Hump of the week: Krise braucht Optimismus

Hump of the week: Krise braucht Optimismus (Aktienmarkt: Korrektur oder Crash?)

Aktueller Wochenkommentar: „Krise braucht Optimismus“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Die Nachrichtenlage bleibt angespannt. Ein Ende des Konflikts im Nahen Osten ist weiterhin nicht absehbar, ein politischer Umbruch im Iran zeichnet sich nicht ab. Viele Unsicherheiten bleiben bestehen und prägen das aktuelle Marktumfeld.
 
Gleichzeitig zeigt sich ein differenzierteres Bild. Neben den anhaltenden Risiken sind auch stabilisierende Faktoren erkennbar, die von den Märkten bislang durchaus wahrgenommen werden.
 
Die entscheidende Frage lautet daher: Ist die Lage ausschließlich negativ – oder entstehen gerade neue Chancen?
 
Im Folgenden eine Einordnung aus Sicht der Kapitalmärkte.
 

Korrektur am Aktienmarkt – kein Crash

 
Seit Ende Februar hat der DAX rundzehn Prozent verloren und befindet sich damit in einer klassischen Korrekturphase. Solche Bewegungen sind historisch betrachtet nicht ungewöhnlich und treten auch in grundsätzlich stabilen Marktphasen durchaus auf.
 
Auffällig ist, dass bislang keine Anzeichen für eine ausgeprägte Marktpanik erkennbar sind. Die US-Märkte zeigen sich insgesamt robuster und liegen mit rund sechs Prozent im Minus deutlich stabiler. Selbst wachstumsorientierte Segmente, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, weisen weiterhin eine relative Stärke auf.
 
Die aktuelle Entwicklung spricht eher für eine geordnete Anpassung der Bewertungen als für eine systemische Stressphase.
 

Stagflation als Risiko – Entspannung als Chance

 
Als zentrales Risikoszenario wird derzeit ein stagflationäres Umfeld diskutiert. Steigende Energiepreise könnten das Wirtschaftswachstum bremsen und gleichzeitig den Inflationsdruck erhöhen.
 
Gleichzeitig bleibt ein alternatives Szenario bestehen. Eine rasche Entspannung im Nahen Osten hätte das Potenzial, Energiepreise spürbar zu senken und damit einen globalen Wachstumsimpuls auszulösen.
 
Die Kapitalmärkte bewegen sich aktuell im Spannungsfeld dieser beiden Entwicklungen und berücksichtigen bei der Marktbepreisung beide Szenarien.
 

Geldpolitik bleibt ein stabilisierender Faktor

 
Die US-Notenbank signalisiert weiterhin Spielraum für Zinssenkungen und rechnet derzeit mit mindestens einem Zinsschritt im Verlauf des Jahres 2026. Der anstehendeWechsel an der Spitze der Notenbank dürfte einegrundsätzlich unterstützenden Ausrichtung eher noch verstärken.
 
Die Europäische Zentralbank agiert aktuell abwartend, verfügt jedoch im Falle einer weiteren Eintrübung über Handlungsspielraum. Gleichzeitig ist erkennbar, dass die Erfahrungen aus den Jahren 2022 und 2023 zu einer vorsichtigeren geldpolitischen Haltung führen könnten.
 
Insgesamt bleibt die Geldpolitik ein wesentlicher stabilisierender Faktor für die Kapitalmärkte.
 

Geopolitische Neuordnung und veränderte Handelsstrukturen

 
Die globale Wirtschaftsordnung entwickelt sich zunehmend in Richtung einer multipolaren Struktur. Die Europäische Union reagiert darauf mit einer gezielten Diversifizierung ihrer Handelsbeziehungen.
 
Neue Abkommen mit Indien und Australien stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Parallel dazu positionieren sich auch große Volkswirtschaften wie China und Indien strategisch neu und bauen ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit weiter aus.
 
Diese Verschiebungen wirken sich nicht nur auf Handelsströme aus, sondern beeinflussen langfristig auch Kapitalflüsse und Marktmechaniken.
 

Markttechnik: Gedrückte Stimmung ohne Kapitulation

 
Stimmungsindikatoren wie Sentix zeigen eine deutlich eingetrübte Marktstimmung. Gleichzeitig fehlt bislang ein klarer Hinweis auf eine breite Kapitulation der Marktteilnehmer.
 
Ein sogenannter „Wash-out“, der in vielen Marktphasen als Abschluss einer Korrektur beobachtet wird, ist bisher ausgeblieben. In der Vergangenheit folgten auf solche Phasen häufig Stabilisierungstendenzen.
 
Institutionelle Investoren agieren derzeit weiterhin vergleichsweise ruhig und bleiben auf mittlere Sicht konstruktiv positioniert.
 

Anlageklassen im aktuellen Umfeld

 
Die Entwicklung der verschiedenen Anlageklassen zeigt ein differenziertes Bild.
 
Aktien befinden sich in einer erwartbaren Korrekturphase. Staatsanleihen verlieren angesichts hoher globaler Verschuldung zunehmend an Attraktivität als klassischer sicherer Hafen. Metalle geben nach vorangegangenen Kursgewinnen kurzfristig nach.
 
Auffällig ist hingegen die Stabilität von Bitcoin sowie die relative Stärke von Software- und KI-Aktien. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der aktuellen Marktbewegungen strukturell geprägt ist und nicht ausschließlich konjunkturellen Schwankungen folgt.
 

Vier Fazits


Die zentrale Frage bleibt:

Blicken Sie durch die aktuelle Krise hindurch – oder erwarten Sie einen echten Crash?

 

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