Hump of the week: Edelmetalle glänzen immer?

Hump of the week: Edelmetalle glänzen immer?

Aktueller Wochenkommentar: „Edelmetalle im Fokus: Ausrutscher oder Wendepunkt“ 

Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH

Der abrupte Preisrückgang bei Gold, Silber und anderen Metallen am Freitag der Vorwoche sowie zu Wochenbeginn war historisch. In der kurzfristigen Betrachtung wirkte die Bewegung dramatisch. Im langfristigen Chart fällt sie dagegen kaum ins Gewicht.
 
Genau daraus ergibt sich die zentrale Frage für Anleger: Haben Edelmetalle als Portfoliostabilisator an Bedeutung verloren – oder war der jüngste Einbruch lediglich ein reinigendes Gewitter nach einer Phase spekulativer Überhitzung?

 

Gold als strategische Reserve bleibt ein struktureller Faktor

 
Gold erfüllt weiterhin eine zentrale Rolle als strategische Reserve. Für viele Zentralbanken ist das Edelmetall ein wichtiges Anlageinstrument, insbesondere für Länder, die ihre Überschüsse nicht im US-Dollar anlegen wollen. Dieser strukturelle Treiber dürfte auch künftig bestehen bleiben.
 
Darüber hinaus spricht vieles dafür, dass die Nutzung von Gold als Portfoliobaustein im privaten Vermögensmanagement noch am Anfang steht. In einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit und wachsender Staatsverschuldung bleibt Gold ein relevanter Bestandteil strategischer Allokationen.

 

Gold und Silber zwischen Strategie und Spekulation

 
Die starke Rallye der vergangenen Wochen, insbesondere bei Silber, trug klare spekulative Züge. Beschleunigte Preisbewegungen ziehen kurzfristig orientiertes Kapital an. Dieses Kapital reagiert besonders sensibel auf Stimmungsumschwünge und dreht im Zweifel sehr schnell.
 
Der jüngste Preisrückgang war daher weniger Ausdruck eines fundamentalen Bruchs, sondern auch das Resultat einer Marktphase, in der spekulative Erwartungen eine zunehmend größere Rolle spielten.

 

Silber reagiert traditionell volatiler als Gold

 
Silber unterscheidet sich strukturell von Gold. Ein Tagesverlust von über 30 Prozent ist historisch außergewöhnlich und seit der Silberkrise Anfang der 1980er-Jahre nicht mehr aufgetreten. Gleichzeitig ist Silber bekannt für seine ausgeprägtere Volatilität.
 
Der Grund liegt im sogenannten Doppelleben des Metalls: Silber ist sowohl Anlage- als auch Industriemetall. Entsprechend reagieren die Preise nicht nur auf monetäre Faktoren, sondern auch auf konjunkturelle Erwartungen und Nachfrageveränderungen aus der Industrie.

 

Industriemetalle im Sog der Korrektur

 
Auch Kupfer und Seltene Erden gerieten unter Druck, wenn auch deutlich moderater als Gold und Silber. Das unterstreicht, dass es sich nicht um ein isoliertes Edelmetall-Ereignis handelte, sondern um einen breiteren Risikoabbau über den gesamten Metallkomplex hinweg.
 
Solche Phasen treten häufig auf, wenn Investoren Risiko reduzieren und Positionen in liquiden Märkten abbauen.

 

Mögliche Auslöser: Geldpolitik und Markttechnik

 
Als Auslöser der Bewegung werden mehrere Faktoren diskutiert. Im Fokus stand unter anderem die mögliche Ernennung von Kevin Warsh zum Präsidenten der US-Notenbank mit der Erwartung einer restriktiveren Geldmengenpolitik. Steigende Realzinsen erhöhen die Attraktivität zinstragender Anlagen gegenüber zinslosen Edelmetallen.
 
Letztlich dürften jedoch Markttechnik und spekulative Überhitzung die entscheidende Rolle gespielt haben. In solchen Phasen verstärken Stop-Loss-Mechanismen und algorithmischer Handel die Dynamik.

 

Vier Fazits zur Rolle von Edelmetallen im Portfolio

 
Fazit 1: Gegenbewegungen sind normal. Bereits am Dienstag folgte eine kräftige Erholung. Gold handelt wieder auf dem Niveau von Anfang der Vorwoche und deutlich über dem Stand zu Jahresbeginn. Volatilität gehört bei Rohstoffen grundsätzlich dazu.
 
Fazit 2: Crashs hinterlassen Spuren. Solche Bewegungen stoppen Marktteilnehmer aus. Oft zeigt sich erst Wochen später, wer tatsächlich betroffen ist. Weitere Nachbeben durch Positionsschließungen sind nicht auszuschließen.
 
Fazit 3: Warnsignal für andere Märkte? Auch andere hoch bewertete Segmente bleiben anfällig. Insbesondere US-Technologieaktien könnten bei zusätzlicher Risikoreduktion unter Druck geraten. Nicht jede Korrektur wird zum Crash – aber jede Bewertung verdient Aufmerksamkeit.
 
Fazit 4: Metalle bleiben strategisch relevant. Digitalisierung, Energiewende und Rüstung benötigen Rohstoffe. Die strukturelle Nachfrage verschwindet nicht. Entscheidend ist die Rolle im Portfolio und ein diszipliniertes Risikomanagement. Edel- und Industriemetalle bleiben gering korrelierte Vermögensgegenstände und verdienen weiterhin Berücksichtigung in der Depotkonstruktion.
 
 
Die zentrale Frage bleibt:
Sehen wir den Beginn einer volatileren Metall-Ära – oder lediglich eine längere, gesunde Korrekturphase?
 

Vennemann HiRes 5624

 

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