Hump of the week: Endspiele in Europa, im Nahen Osten, in den USA?
Hump of the week: „Endspiele in Europa, im Nahen Osten, in den USA?“
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh
Die geopolitischen und politischen Risiken nehmen zu. Im Nahen Osten bleibt die Lage angespannt, Frankreich erlebt politische Unruhen und in den USA stehen am 3. November die Midterm-Wahlen bevor. Gleichzeitig haben insbesondere Technologieaktien zuletzt deutlich korrigiert.
Damit stellt sich für Anleger eine entscheidende Frage: Überwiegen derzeit die Risiken am Aktienmarkt oder entstehen durch die jüngsten Kursrückgänge neue Chancen?
Der Aktienmarkt zeigt erste Erholungstendenzen
Der Nasdaq 100 verlor in der vergangenen Woche rund 5,5 Prozent. Das war der größte Wochenverlust seit dem sogenannten „Liberation Day“.
Seit Montag zeigen sich allerdings erste Erholungstendenzen bei den Technologiewerten. Gleichzeitig lässt die Volatilität wieder etwas nach.
Dennoch bleibt der S&P 500 Indexstark von wenigen großen Technologieunternehmen abhängig. Die Entwicklung dieser Werte hat damit weiterhin erheblichen Einfluss auf die großen Aktienindizes.
Geopolitische Risiken bleiben hoch
Die geopolitische Lage bleibt angespannt. Nach Angriffen der Houthis auf Saudi-Arabien wurde die internationale Investorenkonferenz in Riad verschoben.
Auch die Situation zwischen den USA, Israel und Iran bleibt unberechenbar. Gleichzeitig zeichnet sich im Ukraine-Krieg bislang keine nachhaltige Entspannung ab.
Damit bleiben mehrere geopolitische Konflikte bestehen, deren weitere Entwicklung auch für die Kapitalmärkte von zentraler Bedeutung ist.
Die Berichtssaison liefert positive Gewinnperspektiven
Die Berichtssaison für das dritte Quartal hat begonnen. Die Konsensschätzungen erwarten für die Unternehmen des S&P 500 einen Gewinnzuwachs von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Allerdings stammt ungefähr die Hälfte dieses erwarteten Wachstums aus Infrastrukturinvestitionen der KI-Unternehmen. Damit bleibt die Entwicklung der Unternehmensgewinne stark von diesem Bereich geprägt.
Am heutigen Mittwoch legen unter anderem Tesla, Meta und IBM ihre Quartalszahlen vor.
Goldman Sachs hat Aktien auf Sicht von drei Monaten auf Übergewicht gestellt. Grundlage dieser Einschätzung sind die aktuellen Bewertungen und die Unternehmensgewinne.
Das Anlegersentiment zeigt ein widersprüchliches Bild
Kurzfristig hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten eingetrübt.
Der Sentimentindikator von Sentix signalisiert für US-Aktien derzeit einen schwachen Optimismus. Gleichzeitig bleibt das längerfristige Grundvertrauen stabil.
Bemerkenswert ist zudem, dass weiterhin Kapital in gehebelte Technologieprodukte fließt.
Damit ergibt sich eine widersprüchliche Konstellation: Während die kurzfristige Stimmung schwächer wird, setzen Anleger gleichzeitig weiterhin auf steigende Kurse im Technologiesektor. Eigentlich ein positiver Impuls…
Technologieaktien stehen besonders unter Druck
Besonders deutlich fiel die jüngste Korrektur bei Halbleiterunternehmen und KI-nahen Aktien aus.
Der koreanische Aktienmarkt, der stark von Technologieunternehmen geprägt ist, hat einen erheblichen Teil seiner zuvor außergewöhnlichen Gewinne aus 2027 wieder abgegeben.
Nvidia notiert dagegen weiterhin nur moderat unter seinem bisherigen Höchststand.
Die Entwicklung zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Technologieaktien und -segmente von der aktuellen Korrektur betroffen sind.
Vier Fazits
1. Kein breiter Aufschwung
Die aktuelleEntwicklung der Aktienindizes und der Unternehmensgewinne überzeugt grundsätzlich.
Allerdings konzentriert sich ein erheblicher Teil der positiven Entwicklung auf wenige Technologieunternehmen. Die geringe Marktbreite bleibt deshalb ein Risiko für den Aktienmarkt.
2. Der Markt ist nervös
Die jüngste Korrektur zeigt, wie schnell hohe Erwartungen an Unternehmen und ihre zukünftige Entwicklung hinterfragt werden können.
Zinsen, Inflationssorgen und Zweifel an der Rentabilität hoher KI-Investitionen belasten die Bewertungen.
Gleichzeitig könnte das schwache kurzfristige Anlegersentiment auch neue Chancen eröffnen.
3. Hoffnung auf Entspannung
Geopolitisch bleibt die Lage weiterhin unberechenbar.
In der kommenden Woche steht zudem die nächste Sitzung der US-Notenbank an. Der Markt hofft auf eine Zinspause und beruhigende Signale der Federal Reserve.
Eine solche Entwicklung könnte die Kapitalmärkte unterstützen, sofern die Inflationsrisiken nicht weiter zunehmen.
4. Wieder „Buy on Dips“?
Bislang war es im Börsenjahr 2026 richtig, Kursrücksetzer für Käufe zu nutzen.
Robuste Unternehmensgewinne und die langfristigen Produktivitätschancen durch Künstliche Intelligenz sprechen weiterhin für Aktien.
Allerdings bleibt der Spielraum für Enttäuschungen angesichts der hohen Bewertungen begrenzt.
Die zentrale Frage
Die Risiken nehmen zu, doch die Gewinnperspektiven bleiben positiv. Ist die jüngste Korrektur wieder eine Kaufgelegenheit oder unterschätzt der Aktienmarkt die geopolitischen und geldpolitischen Gefahren?

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