Hump of the week: Alles (weiter) gut am Aktienmarkt?
Aktueller Wochenkommentar: „Alles (weiter) gut am Aktienmarkt?“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management GmbH
Die Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten wirkt zu Beginn des Jahres 2026 auf den ersten Blick unspektakulär. Der DAX liegt leicht im Plus, der S&P 500 bewegt sich seitwärts, während der Nasdaq 100 moderat nachgegeben hat. Gleichzeitig sorgt die geopolitische Nachrichtenlage jedoch für spürbare Schwankungen und eine erhöhte Unsicherheit unter Investoren.
Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Können sich die Kapitalmärkte weiterhin an Fundamentaldaten orientieren oder bestimmen geopolitische Risiken zunehmend die Marktbewegungen?
Im Folgenden eine Einordnung der aktuell wichtigsten Einflussfaktoren.
Geldpolitik und Fiskalpolitik bleiben unterstützend
Die US-Notenbank verfolgt weiterhin einen unterstützenden geldpolitischen Kurs. Marktteilnehmer rechnen derzeit mit mindestens zwei Zinssenkungen im Jahresverlauf 2026. Die Europäische Zentralbank agiert dagegen vorsichtiger und beobachtet die weitere Inflationsentwicklung.
Parallel bleibt die Fiskalpolitik expansiv. In den USA dürften zusätzliche staatliche Maßnahmen im Vorfeld der Midterm Elections konjunkturstützend wirken. In Europa setzt Frankreich unter Präsident Emmanuel Macron verstärkt auf Investitionsprogramme. Auch in Deutschland werden zusätzliche Staatsausgaben diskutiert, die im Jahr 2026 eine Größenordnung von rund einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen könnten.
Diese Kombination aus geld- und fiskalpolitischer Unterstützung schafft grundsätzlich ein positives Umfeld für Risikoanlagen.
Konjunkturausblick verbessert sich moderat
Mehrere Faktoren sprechen derzeit für ein solides globales Wachstumspotenzial:
- nachlassende Zollkonflikte
- weiterhin vergleichsweise günstige Finanzierungsbedingungen
- zusätzliche fiskalische Impulse
Gleichzeitig bewegt sich die Inflation schrittweise in Richtung der Zielmarken der Notenbanken. Ein stabileres Preisumfeld reduziert den Druck auf restriktive geldpolitische Maßnahmen und wirkt damit unterstützend für Aktienmärkte.
Künstliche Intelligenz bleibt struktureller Wachstumstreiber
Innerhalb des Technologiesektors haben zuletzt vor allem Softwareunternehmen Kurskorrekturen erlebt. Gleichzeitig investieren die großen Technologie-Unternehmenweiterhin massiv in künstliche Intelligenz und finanzieren diese Investitionen aus steigendem Cash-Flow.
Die strukturelle Investmentstory rund um KI bleibt damit grundsätzlich intakt. Zwar werden Bewertungen einzelner Marktsegmente weiterhin kritisch diskutiert, ein fundamentaler Bruch der Entwicklung ist derzeit jedoch nicht erkennbar.
Asien rückt stärker in den Fokus internationaler Investoren
Der Wahlsieg der Regierungspartei in Japan hat neue Erwartungen an wirtschaftspolitische Reformen ausgelöst. Der starke Jahresstart des Nikkei-Index mit einem Plus von rund 13 Prozent lenkt internationale Kapitalströme wieder verstärkt nach Japan und erhöht die Bedeutung asiatischer Aktienmärkte im globalen Portfolio-Kontext.
Unternehmensgewinne zeigen sich weiterhin robust
Die Gewinnentwicklung der Unternehmen bleibt ein zentraler Stabilitätsfaktor für die Aktienmärkte. In den USA steigen die Unternehmensgewinne für das 4. Quartal 2025 aktuell um rund zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist dabei, dass das Wachstum nicht ausschließlich vom Technologiesektor getragen wird.
Auch europäische Unternehmen überraschen bislang positiv. Die laufende Berichtssaison fällt insgesamt besser aus als zuvor erwartet und unterstützt das Vertrauen der Investoren in die fundamentale Entwicklung.
Vier zentrale Schlussfolgerungen:
Fazit 1: Künstliche Intelligenz bleibt ein zentraler Markttreiber
Hohe Bewertungen allein führen selten zum Platzen von Marktblasen. Historisch waren dafür meist zusätzlich eine restriktive Geldpolitik oder eine deutliche konjunkturelle Abschwächung erforderlich. Beide Faktoren sind derzeit nicht dominant.
Fazit 2: Fiskalpolitik wirkt als Wachstumsstütze
Die europäischen Investitionsprogramme sind auch politisch motiviert, in Frankreich stehen in 12 Monaten Wahlen an. Deutschland dürfte sich selektiv beteiligen, während eine umfassende gemeinschaftliche Haftung weiterhin als politische Grenze gilt.
Fazit 3: Geopolitik bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Verhandlungsfortschritte im Ukraine-Krieg könnten die Märkte deutlich unterstützen. Gleichzeitig bleiben Entwicklungen im Iran sowie im US-Verhältnis zu China potenzielle Eskalationsrisiken. Die Bandbreite möglicher Szenarien bleibt entsprechend groß.
Fazit 4: Aktienmärkte behalten Potenzial – mit politischen Risiken
Die wichtigsten Risiken liegen derzeit weniger in wirtschaftlichen Fundamentaldaten als im politischen Umfeld. Ein moderaterer wirtschaftspolitischer Kurs im US-Wahljahr könnte den Märkten zusätzlichen Spielraum nach oben eröffnen.
Die entscheidende Frage für 2026: Wie offensiv agiert die US-Politik im Wahljahr – und wie viele geopolitische Überraschungen kann der Aktienmarkt noch verkraften?

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