Hump of the week: Die Rückkehr der Crash-Gurus

Hump of the week: Die Rückkehr der Börsencrash Gurus

Aktueller Wochenkommentar: „Die Rückkehr der Börsencrash Gurus“

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Aktien sind hoch bewertet, aus Zinssenkungshoffnungen wurden Zinserhöhungserwartungen. Für viele Anleger ist das ein gefährlicher Mix.

Jede Hausse bringt sie zurück: die Crash-Gurus. Auch diesmal haben sie durchaus gute Argumente. Die entscheidende Frage lautet daher:

Reicht das bereits für den nächsten Börsencrash?

Die Crash-Gurus melden sich zurück

Mit steigenden Bewertungen nehmen auch die Warnungen zu. Charts werden mit früheren Crashs verglichen, Marktindikatoren analysiert und historische Parallelen gezogen.

Die Botschaft lautet häufig: „Diesmal ist es wieder so weit.“

Solche Warnungen finden besonders dann Gehör, wenn Märkte bereits weit gelaufen sind und Anleger nach möglichen Risiken suchen. Auch deshalb rücken Crash-Prognosen in starken Marktphasen regelmäßig wieder in den Vordergrund.

Warum Crash-Prognosen so viel Aufmerksamkeit bekommen

Einige dieser aktuellen Crash-Propheten lagen während der Finanzkrise 2008/09 spektakulär richtig. Das verschafft ihnen bis heute große Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit.

Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass ein einmaliger Treffer nicht automatisch bedeutet, auch den nächsten Wendepunkt exakt vorhersagen zu können. Märkte folgen selten einfachen Wiederholungsmustern.

Gerade deshalb sollten Anleger zwischen berechtigter Risikoanalyse und sehr konkreten Crash-Prognosen unterscheiden.

Die Risiken sind real

Hohe Bewertungen, steigende Geldmarktzinsen, enorme KI-Investitionen, hoher Kapitalbedarf und eine teilweise euphorische Stimmung rund um künstliche Intelligenz gehören zweifellos zum aktuellen Marktbild.

Diese Risiken sollte niemand ignorieren.

Gleichzeitig ist ein erhöhtes Bewertungsniveau allein noch kein ausreichender Grund für einen unmittelbaren Markteinbruch. Entscheidend ist, ob zusätzliche Belastungsfaktoren hinzukommen, die das Vertrauen der Anleger nachhaltig verändern könnten.

Börsencrash oder Blase? Warum die Diagnose schwierig bleibt

Für Korrekturen und Bärenmärkte gibt es klare Definitionen. Für Blasen gilt das nicht in gleicher Weise.

Vor allem aber muss nicht jede Blase spektakulär platzen. Manchmal baut sich eine Überbewertung über längere Zeit ab, etwa durch Gewinnwachstum, Seitwärtsbewegungen oder eine schrittweise Anpassung der Erwartungen.

Genau deshalb ist die Diagnose oft schwieriger, als es viele Schlagzeilen vermuten lassen.

Vier kurze Fazits

Fazit 1: Crashs entstehen selten nur wegen hoher Bewertungen

Historisch waren häufig eine neue, restriktivere Geldpolitik oder größere Probleme im Finanzsystem die eigentlichen Auslöser.

Genau diese Faktoren verdienen aktuell die größte Aufmerksamkeit. Sie erscheinen jedoch noch nicht akut.

Fazit 2: Punktprognosen sind überschätzt

Der exakte Wendepunkt lässt sich kaum seriös vorhersagen.

Entscheidend ist weniger die einzelne Prognose als ein robuster Investmentprozess. Eine einzige Vorhersage ersetzt noch keine umfassende Anlagestrategie.

Fazit 3: Risikomanagement statt Kristallkugel

Ein Vermögensverwalter sollte weder dauerhaft optimistisch noch dauerhaft pessimistisch sein.

Entscheidend ist, Risiken laufend zu beobachten und zu messen, Marktveränderungen zu erkennen und Portfolios entsprechend anzupassen.

Fazit 4: Diversifikation bleibt die beste Versicherung

Überbewertungen können jederzeit korrigieren.

Wer jedoch breit diversifiziert investiert, reduziert das Risiko deutlich, ohne dauerhaft auf Renditechancen verzichten zu müssen.

Die zentrale Frage: Erleben wir gerade eine gesunde Rotation zwischen den Aktienmarktsektoren oder bereitet sich tatsächlich der nächste große Risikoabbau vor?

 

 

 

 

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