Hump of the week: Gold – Vergangenheit oder Zukunft?

Hump of the week: Gold – Vergangenheit oder Zukunft?

Aktueller Wochenkommentar: „Gold – Vergangenheit oder Zukunft?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Gold war im Jahr 2025 eine der erfolgreichsten Anlageklassen weltweit – mit einem Anstieg von rund 46 Prozent in US-Dollar.

Auch 2026 zeigt bislang ein positives Bild, allerdings mit deutlich erhöhter Volatilität. Das wirft für viele Anleger eine zentrale Frage auf:

Ist Gold ein unverzichtbarer Bestandteil eines diversifizierten Portfolios?

Hohe Volatilität trotz positiver Entwicklung

Der Goldpreis hat in den ersten Monaten des Jahres 2026 erhebliche Schwankungen gezeigt.

Im Januar wurden zwischenzeitlich Höchststände von über 5.400 US-Dollar je Feinunze erreicht. In der darauffolgenden Korrektur fiel der Preis um rund 1.000 US-Dollar, bevor er sich aktuell im Bereich von etwa 4.800 US-Dollar stabilisierte.

Trotz dieser deutlichen Bewegungen steht seit Jahresbeginn weiterhin ein Plus von rund 10 Prozent.

Diese Entwicklung verdeutlicht: Gold bleibt ein chancenreicher, aber kurzfristig schwankungsanfälliger Markt.

Die klassische Sicht auf Gold

Traditionell wird Gold als zinsloses Wertaufbewahrungsmittel betrachtet.

Aus dieser Perspektive passt es nur bedingt in wachstumsorientierte Portfolios, da es keine laufenden Erträge generiert und in Phasen steigender Zinsen gegenüber zinstragenden Anlagen an Attraktivität verlieren kann.

Diese Sichtweise prägt nach wie vor viele Anlageentscheidungen – greift jedoch zunehmend zu kurz.

Die neue Rolle von Gold im globalen System

Die Bedeutung von Gold verändert sich im aktuellen Marktumfeld spürbar.

Zentralbanken und Staaten, insbesondere außerhalb des westlichen Finanzsystems, diversifizieren ihre Reserven zunehmend weg vom US-Dollar und von US-Staatsanleihen. Besonders Länder mit Handelsbilanzüberschüssen bauen ihre Goldbestände aus.

Gold bietet in diesem Kontext mehrere Eigenschaften:

  • Stabilität in geopolitisch unsicheren Zeiten
  • Schutz vor Inflation und Währungsabwertung
  • Hohe globale Akzeptanz unabhängig von einzelnen Währungsräumen

Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Die weltweit steigende Staatsverschuldung erhöht langfristig die Attraktivität von Gold als Wertspeicher.

Was den Goldpreis aktuell bremst

Die Korrektur im ersten Quartal 2026 wurde häufig mit steigenden Zinsen im Zuge höherer Energiepreise sowie mit geopolitischer Unsicherheit begründet.

Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Korrektur bereits im Januar eingesetzt hat. Vieles spricht daher für klassische Gewinnmitnahmen nach einer außergewöhnlich starken Rallye mit zuletzt sehr hohem Momentum.

Ein weiterer Aspekt: In Phasen erhöhter Marktunsicherheit wird Gold häufig als Liquiditätsquelle genutzt. Investoren realisieren Gewinne, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen oder Liquidität aufzubauen.

Marktpositionierung: Potenzial durch strukturelle Nachfrage

Die Rallye im Goldpreis wurde zuletzt auch durch spekulative Investoren verstärkt.

Mit der Korrektur haben sich viele dieser Marktteilnehmer zurückgezogen und Gewinne realisiert. Gleichzeitig bleibt Gold in vielen institutionellen Portfolios weiterhin unterrepräsentiert – häufig mit Allokationen von nur rund einem Prozent oder weniger.

Vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen in der Welt könnte hier mittelfristig Nachholpotenzial entstehen.

Vier zentrale Einordnungen für Anleger

Fazit 1: Fundamentale Nachfrage bleibt intakt

Zentralbanken und strukturelle Käufer stützen den Markt. Die langfristigen Argumente für Gold haben weiterhin Bestand und wirken unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.

Fazit 2: Volatilität ist Teil des Marktes

Spekulative Kapitalströme verstärken sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen. Das erhöht kurzfristig die Schwankungsanfälligkeit, verändert jedoch nicht die strukturelle Rolle von Gold.

Fazit 3: Geopolitik und Zinsen bleiben entscheidende Treiber

Steigende Zinsen können Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen unter Druck setzen. Gleichzeitig führen geopolitische Spannungen häufig zu liquiditätsbedingten Verkäufen. Umgekehrt gilt: Geopolitische Entspannung und eine lockerere Geldpolitik können den Aufwärtstrend erneut verstärken.

Fazit 4: Gold bleibt strategisch relevant

Die geringe Korrelation zu klassischen Anlageklassen, der Inflationsschutz und die Funktion als Absicherung gegen geopolitische Risiken sprechen weiterhin für Gold in Anlagestrategien. Gleichzeitig entsteht mit digitalen Assets wie Bitcoin zunehmend Wettbewerb um diese Rolle.

Die zentrale Frage: Nutzen Sie Gold aktiv zur Diversifikation – oder setzen Sie auf Alternativen?

 

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