Marktberichte
Hump of the week: Hat Gold nur pausiert?
Aktueller Wochenkommentar: „Goldpreis: War die Korrektur nur eine Atempause?“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH
Der Goldpreis hat nach seinem Rekordhoch im Januar zwischenzeitlich deutlich korrigiert. In den vergangenen Wochen ging es jedoch wieder kräftig nach oben. Aktuell notiert Gold bei rund 4.650 US-Dollar je Feinunze.
Damit rückt eine Frage wieder in den Mittelpunkt: War die Korrektur nur eine Atempause im langfristigen Aufwärtstrend des Goldpreises?
Warum der Goldpreis zunächst korrigierte
Zwei Faktoren haben Gold nach dem Januar-Hoch belastet. Zum einen kam es nach der aussergewöhnlichen Rally zu Gewinnmitnahmen. Zum anderen veränderten steigende Zinserwartungen in den USA das Umfeld.
Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge erwirtschaftet. Steigen die Renditen verzinslicher Anlagen, nimmt deren Attraktivität gegenüber Gold entsprechend zu.
Wer kauft Gold?
Ein struktureller Treiber bleibt die Diversifikation globaler Währungsreserven. Zentralbanken, allen voran China, reduzieren teilweise ihre Abhängigkeit von klassischen Reserveanlagen und erhöhen stattdessen ihre Goldbestände.
Gold ist knapp, weltweit handelbar und besitzt kein unmittelbares Gegenparteirisiko. Diese Eigenschaften machen das Edelmetall für Zentralbanken unabhängig von kurzfristigen Preisbewegungen interessant.
Zentralbanken bleiben wichtige Käufer
Nach einem schwachen ersten Quartal nahm die Nachfrage der Zentralbanken im zweiten Quartal wieder deutlich zu. Netto kauften sie rund 289 Tonnen Gold. Das waren 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Die strategische Nachfrage ist damit keineswegs verschwunden und bleibt ein wichtiger Faktor für den Goldpreis.
Privatanleger kehren an den Goldmarkt zurück
Bei Gold-ETFs war das zweite Quartal zunächst von Abflüssen geprägt. Im Juli änderte sich das Bild. Weltweit flossen wieder rund drei Milliarden US-Dollar in Gold-ETFs.
Damit wirken die strategische Nachfrage der Zentralbanken und das zurückkehrende Interesse privater Anleger wieder in dieselbe Richtung.
Investmentbanken bleiben beim Goldpreis optimistisch
Auch die Erwartungen der Investmentbanken bleiben größtenteils positiv. Goldman Sachs erwartet zum Jahresende weiterhin einen Goldpreis von rund 4.900 US-Dollar je Feinunze.
Die Prognosen gehen allerdings weit auseinander. Für die weitere Entwicklung dürften vor allem die Zinsen, der US-Dollar und die Nachfrage der Zentralbanken entscheidend bleiben.
Weniger Spekulation, mehr fundamentale Hintergründe?
Nach der Euphorie zu Jahresbeginn hat sich die spekulative Positionierung am Goldmarkt deutlich reduziert. Gleichzeitig ist der Goldpreis zuletzt wieder gestiegen.
Steigende Kurse bei einer geringeren spekulativen Positionierung könnten darauf hindeuten, dass die aktuelle Erholung auf einer solideren Basis steht als die vorherige Rally.
Welche Risiken bleiben für Gold?
Das grösste kurzfristige Risiko bleibt ein erneuter Anstieg der US-Zinserwartungen. Steigende Realzinsen würden die Konkurrenz durch verzinsliche Anlagen wieder erhöhen.
Auch bei einer Korrektur am Aktienmarkt muss Gold nicht zwangsläufig steigen. Investoren können in solchen Situationen Gewinne bei Gold realisieren, um Liquiditätsbedarf an anderer Stelle zu decken.
Vier Fazits zum Goldpreis
1. Die strategische Nachfrage bleibt intakt
Zentralbanken kaufen Gold zur Diversifikation ihrer Reserven und als Vermögenswert ohne unmittelbares Gegenparteirisiko. Diese Nachfrage hängt nicht allein von kurzfristigen Zinsbewegungen ab und bleibt damit ein wichtiger struktureller Faktor.
2. Gold ist nicht risikofrei
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden. Steigende Realzinsen erhöhen deshalb die Konkurrenz durch verzinsliche Anlagen. Die jüngste Korrektur hat zudem gezeigt, dass auch der Goldpreis erheblich schwanken kann.
3. Die Spekulation kehrt zurück, aber anders
Das Anlegerinteresse nimmt wieder zu, während die spekulative Positionierung noch deutlich unter früheren Höchstständen liegt. Die jüngste Rally wirkt damit bislang weniger euphorisch als zu Jahresbeginn.
4. Der Portfoliokontext entscheidet
Gold weist langfristig eine geringe Korrelation zu Aktien auf und kann damit zur Diversifikation eines Portfolios beitragen. Hohe Staatsverschuldung, geopolitische Risiken und die Diversifikation globaler Währungsreserven liefern zusätzliche Argumente.
Die Korrektur hat möglicherweise den Preis verändert, nicht aber die langfristige Investmentthese.
Die zentrale Frage: Hat die Korrektur lediglich die Spekulation aus dem Goldmarkt genommen und damit vielleicht sogar die Grundlage für den nächsten Anstieg geschaffen?

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