Hump of the week: Neue Marktrichtung nach dem Labour Day?

Aktienmärkte: Wird das vierte Quartal zum Realitätstest?
Autor: Carsten Vennemann, CFA, Geschäftsführer alpha beta asset management gmbh

Bisher war 2026 ein solides Jahr für die Aktienmärkte, während Anleihen unter steigenden Renditen litten. Gleichzeitig hat der anhaltende Iran-Krieg das makroökonomische Umfeld verändert. Höhere Energiepreise, hartnäckige Inflation und eine restriktivere Geldpolitik belasten die Weltwirtschaft, ohne die Aktienmärkte bislang nachhaltig aus der Ruhe zu bringen.

Mit dem Ende der US-Sommerpause rücken nun Konjunkturdaten, Notenbanken und geopolitische Risiken wieder stärker in den Mittelpunkt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Ändert sich die Marktrichtung nach dem Labour Day oder bleibt die Zuversicht der Aktienmärkte auch im vierten Quartal bestehen?

Die globale Konjunktur wächst mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten

Die westlichen Volkswirtschaften wachsen weiter, allerdings mit vergleichsweise wenig Dynamik. Deutlich stärker präsentiert sich das Bild in verschiedenen Emerging Markets.

Für Indien wird 2026 ein Wirtschaftswachstum von rund 6,4 Prozent erwartet, für China von 4,6 Prozent und für Indonesien von 5,0 Prozent. Die Unterschiede innerhalb der Weltwirtschaft bleiben damit erheblich.

Für Anleger unterstreicht diese Entwicklung, wie unterschiedlich sich die Wachstumschancen regional verteilen. Daraus entstehen Anlagechancen!

Inflation und hohe Energiepreise bleiben ein Risiko für die Aktienmärkte

Der Iran-Krieg dauert an und Brent-Öl notiert wieder bei knapp 100 US-Dollar je Barrel.

Gleichzeitig bewegt sich die Inflation in Europa und den USA weiterhin oberhalb der Zielmarken der Notenbanken. Der Energiepreisschock erschwert damit die geldpolitische Normalisierung und erhöht das Risiko von Zweitrundeneffekten.

Gerade die weitere Entwicklung der Energiepreise dürfte deshalb für Inflation, Konjunktur und Geldpolitik von erheblicher Bedeutung bleiben.

EZB und Fed stehen vor wichtigen Entscheidungen

Bei der morgen anstehenden EZB-Sitzung erwartet der Markt überwiegend eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Spannender als der einzelne Zinsschritt dürfte jedoch die Kommunikation von EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden. Entscheidend ist, ob sie bereits Hinweise darauf gibt, wie weit der aktuelle Zinserhöhungszyklus noch reichen könnte.

Auch bei der Federal Reserve ist die weitere Entwicklung offen. Die Märkte rechnen weiterhin mit der Möglichkeit eines zusätzlichen Zinsschritts bereits in der kommenden Woche. Damit bleiben die Notenbanken einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte.

Deutsche Konjunkturdaten enttäuschen

Die jüngsten Zahlen aus Deutschland zeigen, wie fragil die wirtschaftliche Erholung weiterhin ist.

Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sank im Juli gegenüber dem Vormonat real um 1,1 Prozent. Ohne Energie und Bau ging die Industrieproduktion sogar um 2,2 Prozent zurück. Besonders ausgeprägt war die Schwäche in der Automobilindustrie, deren Produktion um 9,2 Prozent fiel.

Das Wachstumspflänzchen aus dem zweiten Quartal muss sich deshalb erst noch als robust erweisen.

Globale Risiken bleiben hoch

Neben der Geldpolitik bleiben zahlreiche geopolitische und wirtschaftliche Risiken bestehen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada verschärft sich erneut, während hohe Energie- und Rohstoffpreise zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen.

Hinzu kommen die geopolitischen Risiken im Nahen Osten und in der Ukraine. Die Kombination aus Handelshemmnissen, hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit bleibt damit eine erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft.

Saisonalität spricht für einen anspruchsvollen Herbst

Auch die saisonale Entwicklung verdient Aufmerksamkeit.

In Jahren mit US-Midterm-Wahlen gehören September und Oktober historisch zu den schwierigeren Börsenphasen. Anschliessend verbessert sich das saisonale Bild häufig wieder.

Saisonalität ist selbstverständlich keine Prognose. In einem ohnehin von Inflation, Geldpolitik und geopolitischen Risiken geprägten Umfeld ist sie dennoch ein Faktor, den Anleger im Blick behalten sollten.

Vier Fazits

1. Das globale Wachstum verschiebt sich

Europa dürfte 2027 wieder etwas stärker wachsen, allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau. Die USA verlieren an Dynamik, während insbesondere Indien und andere Emerging Markets strukturell höhere Wachstumsraten bieten.

Globale Diversifikation bleibt damit wichtiger denn je.

2. Die Notenbanken nähern sich dem entscheidenden Punkt

Fed und EZB bekämpfen derzeit insbesondere die möglichen Zweitrundeneffekte höherer Energiepreise.

Sollte der Inflationsdruck 2027 nachlassen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum schwächer werden, könnte nach den letzten Zinserhöhungen irgendwann wieder die Diskussion über Zinssenkungen beginnen.

3. Noch regiert die Zuversicht

Unternehmensgewinne und Wirtschaftswachstum rechtfertigen bislang den Optimismus der Aktienmärkte. Der grösste Unsicherheitsfaktor bleibt die Geopolitik.

Ein Ende des Iran-Krieges könnte Energiepreise, Inflation und Geldpolitik gleichzeitig entlasten. Für die Weltwirtschaft wäre das ein erheblicher positiver Impuls.

4. Das vierte Quartal wird zum Test

Die Berichtssaison als wichtiger Kurstreiber liegt hinter uns. Damit rücken Inflation, Notenbanken und Geopolitik wieder stärker in den Vordergrund.

Bleiben die Unternehmensgewinne robust und beruhigt sich die Zinsseite, stehen die Chancen für einen positiven Abschluss des Aktienjahres weiterhin gut.

Die zentrale Frage

Die Aktienmärkte haben bislang durch Krieg, Inflation und steigende Zinsen hindurchgeblickt. Bleibt diese Zuversicht gerechtfertigt oder wird das vierte Quartal zum Realitätstest?

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