJ sind entscheidend.

Wie schätzen Sie Japan ein?

Ist das Land auf dem Weg zu einem neuen Wirtschaftswunder – oder überschätzt der Markt die aktuelle Dynamik?

 

Vennemann HiRes 5624

 

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