Hump of the week: Geopolitik: die neue Geldpolitik?

Geopolitik und Geldpolitik 2026 prägen die Kapitalmärkte stärker als Zinsen. Einordnung zu Märkten, Bewertungen, Risiken und Diversifikation.

Aktueller Wochenkommentar: „Geopolitik: die neue Geldpolitik?“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Wenn Politik die Märkte stärker bewegt als die Leitzinsen

 
Über Jahre hinweg war die Geldpolitik der wichtigste Treiber der Kapitalmärkte. Leitzinsen, Liquiditätsversorgung und Forward Guidance der Geldpolitik bestimmten die Richtung. In den vergangenen Monaten – und besonders zuletzt – entsteht jedoch ein anderer Eindruck: Geopolitik überlagert zunehmend klassische Marktlogiken.
 
Diese Verschiebung verändert nicht die Grundmechanik der Märkte, wohl aber ihre kurzfristige Dynamik.
 

Langfristig bleibt die Logik der Kapitalmärkte intakt

 
Unabhängig von politischen Spannungen gilt weiterhin: Aktienmärkte bewerten die zukünftigen Gewinne von Unternehmen und Volkswirtschaften. Politische Unruhe ändert daran langfristig wenig. Fundamentaldaten, Produktivität und Wachstum bleiben die Basis jeder Bewertung.
 

Kurzfristig verändert sich die Weltordnung spürbar

 
Kurzfristig jedoch nimmt die Unsicherheit deutlich zu. Die Welt bewegt sich sichtbar von einer eher multipolaren Struktur in Richtung einer bipolaren Ordnung: USA versus China, System gegen System. Diese Entwicklung prägt Investitionsentscheidungen, Lieferketten und geopolitische Allianzen.
 
Bündnisse verlieren an Verlässlichkeit. Jüngste außenpolitische US-Manöver – etwa in Bezug auf die Ukraine, Venezuela oder Grönland – senden ein klares Signal: Nationale Interessen stehen über langfristigen Partnerschaften. Diese Signale werden international genau beobachtet, insbesondere in Peking.
 

Märkte reagieren gelassen – noch

 
Trotz dieser Entwicklungen zeigen sich die Kapitalmärkte bislang bemerkenswert entspannt. Die Stimmung ist „Risk-On“: Öl-, Rüstungs- und Technologieaktien legen zu, das Sentiment ist ausgesprochen gut.
 
Doch Vorsicht ist angebracht. Geopolitik ist kein Zinspfad. Sie ist nicht planbar, sie folgt keiner Forward Guidance. Was gestern noch undenkbar schien, muss heute in Risikomodelle integriert werden.
 

Hohe Bewertungen treffen auf steigende Risiken

 
An den ambitionierten Bewertungen vieler Märkte – insbesondere im Technologiesektor – ändert dies kurzfristig wenig. Doch wenn Risiken bereits hoch waren, sind sie durch geopolitische Unsicherheit und steigende Märkte nochmals gestiegen.
 
Behavioural-Finance-Daten von Sentix zeigen eine sinkende Wertwahrnehmung bei gleichzeitig guter Stimmung. Diese Kombination ist historisch kein günstiges Signal.
 

Vier kurze Fazits:

 
Fazit 1: Die Fundamentaldaten bleiben stabil. Geldpolitik wirkt weiterhin unterstützend, die Konjunktur liefert solide Gewinne – vor allem bei globalen Large Caps.
 
Fazit 2: Das Marktgefühge ist fragil. Es fühlt sich nach Endgame an. Vertrauen ist die Basis von Handel – und Handel ist die Basis von Wohlstand.
 
Fazit 3: Die Welt ist unsicherer geworden. Wer Spielregeln im Sekundentakt ändert, erhöht Volatilität. Globale Diversifikation bleibt daher das Gebot der Stunde.
 
Fazit 4: Es gibt keinen Grund, bereits im Januar zu resignieren. Gerade Europa sollte jetzt Gestaltungskraft zeigen und Verantwortung übernehmen. Optimismus bleibt erlaubt – Naivität nicht.
 
Die zentrale Frage zum Jahresstart lautet daher: Mit welchen Erwartungen starten Anleger in ein Börsenjahr, in dem Geldpolitik und Geopolitik enger miteinander verwoben sind als je zuvor?

 

Vennemann HiRes 5624

 

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